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Neues Leben ohne tägliche Tortur

Erste Dünndarm-Transplantation am Uni-Klinikum Bonn



Mit Erfolg transplantierten Ärzte am Transplantationszentrum des Universitätsklinikum Bonn einen Dünndarm - eine äußerst seltene Organverpflanzung, denn das Risiko einer Abstoßung ist hoch. So wurde der Dünndarm in Deutschland bisher erst an drei Zentren rund zwanzig mal allein verpflanzt. Die Dünndarm-Transplantation am 4. Dezember ist der erste Eingriff dieser Art in Bonn. Rund zwei Wochen nach der Operation geht es dem 23-jährigen Patienten Dirk B. sehr gut.

Vorwiegend betrifft es Kinder und Jugendliche, so auch Dirk B. im Alter von sechs Jahren. Der Dünndarm muss operativ entfernt werden, meistens aufgrund angeborener Fehlbildungen, Durchblutungsstörungen oder Entzündungen. Doch eine normale Ernährung ist dann nicht mehr möglich, denn der Dünndarm verdaut die Nahrung und die Nährstoffe gelangen von dort ins Blut. Also musste Dirk B. sich über Jahre jede Nacht künstlich mittels Infusionen, die über einen Katheter in die Vene geleitet werden, ernähren. "Tagsüber fühlte ich mich nicht sonderlich eingeschränkt. Ich konnte beispielweise alles essen und Fußball spielen. Doch es gab immer wieder Schübe der Kraftlosigkeit", erzählt der gelernte Konditor.

Auch waren aufgrund von Komplikationen für Dirk B. mehrmals stationäre Aufenthalte an der ihn betreuenden Universitätskinderklinik Bonn nötig. Der Katheter kann unter anderem Thrombosen oder lebensbedrohliche Infektionen verursachen. Doch das größte Problem einer dauerhaften künstlichen Ernährung sieht Professor Dr. Andreas Hirner, Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Bonn, in der Gefahr eines Leberversagens: "Für Patienten, bei denen frühzeitiger nur der Dünndarm verpflanzt wird, sind die Erfolgschancen und damit auch die Lebenserwartung heute - dank moderner Medikamente, die Abstoßungsreaktionen unterdrücken - deutlich höher als nach einer kombinierten Leber-Dünndarmtransplantation, wenn die Leber bereits Schaden genommen hat."

Aufnahme in das reguläre Bonner Transplantationsprogramm

Auf die Dünndarmverpflanzung war das Transplantationszentrum Bonn, an dem Experten verschiedenster Universitätskliniken eng zusammenarbeiten, gut vorbereitet. Bereits seit 2001 führen Ärzte hier von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG gefördert experimentelle Forschungen durch und besuchten weltweit führende Zentren, unter anderem in den USA. Auf der Grundlage eines im Vorfeld bereits abgeschlossenen Genehmigungsverfahren übernimmt der Kostenträger erstmalig die Behandlungskosten.

Und endlich war es soweit. Vier Monate nachdem Dirk B. auf die Warteliste für ein Dünndarmtransplantat gestellt wurde, war das für ihn optimale Organ gefunden. Privatdozent Dr. Martin Wolff und Professor Dr. Jörg C. Kalff, Oberärzte an der Bonner Chirurgischen Universitätsklinik, entnahmen auswärts einem durch Unfall gestorbenen Spender das Transplantat. Anschließend flogen sie das gekühlte Organ in einem Sonder-Jet schnell nach Bonn. "Das uns zur Verfügung stehende Zeitfenster ist äußerst eng. Die Zeit von sechs Stunden, in der ein Dünndarm nicht durchblutet wird, soll nicht überschritten werden", erklärt Professor Hirner. Zusammen mit dem Bonner Privatdozenten Dr. Nicolas Schwarz, ebenfalls Oberarzt an der Chirurgischen Universitätsklinik, und dem Anästhesisten Dr. Stefan Wirz bereitete er zeitgleich die Transplantation vor, die unter seiner Leitung erfolgreich durchgeführt wurde.

Der Patient ist wohlauf und kann jetzt normale Kost nicht nur essen, sondern auch verdauen. Er hat weder Infektionen noch stellten Pathologen vom Pathologischen Institut Abstoßungsreaktionen bei ihm fest. Dirk B. fühlt sich im Universitätsklinikum Bonn rundum gut versorgt: "Ich bin absolut zuversichtlich. Mein Traum ist jetzt eine Ausbildung zum Koch."

Kontakt für die Medien:
Professor Dr. Andreas Hirner
Direktor der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/ 287-5214
E-Mail:
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Bilder zu dieser Presseinformation

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Patient Dirk B. mit Mutter und Chirurgen-Team: (von links) Dr. Schwarz, Professor Kalff, Dr. Wolff und Professor Hirner.
Foto: Johann Saba vom Foto + Medienzentrum 4.33/UKB)
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