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Wie rational ist der \"Homo oeconomicus\"?

Nobelpreisträger Prof. Dr. Reinhard Selten leitet neues Akademieprojekt an der Universität Bonn


Wie treffen wir ökonomische Entscheidungen? Streng rational nach genauer Analyse aller Fakten, die uns zur Verfügung stehen? Oder spielen bei Aktienkäufen und Investitionen - neben einem möglichst hohen Gewinn - auch noch ganz andere Faktoren eine Rolle? Und wenn ja, welche? Um Fragen wie diese geht es in einem neuen Projekt an der Universität Bonn, das von der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften gefördert wird. In den kommenden zehn Jahren fließen dafür insgesamt 2,6 Millionen Euro an die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität.


Der Bonner Wirtschafts-Nobelpreisträger von 1994 Professor Dr. Reinhard Selten hat heute zusammen mit dem Präsidenten der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften, dem Bonner Ökonomie-Professor Manfred J.M. Neumann, und Universitätsrektor Professor Dr. Matthias Winiger den Projektvertrag unterzeichnet.

Lange gingen Wirtschaftswissenschaftler von der Annahme aus, dass Menschen ökonomische Entscheidungen streng rational treffen und dabei sämtliche Informationen berücksichtigen, die ihnen zur Verfügung stehen. "Heute ist klar, dass diese einfache Theorie nicht realistisch ist", erklärt Professor Selten. "So sollte zum Beispiel der Einkaufspreis für die Entscheidung über den Verkauf einer Aktie keine Rolle spielen. Nach der rationalen Theorie kommt es nur darauf an, Chancen und Risiken in der Zukunft gegeneinander abzuwägen. Zu welchem Preis die Aktie gekauft wurde, ist dabei gleichgültig. In Wirklichkeit ist der Einkaufspreis jedoch für solche Entscheidungen sehr wichtig, weil der Vergleich des Verkaufspreises mit Einkaufspreis das Erfolgskriterium liefert." Der Mensch sei ein lernendes Individuum, und Lernen brauche Kriterien für Erfolg und Misserfolg.

"Wir wollen in dem neuen Akademie-Projekt versuchen, zu einer umfassenden Theorie der eingeschränkten Rationalität zu kommen, die auch die psychologischen Komponenten berücksichtigt", so der Nobelpreisträger weiter. Dabei sollen auch Experimente im "Wirtschafts-Labor" helfen: Dort sollen Versuchspersonen ökonomische Entscheidungssituationen "nachspielen" und können dabei echtes Geld verdienen.

Hilfreich ist die lange Laufzeit des Projekts: Bis 2015 steht die Finanzierung; 260.000 Euro jährlich fließen in dieser Zeit an die Bonner Uni. "Akademie-Projekte sind aufgrund ihrer Langfristigkeit ein extrem wichtiger Baustein für eine Forschungsuniversität wie die Uni Bonn", betont Rektor Professor Dr. Matthias Winiger. "Damit lassen sich auch Großvorhaben angehen, die sich in wenigen Jahren gar nicht bewältigen ließen."

Die Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften fördert momentan 15 Langzeitvorhaben. Allein elf davon stehen unter Federführung der Universität Bonn. Damit liegt die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität bei der Akademie-Förderung mit weitem Abstand an der Spitze der NRW-Hochschulen.


Kontakt:
Professor Dr. Reinhard Selten
Labor für Experimentelle Wirtschaftsforschung an der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-9192


oder Dr. Heike Hennig-Schmidt
Telefon: 0228/73-9195
E-Mail:
hschmidt@uni-bonn.de

Foto zur Presseinformation

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Professor Dr. Manfred J.M. Neumann (Präsident der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften), Professor Dr. Reinhard Selten und Rektor Professor Dr. Matthias Winiger bei der Besiegelung des neuen Akademieprojekts (von links).
Foto: Frank Luerweg / Uni Bonn
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