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Mangelnde Hygiene ist kein Kavaliersdelikt

Hygiene Forum Bonn berät am 25. August Ärzte und Pflegepersonal

"Orientierung geben - Hygiene verwirklichen - Sicherheit schaffen": Unter diesem Motto steht am 25. August das Hygiene Forum Bonn für Ärzte und Fachpersonal, das zur Verbesserung der Krankenhaushygiene beitragen soll. Die Fortbildungsveranstaltung des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn und der Vereinigung der Hygiene-Fachkräfte der Bundesrepublik Deutschland e.V. (VHD) findet ab 9 Uhr im Anatomischen Institut in der Nussallee 10 statt. Eine Hochrechnung zeigt: in Deutschland sterben jährlich etwa 2.400 Menschen an Infektionen, die sie sich durch einen Aufenthalt auf einer Intensivstation zugezogen haben. Insgesamt sind Jahr für Jahr bis zu 800.000 Patienten in Deutschland von solchen krankenhausbedingten Infektionen betroffen.

Wissen und Möglichkeiten zur Hygiene machen kontinuierlich Fortschritte, nicht jedoch das Verhalten. Häufig sind es psychologische Barrieren, die eine Umsetzung in entsprechende Handlungsweisen verhindern. "Es gibt in unserer Gesellschaft immer noch viele Vorurteile zur Hygiene", sagt der Bonner Psychologe Professor Dr. Reinhold Bergler. "Dazu zählt unter anderem, dass hygienebewusste Menschen oft als Sauberkeitsneurotiker abgestempelt werden." Auch würden nicht beeinflussbare Faktoren von den meisten Menschen am riskantesten eingestuft; nur selten seien wir uns dagegen bewusst, wie wichtig unser eigenes Verhalten für unsere Gesundheit sei. "Am Bösen sind eben immer nur die Anderen schuld."

In seinem Vortrag beim Hygiene Forum Bonn will Bergler auch deutlich machen, dass die Art der Wissensvermittlung ausschlaggebend dafür ist, ob Maßregeln befolgt werden oder nicht: Hygienevorschriften sollen stets anschaulich und verständlich sein und sich auf konkrete Situationen und Problemlösungen konzentrieren. Umständliche Fachterminologie habe hier nichts zu suchen. Professor Bergler bemängelt zudem die mangelnde Vorbildfunktion mancher ärztlicher Führungskräfte: "Für Viele ist es leider immer noch ein Kavaliersdelikt, hygienische Vorschriften nicht zu befolgen", sagt er.

Mangelnde Hygiene in Krankenhäusern verursacht nicht nur viel unnötiges Leid und enorme Mehrkosten - oft ist sogar der Behandlungserfolg in Frage gestellt, da immer mehr Erreger gegen Antibiotika unempfindlich werden. Nicht zuletzt deswegen sollte man sich darauf konzentrieren, krankenhausbedingte Infektionen von Anfang an zu vermeiden. Zur Prävention gibt es lediglich zwei Möglichkeiten: der gezielte und sparsame Einsatz von Antibiotika und vor allem die strenge Anwendung von Hygienemaßnahmen, wie z.B. häufiges Händewaschen, die Desinfektion von medizinischen Hilfsmitteln oder das Tragen von Schutzhandschuhen. Mit "Putzfimmel" hat all das wenig zu tun.


Kontakt:
Annette Loock
Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit
Telefon: 0228/287-9101
E-Mail:
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