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\"Wort Gottes in Trümmern\"

Evangelisch-Theologische Fakultät erinnert an Karl Barth

Am 21. Juni 1935 wurde der bedeutende evangelische Theologe Karl Barth durch die Nationalsozialisten zwangspensioniert. Die Evangelisch-Theologische Fakultät und die Universität Bonn erinnern am Dienstag, dem 28. Juni, an die Entlassung Barths und an das Schicksal der Evangelisch-Theologischen Fakultät. Zu dem Vortrag des Bonner Kirchenhistoriker Professor Dr. Wolfram Kinzig "Wort Gottes in Trümmern. Karl Barth und die Evangelisch-Theologische Fakultät vor und nach dem Krieg" sind Interessenten herzlich willkommen. Der Vortrag beginnt um 20.15 Uhr in Hörsaal 7, Uni-Hauptgebäude.

Der Schweizer Karl Barth (1886-1968) wurde im Jahr 1930 an der Universität Bonn auf den Lehrstuhl für Systematische Theologie berufen. Für ihn war Theologie weder unpolitisch noch unkritisch, weshalb er am 1. Mai 1931 demonstrativ als Zeugnis für Demokratie und Sozialismus gegen Obrigkeitsstaat und Nationalismus in die SPD eintrat. Bereits kurz nach der Machtergreifung gehörte Barth zur bevorzugten Zielscheibe der nationalsozialistischen Propaganda. Da er im Ausland als einer der größten Gelehrten des deutschen Protestantismus galt, ließ man ihn zunächst noch unbehelligt, obwohl er es bereits im Wintersemester 1933 ablehnte, die Vorlesungen mit dem "Deutschen Gruß" zu beginnen.

Im Mai 1934 beteiligte sich Karl Barth als Vertreter der Bonner evangelischen Gemeinde an der Reichs-Bekenntnis-Synode in Barmen. Die dort verabschiedete "Barmer Theologische Erklärung", deren Text in weiten Teilen von Barth stammte, verurteilte die von den sogenannten "Deutschen Christen", die der NSDAP nahestanden, vertretene Lehre und gründete den sogenannten "Pfarrernotbund". Karl Barth wurde als der theologische Kopf dieser Bewegung angesehen. Seine Schweizer Staatsangehörigkeit schützte ihn jedoch zunächst vor staatlichen Disziplinierungsmaßnahmen.

Erst als er sich weigerte, den vorgeschriebenen Eid auf Hitler zu leisten, wurde Karl Barth am 26. November 1934 vom Dienst suspendiert. Zum Erstaunen der NS-Machthaber hob ein Berliner Gericht diese Strafe im Juni 1935 wieder auf, doch war das Maß für die Nazis nun voll. Mit Schreiben vom 21. Juni 1935 wurde Barth aufgrund des "Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums" zwangspensioniert. Wenige Tage später kehrte er in die Schweiz zurück, wo er noch bis 1962 in Basel lehrte. Barth blieb Bonn aber treu und kehrte im Sommersemester 1946 und im Sommersemester 1947 als Gastprofessor zurück. Karl Barth starb am 10.12.1968 in Basel.

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