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Sie sind hier: Startseite Die Universität Informationsquellen Presseinformationen 2006 Hörsaal wird nach Alfred Philippson benannt

Hörsaal wird nach Alfred Philippson benannt

Geographisches Institut erinnert an jüdischen Professor

Der Bonner Geograph Alfred Philippson war nicht nur einer der bedeutendsten Griechenlandkenner der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, sondern seinerzeit auch der einzige jüdische Professor für Geographie in Deutschland. Das Geographische Institut benennt seinen Hörsaal in Erinnerung an ihn "Alfred-Philippson-Hörsaal". Aus diesem Anlaß lädt es am Montag, 6. Februar 2006 um 16.15 Uhr zu einem Festkolloquium in die Meckenheimer Allee 166 ein. Anschließend wird um 18 Uhr feierlich die Gedenktafel enthüllt. Interessierte und die Medien sind herzlich willkommen.

Alfred Philippson, am 1. Januar 1864 in Bonn geboren, studiert nach dem Abitur am Beethovengymnasium Geographie, Geologie und Nationalökonomie unter anderen bei Ferdinand von Richthofen in Bonn und Leipzig. Nach seiner Doktorarbeit zu dem Thema "Studien über Wasserscheiden" unternimmt Philippson mehrere Forschungsreisen in Griechenland. Seine Habilitationsschrift ist eine landeskundliche Arbeit über den Peloponnes.
Mit zeittypisch versteckten antisemitischen Argumenten wird ihm die Habilitation an vier deutschen Universitäten verwehrt. Erst nach Intervention von Friedrich Althoff, Ministerialdirektor im preußischen Kultusministerium, kann er sie an der Universität Bonn 1891 einreichen. Den ersten Ruf als Professor für Geographie erhält er 1904 aus der Schweiz an die Universität in Bern, 1906 geht er an die Universität in Halle. 1911 kehrt er schließlich als Professor für Geographie in seine Heimatstadt Bonn zurück. Trotz der anfänglichen Widerstände wird Philippson einer der bedeutendsten Hochschullehrer der Geographie. Seine Arbeiten sind wegweisend für die Entwicklung der Allgemeinen Physischen Geographie wie auch von großer Bedeutung für Historiker und Archäologen. 1929 wird er emeritiert.
Ab 1933 ist er zunehmend der antisemitischen Politik der Nationalsozialisten ausgesetzt. Auch Kollegen wenden sich von ihm ab. 1942 wird Philippson mit seiner Frau Margarete und seiner Tochter Dora in das KZ Theresienstadt deportiert. Nach einigen Monaten Gefangenschaft in einem Massenquartier unter katastrophalen hygienischen Bedingungen erhält Philippson als bedeutender Wissenschaftler "Prominentenstatus" und damit Privilegien, die der Familie das Überleben ermöglichen. Sie kehrt 1945 nach Bonn zurück. Philippson unterrichtet erneut an der Universität und widmet sich bis zu seinem Tode im Alter von 89 Jahren seinem wissenschaftlichen Werk. 1946 wird Philippson die Ehrendoktorwürde der Naturwissenschaftlichen Fakultät verliehen, dessen Jahrestag sich am 11. Februar  zum 60. Mal jährt.
Mit der Benennung des Hörsaals des Geographischen Instituts Bonn in Alfred-Philippson-Hörsaal sollen zum einen Studierende und Kollegen an den Geographen und Menschen Alfred Philippson erinnert sowie sein Lebenswerk gewürdigt werden.
Die wissenschaftliche Bedeutung Philippsons dokumentiert sich auch in über 200 Publikationen. Seine Lebenserinnerungen "Wie ich zum Geographen wurde", herausgegeben von Hans Böhm und Astrid Mehmel, sind 1996 (zweite Auflage 2000) in der Reihe "Academica Bonnensia" des Archivs der Universität Bonn erschienen.
  

Kontakt:
Dr. Uwe Börst, Geographisches Institut der Universität Bonn
Tel.: 0228/73-7206, E-Mail: 
boerst@giub.uni-bonn.de

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