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Klimawandel ist zumindest zum Teil hausgemacht

Studie der Uni Bonn: Klimagase verursachten von 1880 bis heute knapp die Hälfte der beobachteten Erwärmung

Der Mensch scheint mit den von ihm produzierten Treibhausgasentatsächlich ganz gehörig zur globalen Erwärmung beizutragen. Das zeigenneue Simulationsrechnungen der Universität Bonn. Die BonnerMeteorologen haben mit rund 30 verschiedenen Modellen untersucht, wiesich die Jahresdurchschnitts-Temperatur der Erde im 20. Jahrhundert mitund ohne Einfluss der Klimagase entwickelt hätte. Die Ergebnissewerteten sie mit einer Software aus, die auch von der Justiz verwendetwird, um die Aussagekraft von Indizien abzuschätzen. Das Resultat hätteauch vor Gericht Bestand: Mit großer Wahrscheinlichkeit sindsowohl  natürliche Faktoren als auch die Treibhausgase für dieErwärmung verantwortlich.

Um 0,7 Grad ist die globale Durchschnittstemperatur in denletzten 120 Jahren gestiegen. Im gleichen Zeitraum nahm dieKohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre von 0,028 auf 0,037Prozent zu. Kohlendioxid ist eines der so genannten "Treibhausgase";auch Methan, das zum Beispiel bei der Rinderzucht entsteht, zählt dazu.Seine Konzentration in der Atmosphäre stieg seit 1750 auf das mehr alszweieinhalbfache. Unter Klimaforschern gilt als wahrscheinlich, dassdie menschgemachten Treibhausgase zur beobachteten Erwärmungbeigetragen haben. Auf der "Anklagebank" sitzen allerdings auch nochandere Faktoren: So schwankt die Sonnenaktivität imElf-Jahres-Rhythmus, und auch Vulkanausbrüche können das Klimanachhaltig beeinflussen. Menschgemachte Schwefelschwebteilchen verringern sogar den wärmenden Einfluss der Treibhausgase.

Die ganze Bande ist schuldig, Euer Ehren!

Bonner Meteorologen konnten nun aus den Ergebnissen von rund 30verschiedenen Klimamodellen berechnen, welcher der Angeklagten dieVerantwortung für den Klimawandel trägt: Treibhausgase, Schwebteilchenoder natürliche Faktoren. Ihr Ergebnis: Schuldig sind alle. "OhneEinfluss der Treibhausgase hätte die Jahresdurchschnitts-Temperatur bisheute nur um 0,4 Grad zugenommen", fasst Professor Dr. Andreas Hensedie Ergebnisse zusammen. "Die Schwankungen Ende des 19. und in derersten Hälfte des 20. Jahrhunderts beruhen aber hauptsächlich aufÄnderungen der Sonnenaktivität und Vulkanausbrüchen." Das Projekt wurdedurch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Manche Wissenschaftler bezweifeln per se die Aussagekraft vonKlimamodellen. Daher haben Hense und seine Mitarbeiter zusammen mitKollegen des Koreanischen Wetterdienstes und des Max-Planck-Institutsfür Meteorologie in Hamburg eines der Simulationsprogramme auf Herz undNieren getestet. Insgesamt sechsmal haben die Forscher denSupercomputer des Max-Planck-Instituts mit den verfügbaren Messwertender "angeklagten" Klimafaktoren aus der Zeit von 1860 bis 2000gefüttert - darunter beispielsweise Sonnenaktivität, CO2-Konzentration,große Vulkanausbrüche sowie die kühlende Wirkung menschgemachterSchwefelschwebteilchen. Sechsmal haben sie den Rechner damit dieKlimaentwicklung der letzten 140 Jahre nachvollziehen lassen. Sechsmalerhielten sie ein fast identisches Ergebnis: "Die errechneteTemperaturkurve ähnelte immer stark dem tatsächlich beobachtetenVerlauf", betont Hense.

Das ganze Spielchen erfolgte sechsmal, um dem"Schmetterlingseffekt" ein Schnippchen zu schlagen: Niemand weiß genau,wie am 1. Januar 1860 das Wetter auf der Erde aussah; selbst kleineUnterschiede der Ausgangslage können aber mit der Zeit großeAuswirkungen auf das Klima haben. "Daher haben wir zunächstverschiedene plausible Ausgangssituationen ‚erwürfelt', die dann dieBasis für die weiteren Berechnungen bildeten", erklärt derKlimaforscher.

Es wird auch nach Kyoto wärmer

Für die Vergangenheit scheinen die Modelle also zufunktionieren. Die Meteorologen rechneten zudem verschiedeneZukunfts-Szenarien bis zum Jahr 2100 durch. Danach wird die globaleTemperatur bis 2050 selbst unter optimistischen Annahmen weiteransteigen: In einem "grünen" Szenario mit stark vermindertenTreibhausgas-Emissionen verharrt die Kurve nach 2050 bei etwa einemGrad über dem Stand von 1860. Geht die Klimagas-Produktion nur wenigzurück, wie etwa nach dem Kyoto-Protokoll der Fall sein könnte, liegtdie Durchschnittstemperatur im Jahr 2100 sogar mehr als zwei Gradhöher. Was aber, wenn Menschheit und Weltwirtschaft weiter wachsen undwir gar keine Anstrengungen unternehmen, weniger Treibhausgase in dieAtmosphäre zu blasen? "Für diesen pessimistischsten Fall errechnetunser Modell bis 2100 einen Anstieg von fast 3,5 Grad", sagt ProfessorHense. In einer jüngst veröffentlichten Science-Studie kommen übrigensUS-Forscher mit anderen Rechenmodellen zu ganz ähnlichen Vorhersagen.

Die Ergebnisse seien nur Jahresdurchschnittswerte für diekomplette Erdkugel, wird Hense nicht müde zu betonen: "WelcheAuswirkungen im Einzelnen z.B. für Europa zu erwarten sind, können wirjetzt noch nicht sagen".

Kontakt:
Professor Dr. Andreas Hense
Meteorologisches Institut der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-5184
E-Mail:
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