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Finden Opernsänger immer den gesunden Ton?

Professor Schade setzt neue Akzente an der HNO-Klinik

Professor Dr. Götz Schade leitet die neue Abteilung für Stimm-, Sprech-, Sprach, Schluck- und kindliche Hörstörungen an der Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Universitätsklinikums Bonn. Die neue Facharztrichtung "Phoniatrie und Pädaudologie" erweitert das Angebot der Bonner Universitätsklinik deutlich - unter anderem in der Diagnostik und Therapie kindlicher Hörstörungen und Sprachentwicklungsverzögerungen. Professor Schade war vorher Oberarzt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, wo er sich insbesondere mit Stimmstörungen intensiv beschäftigte.

Luft lässt beim Ausatmen die Stimmlippen im Kehlkopf schwingen - ein Ton entsteht. Bei einer normalen männlichen Sprechstimme schwingen die Stimmlippen zwischen 100 bis 130 Mal pro Sekunde, bei einer weiblichen Opernsängerin sogar bis zu 1400 Mal. Dabei sind etwa 50 Muskeln beteiligt. Sänger und Menschen mit Sprechberufen wie beispielsweise Lehrer überfordern oft ihre Stimme und können daher an Stimmstörungen leiden - angefangen von Heiserkeit bis hin zur Stimmlosigkeit. "Auch Manager sprechen häufig künstlich tiefer und wenden so zuviel Kraft beim Sprechen auf", sagt Professor Schade.

Nicht nur Überlastung oder eine falsche Technik bei der Stimmbildung führen zu einer kranken Stimme, sondern es gibt auch so genannte organische Dysphonien aufgrund sichtbarer Veränderungen der Stimmlippen wie Polypen, Knötchen oder Zysten. Bei Stimmlippenlähmungen beispielsweise spricht der Betroffene "verhaucht". Dagegen führt Magensäure im Kehlkopf häufig zu Heiserkeit verbunden mit Räuspern und einem Kloßgefühl im Hals. Zudem gibt es auch seelisch bedingte Stimmstörungen. "Die jeweilige richtige Diagnose und damit die Wahl der optimalen Therapie setzt viel Erfahrung und eine gute apperative Ausstattung voraus", sagt Professor Schade. So könnten beispielsweise Bambusknötchen - Querrillen auf den Stimmlippen infolge einer rheumatischen Erkrankung - leicht mit Zysten verwechselt werden.

Professor Schade und sein Team analysieren Stimmstörungen unter anderem endoskopisch. Dabei führen die Mediziner ein starres oder flexibles Endoskop über die Mundhöhle oder die Nase zum Kehlkopf und nehmen dort Bilder von den Stimmlippen auf. "Durch moderne Video-Technik können wir unseren Patienten zeigen, welche Ursachen die Störung hat. Dadurch steigt auch ihre Bereitschaft, die Therapieempfehlungen zu beherzigen", sagt Professor Schade. Das Bonner Team entfernt unter anderem Polypen in örtlicher Betäubung. Dabei setzt es bei Störungsbildern wie Knötchen vor und nach der Operation zusätzlich auf eine logopädische Therapie, bei der die optimale Stimmbildungs- und Atemtechnik trainiert wird. Die Logopädie mache vor allem bei Stimmstörungen aufgrund einer falschen Sprechweise Sinn, so Professor Schade: "Bei einer gepressten Stimme als Folge einer Fehlsteuerung der Muskeln, einer so genannter spasmodischen Dysphonie, hilft dagegen nur eine Injektion von Butolinumtoxin, das die Muskeln vorübergehend lähmt."

Das wissenschaftliche Interesse von Professor Schade liegt beispielsweise in der Geschwindigkeitsmessung von Stimmlippenbewegungen. So legen die Stimmlippen laut seinen Untersuchungen innerhalb von zwei Stunden eine Strecke von rund sieben Kilometern zurück. Dazu entwickelte der 39-jährige unter anderem ein neuartiges Verfahren, das erstmals eine exakte Abstandsmessung im Kehlkopf ermöglicht. Den Prototyp dieses Laservermessungsgeräts, mit dem unter anderem die Abheilung von Knötchen kontrolliert werden kann, gibt es nur in Hamburg und Bonn. Zusätzlich dienen solche Messungen zur Aufklärung, wie gutartige Veränderungen der Stimmlippen entstehen. So ist ihre Geschwindigkeit in der Bruststimme sehr viel höher als in der Kopfstimme. "Das ist gerade ein Problem für Musicalsänger, die hohe Töne noch mit der Bruststimme singen. Das belastet ihre Stimme enorm", sagt Professor Schade.

Kontakt für die Medien:
Professor Dr. Götz Schade
Leiter der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudologie
Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Universitätsklinikums Bonn
Tel: 0228/287-1280
E-Mail:
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Professor Dr. Götz Schade
Foto: Johann Saba, Kommunikations- und Medienzentrum/UKB
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