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Wenn alle Diäten versagen

Selbsthilfegruppe will Übergewichtigen helfen

In Deutschland ist jeder fünfte Mensch krankhaft übergewichtig - Tendenz steigend. Dieses Leiden bedeutet einen ständigen, meist aussichtslosen Kampf gegen die gefährlichen Pfunde und die Betroffenen ziehen sich oft in die Isolation zurück. "Wir wollen sie aus ihrer Einsamkeit, Verzweiflung und der Wut über sich selbst herausholen", sagt Klaus Heisterkamp, selbst Betroffener. In Kooperation mit der Chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Bonn (Direktor: Professor Dr. Andreas Hirner) haben er und Achim Kümpel jetzt die Selbsthilfegruppe "Adipositas-SHG-Bonn" gegründet. Das erste Treffen findet am Dienstag, 29. November, um 19 Uhr im Casino in der Chirurgischen Universitätsklinik, Sigmund-Freud-Str. 25, in der 6. Etage statt.

Menschen mit krankhafter Fettleibigkeit, der so genannten Adipositas, leiden oft unter einem schlechten Selbstwertgefühl und Depressionen. Atembeschwerden und Begleiterkrankungen wie Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, Herzerkrankungen bis zum Infarkt und Gelenkverschleiß vermindern die Lebensqualität. Trotz des hohen Leidensdrucks hat nur etwa jeder Zehnte im Kampf gegen seine gefährlichen Pfunde mit herkömmlichen Therapien wie beispielsweise Diäten langfristig Erfolg. "Wir wollen Betroffenen einen Raum bieten, sich über Sorgen und Erfahrungen auszutauschen. Das Gefühl, nicht allein zu sein, ist wichtig", sagt Heisterkamp.

Zudem wollen die Gründerväter Klaus Heisterkamp und Achim Kümpel über Möglichkeiten im Kampf gegen das Übergewicht informieren. "Die Magenband- oder alternativ die Magenbypass-Operation sind meistens die einzigen wirksamen Methoden langfristig ein Normalgewicht zu erreichen", sagt Privatdozent Dr. Andreas Türler, Oberarzt an der Chirurgischen Klinik des Universitätsklinikums Bonn. Bei der Magenbandoperation legen die Bonner Ärzte um den Mageneingang ein individuell verstellbares Band aus weichem Silikon. Durch den so verkleinerten Magen bekommt der Patient viel schneller ein Sättigungsgefühl. So kann er in einem Jahr rund die Hälfte seines Übergewichts loswerden.

Übergewichtige gelten in Deutschland nicht als krank

Doch Adipositas ist anders als in vielen europäischen Ländern wie Spanien, Frankreich, Belgien und Schweden bei uns nicht als Krankheit anerkannt. Folglich ist eine Magenband-Operation keine Regelleistung der Krankenkassen. Nur ein Betroffener, der eine Psychotherapie, eine Ernährungsberatung, sportliche Aktivitäten und die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe nachweisen kann, hat überhaupt eine Chance auf ein von den Krankenkassen finanziertes Magenband. "Trotz schwerwiegender Folgeerkrankungen lehnen die Krankenkassen 60 bis 70 Prozent aller Anträge ab, obwohl wir zusammen mit Psychosomatikern unseres Klinikums im Vorfeld genau abklären, ob ein Magenband für unseren Patienten sinnvoll ist", konstatiert Professorin Dr. Dorothee Decker, Oberärztin an der Chirurgischen Universitätsklinik. Die Folge - ein Nerven zermürbendes Ringen mit den Krankenkassen - hat Heisterkamp selbst erlebt. Erst nach anderthalb Jahren konnte er vor dem Sozialgericht in Köln die Finanzierung seiner Magenband-Operation durchsetzen: "In der Selbsthilfegruppe wollen wir uns gegenseitig in dieser Phase stärken und Tipps geben. Denn viele geben resigniert auf."

Mit dem Magenbad fängt ein neues Leben an

Heisterkamp hat nach der Operation innerhalb von 30 Tagen bereits neun Kilo abgenommen. Er isst nur kleine Portionen nach einem Diätplan, setzt sich mit gesunder Ernährung auseinander und treibt Sport: "Wenn jemand jeden Tag zwei Liter Limonade trinkt, kann das Band keinen Erfolg bringen. Gerade in diesem neuen Lebensabschnitt ist ein Austausch mit Menschen mit demselben Problem enorm wichtig." So trifft sich die Selbstgruppe einmal im Monat, organisiert medizinische Vorträge und lädt zu gemeinsamen Unternehmungen wie einem Schwimmbadbesuch ein.

An der Selbsthilfegruppe Interessierte können sich unter der Telefonnummer 02232/152355 direkt an Klaus Heisterkamp wenden. Unter www.adipositas-bonn.de entsteht zur Zeit der Internetauftritt der Selbsthilfegruppe. Unter www.magenband-deutschland.de gibt es ein Forum, in dem sich Betroffene austauschen können.

Kontakt für die Medien:
Chefarzt Professor Dr. Andreas Hirner,
Oberärzte Professorin Dr. Dorothee Decker und Privatdozent Dr. Andreas Türler
Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie, Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-5109
E-Mail:
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