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Sportwissenschaft: Die Bewegung macht die Musik

Forschungs-Symposium zu einer viel versprechenden Lernmethode, bei der Sportbewegungen vertont werden

Die Idee hört sich verrückt an: Ein Schwimmer gleitet durch das Wasser und erzeugt durch seine Arm-, Bein- und Rumpfbewegungen eine mehrstimmige Tonfolge. Dabei versucht er, dieselbe Melodie zu komponieren, die sein Trainer ihm zuvor vorgeschwommen hat. So soll er seinen Bewegungsablauf sukzessive verbessern. Zumindest für einfache Bewegungen funktioniert diese "Bewegungs-Sonification" getaufte Methode schon. Erdacht wurde sie von Sportwissenschaftlern der Universität Bonn; erste Resultate sind viel versprechend. Am 15. Juli diskutiert die deutsche Sonification-Gemeinde in der Deutschen Sporthochschule Köln die Perspektiven der neuen Lern- und Trainingsmethode.

Bewegungen lernen wir meist durch Nachahmung dessen, was wir sehen: Der Tennistrainer zeigt, wie eine gute Vorhand aussieht, und wir versuchen, den Schlag zu imitieren. Gerade Neulinge haben aber Probleme, ihre eigene Technik zu beurteilen: Da sie sich beim Tennisspiel schlecht selbst beobachten können, haben sie nur eine ungefähre Vorstellung davon, wie ihre Schläge im Vergleich zur Vorgabe aussehen. "Wir versuchen, über das Gehör eine wirksamere Instruktion und eine zusätzliche Rückmeldung über den Bewegungsablauf zu geben", erklärt der Bonner Privatdozent Dr. Alfred Effenberg vom Bonner Institut für Sportwissenschaft und Sport den Ansatz der "Bewegungs-Sonification".

Zusammen mit Institutsleiter Professor Dr. Heinz Mechling hat Effenberg die Methode in einem einfachen Versuch erprobt. Studenten sollten den Hock-Streck-Sprung eines "Modellspringers" nachvollziehen und dabei dessen Sprunghöhe möglichst genau treffen. Dabei bekamen die Teinehmer in einigen Fällen zusätzlich zu den Videosequenzen der Sprünge eine sprungspezifische Tonfolge zu hören. Sie spiegelte wieder, wieviel Kraft der "Modellspringer" im Verlauf des Sprungs auf den Boden ausgeübt hatte. Je stärker diese Kraft, desto höher und lauter der Ton.

Das Ergebnis war aus musikalischer Sicht gewöhnungsbedürftig - der Effekt auf die Versuchsteilnehmer war jedoch beeindruckend: Mit Tonunterstützung sprangen sie im Durchschnitt um 20 Prozent präziser, als wenn sie sich nur auf ihr Auge verlassen mussten. "Einer unserer Probanden hatte bei 20 Sprüngen zwischen 30 und 45 Zentimetern Höhe nur eine durchschnittliche Abweichung von 1,28 Zentimetern im Vergleich zum Vorturner", sagt Effenberg beeindruckt. "Eine derart hohe Genauigkeit war zwar die Ausnahme, aber auch die meisten anderen Teilnehmer sprangen mit Tonunterstützung deutlich besser."

Momentan testen die Wissenschaftler mit medizinischer Unterstützung durch die Bonner Radiologen, warum das so ist: Mit einer tomographischen Methode wollen sie ihren Probanden in die Köpfe schauen und so herausfinden, ob durch das Sonification-Verfahren im Vergleich zum Bewegungslernen per Nachahmung visueller Informationen noch zusätzliche Hirnzentren angeregt werden. Erste Ergebnisse könnten bereits zum Symposium vorliegen. Dort wollen die Forscher auch neue Anwendungsgebiete für die Trainingsmethode diskutieren: Denkbar ist beispielsweise der Einsatz in der Rehabilitation, etwa nach Schlaganfällen oder Unfällen.

Dank einer Kooperation mit der Arbeitsgruppe um die Bonner Informatiker Professor Dr. Michael Clausen und Professor Dr. Andreas Weber können Effenberg und Mechling künftig auch komplexe Bewegungen in Echtzeit zu mehrstimmigen "Bewegungsmelodien" umsetzen. Damit wollen sich die Sportwissenschaftler demnächst an eine schwierigere Aufgabe als den Hoch-Streck-Sprung wagen: Das Erlernen der richtigen Rudertechnik - zunächst noch auf dem Ruderergometer.

Weitere Infos (auch zum Programm) gibt's unter
http://www.sonification-online.com/


Kontakt:
PD Dr. Alfred Effenberg
Mitarbeiter der Deutschen Sporthochschule Köln am
Institut für Sportwissenschaft und Sport der Universität Bonn
Telefon: 0228/910 18 14
E-Mail:
effenberg@uni-bonn.de

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