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Sie sind hier: Startseite Die Universität Informationsquellen Presseinformationen 2005 Grüne Nebeloasen in der Wüste Jemens

Grüne Nebeloasen in der Wüste Jemens

Vortrag vor dem Freundeskreis der Botanischen Gärten

Wo heute Wüste ist, wuchs einst eine dichte Vegetation: Vor Millionen von Jahren waren Teile der Arabischen Halbinsel von einer tropischen Pflanzendecke überzogen. In den Küstengebirgen des Jemens, umgeben von lebensfeindlicher Trockenheit, haben Relikte dieser Vegetation in grünen Oasen überdauert. Am Donnerstag, 21.04., um 20 Uhr stellt der Berliner Botaniker Dr. Norbert Kilian an der Universität Bonn seine Forschungsarbeiten im Süden des Jemens vor. Sein Diavortrag "Inseln in der Wüste: Botanische Forschung im Jemen" findet im Hörsaal der Botanik, Nussallee 4, statt; der Unkostenbeitrag beträgt zwei Euro (ermäßigt ein Euro). Freundeskreis-Mitglieder haben freien Eintritt.

Jedes Jahr von Juni bis September weht der Südwestmonsun (Kareef) über den Indischen Ozean zur Südküste der Arabischen Halbinsel. Dieser warme Wind wirbelt vor der Küste kalte Wassermassen an die Oberfläche, nimmt selbst Feuchtigkeit auf und kühlt dabei ab. Die feuchten Luftströme kondensieren an den Bergen der Südküste zu Wolkenbänken. Diese Wolkenbildung ermöglicht ein ungewöhnliches Phänomen: Umgeben von Wüste und Trockenheit, finden sich in den Küstengebirgen inselartig Nebeloasen. Sie beherbergen Relikte einer tropischen Vegetation afrikanischen Ursprungs, die bis vor 5 bis 10 Millionen Jahren auf der Arabischen Halbinsel weit verbreitet waren.

Doch nur auf den ersten Blick erscheinen diese grünen Inseln in der Wüste als "letzte Paradiese": Die hier überlebenden und oft seltenen tropischen Pflanzen müssen die Viehherden einer schnell wachsenden Bevölkerung ernähren und sind akut vom Raubbau bedroht. Die Balance zwischen Nutzung und Erhalt dieser Ökosysteme ist eine Herausforderung der allernächsten Zukunft. Ein deutsch-jemenitisches Forschungsprojekt, das in Berlin am Botanischen Museum und Botanischen Garten koordiniert wird, stellt die wissenschaftlichen Grundlagen für den Erhalt der Nebeloasen bereit,

Die Republik Jemen liegt im Süden der Arabischen Halbinsel und ist etwa eineinhalb mal so groß wie Deutschland. In der Antike und im Mittelalter war der Jemen als "Arabia Felix", das "glückliche Arabien", bekannt und stellte immer einen Schnittpunkt wichtiger Handelstraßen dar. Der Vortrag des Berliner Botanikers Dr. Norbert Kilian stellt die dünn besiedelten südjemenitischen Küstengebirge und die Inseln Sokotra vor und berichtet über die Geschichte ihrer botanischen Erforschung. Kilian zeigt faszinierende, an Gegensätzen reiche Landschaften und gibt einen Einblick in die Arbeit der Forscher in den Nebeloasen und ihre Ergebnisse. So wurde beispielsweise mit genetischen Fingerabdrücken die Diversität der Populationen ausgewählter Pflanzenarten ermittelt.

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