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Sie sind hier: Startseite Die Universität Informationsquellen Presseinformationen 2005 Minister Pinkwart zeichnet Bonner Mediziner aus

Minister Pinkwart zeichnet Bonner Mediziner aus

Forscher haben ein neues Diagnose-System für bestimmte chronische Erkrankungen entwickelt

Innovationsminister Andreas Pinkwart hat heute zwei Mediziner der Universität Bonn mit dem zweiten Preis im Hochschulwettbewerb "Patente Erfinder" ausgezeichnet. Privatdozentin Dr. Birgit Terjung und Professor Dr. Ulrich Spengler haben ein neues System entwickelt, mit dem sich chronische Erkrankungen von Darm und Leber wie Colitis ulcerosa und Autoimmunhepatitis leichter und sicherer diagnostizieren lassen. Dafür können sie sich nun über 10.000 Euro freuen. Der erste Preis ging nach Düsseldorf, auf Rang drei landete ein Forscherteam der RWTH Aachen.

Colitis ulcerosa und Autoimmunhepatitis sind chronische Entzündungen des Dickdarms bzw. der Leber, unter denen in Deutschland mehrere hunderttausend Menschen leiden. Da die Symptome auch auf andere Erkrankungen hindeuten können, werden sie oft erst spät diagnostiziert und korrekt behandelt. Die Leiden zählen zu den so genannten Autoimmunerkrankungen: Das Immunsystem bekämpft fälschlicherweise körpereigene Strukturen und löst dadurch die Darm- bzw. Leberentzündung aus.

Mitverantwortlich dafür sind bestimmte Antikörper, die so genannten atypischen pANCA. Sie lassen sich nur im Blut von Patienten mit Colitis ulcerosa oder Autoimmunhepatitis nachweisen. pANCA bekämpfen keine Krankheitserreger, sondern machen stattdessen Jagd auf eine bestimmte Gruppe von weißen Blutkörperchen. Woran sie diese erkennen, war bislang nicht bekannt.

Die Bonner Privatdozentin Dr. Birgit Terjung hat nun zusammen mit dem Leiter der Arbeitsgruppe Klinische Immunologie Professor Dr. Ulrich Spengler entdeckt, auf welchen Bestandteil der weißen Blutkörperchen die atypischen pANCA fälschlicherweise anspringen. "Ziel der Antikörper ist ein Zellstrukturprotein, das hohe Ähnlichkeit zu einem bakteriellen Molekül aufweist", erklärt Terjung. "Bei Patienten mit Colitis ulcerosa und wohl auch bei der Autoimmunhepatitis ist der Darm durchlässiger für Krankheitserreger als bei Gesunden. Wir vermuten, dass bei ihnen bestimmte Bakterien in das darmeigene Immunsystem gelangen können, gegen die das Immunsystem dann pANCA-Antikörper bildet. Durch weitere, noch unbekannte Störungen des Immunsystems kommt es dann zur chronischen Entzündung von Darm oder Leber."

Zeitaufwändig und unzuverlässig

Die Wissenschaftler wollen nun das Zielmolekül von pANCA - das so genannte Antigen - als "Köder" für den Antikörper nutzen, um ihn so leichter nachweisen zu können. Bislang müssen die Mediziner für die Diagnose die Blutproben von Betroffenen mit einem komplizierten Verfahren anfärben. Unter dem Spezialmikroskop leuchten dann die pANCA-Antikörper auf, die sich in ein weißes Blutkörperchen "verbissen" haben. "Das ist allerdings ziemlich zeitaufwändig. Überdies unterliegt die Testauswertung der subjektiven Einschätzung des Untersuchers", betont Birgit Terjung.

Schneller und zuverlässiger wäre der Nachweis mit einem so genannten ELISA-Test. Dabei wird eine Mikrotiterplatte mit etwa hundert Vertiefungen mit dem Antigen beschichtet. In jede Vertiefung kann man prinzipiell die Blutprobe eines anderen Patienten geben - in der Praxis erfolgt dieser Schritt vollautomatisch. Enthält eine Probe pANCA-Antikörper, "verkleben" diese mit dem Zielmolekül auf der Platte. Der Rest wird abgewaschen. Die gebundenen pANCA lassen sich dann anfärben. Eine Kamera erfasst das Ergebnis, das anschließend vom Computer ausgewertet wird - weit objektiver, als es das menschliche Auge jemals könnte.

Die beiden Erfinder haben ihr Verfahren inzwischen zum Patent angemeldet und planen nun die Entwicklung eines solchen schnellen Testsystems. Dazu suchen sie noch Partner aus der Industrie.


Kontakt:
Privatdozentin Dr. Birgit Terjung
Arbeitsgruppe Klinische Immunologie am Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-5507 (Pforte)
E-Mail:
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Auf dieser Miktotiterplatte, wie sie für Elisa-Tests verwandt wird, lassen sich prinzipiell 96 verschiedene Blutproben untersuchen.
Foto: Frank Luerweg / Uni Bonn
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