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Opfer seiner selbst - oder der Medien?

Bonner Politologe veröffentlicht Buch über Franz Josef Strauß

Am 6. September wäre Franz Josef Strauß 90 Jahre geworden. Kaumein anderer deutscher Politiker der Nachkriegszeit ist noch heute soumstritten. Zu seinem Geburtstag erscheint am 24. August das Buch"Franz Josef Strauß - Ein politisches Leben" des Politologen Dr. StefanFinger von der Universität Bonn. Darin nimmt der Sohn desStrauß-Fahrers Otto Finger die zahlreichen Affären des CSU-Politikersunter die Lupe und beleuchtet die Rolle, die die Medien - allen voran"Der Spiegel" - dabei spielten. Seine provokante These: Eine überJahrzehnte ebenso erbittert wie unfair geführte Medienkampagne habe dieKanzlerschaft des Bayern verhindert und ihn über den Tod hinausdiskreditiert.

Das Buch basiert auf Fingers Dissertation, für die derPolitologe neben Archiv- und Literatur-Recherchen mit mehr als zwanzigZeitzeugen gesprochen hat - vor allem mit Mitarbeitern und Weggefährtenvon Franz Josef Strauß, aber auch mit politischen Gegnern wie Egon Bahroder Hans-Dietrich Genscher. Zu Wort kommt auch Fingers Vater OttoFinger: In den frühen 60er Jahren war er Cheffahrer des damaligenBundesverteidigungsministers, bis dieser im Zuge der "Spiegel"-Affärezurücktreten musste.

Gerade das Politmagazin "Der Spiegel" habe schon seit denspäten 50-er Jahren jede Chance genutzt, den oft poltrigen undpolarisierenden Bayern als Feindbild aufzubauen, so der Politologe. Am10. Oktober 1962 erschien im "Spiegel" ein Artikel mit dem Titel"Bedingt abwehrbereit" zur Verteidigungsfähigkeit der Bundesrepublik.In der Folge wurden "Spiegel"-Herausgeber Rudolf Augstein und derVerfasser des Artikels Conrad Ahlers wegen des Verdachts aufLandesverrat verhaftet.

Die Öffentlichkeit sah dies als Versuch der Regierung, einkritisches Magazin mundtot zu machen. Dieser Vorwurf blieb - auch wegenIntrigen in der Bundeswehr-Spitze und dem Bundesnachrichtendienst - vorallem am damaligen Verteidigungsminister Strauß hängen, der schließlichzurücktreten musste. Aus Fingers Sicht hatte Strauß bei der Verhaftungvon Conrad Ahlers zwar seine Kompetenzen überschritten und seine Lagedurch eine ungeschickte Verteidigungsstrategie verschlimmert. SeinenRücktritt verdanke er aber vor allem dem gut organisierten"Kesseltreiben" der linksliberalen Presse, die auch danach jedeMöglichkeit genutzt habe, ihm mangelnde Selbstkontrolle, korrupteVetternwirtschaft, Geringschätzung demokratischer Prinzipien undkriegerische Angriffslust zu unterstellen.

Nicht ausreichend gewürdigt sieht Finger bis heute dieVerdienste des CSU-Politikers: Während der großen Koalition 1966 bis1969 war Strauß Finanzminister; in diesen drei Jahren gelang dem Bayernzusammen mit Wirtschaftsminister Karl Schiller das Kunststück, dieStaatsverschuldung abzubauen. Auch in der Ostpolitik habe StraußAkzente gesetzt: Er fädelte 1983 den legendären "Milliardenkredit" fürdie DDR ein und handelte in diesem Zusammenhang aus, dass Honnecker dieSelbstschussanlagen an der deutsch-deutschen Grenze entfernen ließ.

Das oft kolportierte Bild vom angeblichen"Kommunistenfresser" sei absolut unbegründet, meint Finger: Strauß habeschon in den 60er Jahren für eine (wirtschaftliche) Annäherung an denOsten plädiert, dafür allerdings auch Gegenleistungen erwartet - eineEinstellung, die er beim politischen Gegner vermisst habe. Auch EgonBahr bestätigt, dass Strauß die Substanz der sozialliberalen Ostpolitik"niemals wirklich in Frage gestellt oder für falsch gehalten" habe.

Was Strauß unbestritten fehlte, war Souveränität im Umgang mitden Medien, deren Angriffe er gerne in gleicher Münze heimzahlte. Soschrieb Rudolf Augstein 1963 im "Spiegel": "Solange die CSU eineFührer-Partei ist, droht auch dem Staat von Bonn die Gefahr, einFührer-Staat zu werden" - eine Äußerung, die Strauß nicht verzeihenkonnte. Der "Spiegel" könne "mit Akten aus der NS-Zeit fast jedenDeutschen erpressen", konterte er. Das Magazin sei die "Gestapo unsererTage."

Dr. Stefan Finger: Franz Josef Strauß - Ein politisches Leben. Olzog Verlag München 2005, ISBN 3-7892-8161-1

Kontakt:
Dr. Stefan Finger
Seminar für Politische Wissenschaft der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-5078
E-Mail:
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Otto Finger und Franz Josef Strauß. (c)
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