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Prestigeträchtiger Preis für Bonner Teilchenphysiker

Alexander von Humboldt-Stiftung zeichnet Gastwissenschaftler der Universität Bonn aus

Der 34-jährige Physik-Professor Eckhard von Törne von derKansas State University erhält am kommenden Donnerstag in Berlin einender mit bis zu 1,2 Millionen Euro dotierten Sofja-Kovalevskaja-Preiseder Alexander von Humboldt Stiftung. Die Preissumme ist zum Aufbaueiner Forschergruppe an der Universität Bonn bestimmt. Mit derAuszeichnung will die Stiftung exzellente jungeNachwuchswissenschaftler aus dem Ausland nach Deutschland holen, wo siedrei bis vier Jahre lang an einer deutschen Gastgeberinstitutionforschen. Professor von Törne ist einer von insgesamt zehnPreisträgern, die von einem hochkarätigen Auswahlgremium der Alexandervon Humboldt Stiftung aus einer großen Anzahl von Bewerbern ausgewähltwurden. Er wird seine Forschungsarbeiten am Physikalischen Institutzusammen mit Professor Dr. Norbert Wermes durchführen.

Eckhardvon Törne, der 1998 in Bonn bei Professor Wermes promoviert hat,forscht auf dem Gebiet der Elementarteilchenphysik. In diesem Gebietder Grundlagenforschung werden Experimente an Teilchenbeschleunigerndurchgeführt, mit denen die Grundstruktur der Materie entschlüsseltwerden kann. In hochenergetischen Reaktionen, die auch im ganz frühenUniversum Sekundenbruchteile nach dem Urknall stattgefunden haben undim Beschleuniger nachgestellt werden können, wurde beispielsweisefestgestellt, dass unsere aus Atomen aufgebaute Welt noch weitere,kleinere Bausteine besitzt: Die Atomkerne bestehen aus Neutronen undProtonen, letztere bestehen aus so genannten Quarks. Die Quarks kommenin sechs Varianten vor, die alle unterschiedlich schwer sind. Professorvon Törne ist auf die Erforschung der schwersten dieser Quarksspezialisiert.

Da die schweren Quarks nach ihrer Erzeugungsofort wieder zerfallen, nachdem sie Bruchteile von Millimetern fastmit Lichtgeschwindigkeit geflogen sind, ist Experimentierkunst gefragt.Von Törne und seine Arbeitsgruppe haben mit speziell entwickeltenelektronischen Instrumenten die Erzeugung schwerer Quarks nachgewiesenund ihre Eigenschaften studiert. Derartige "Teilchenlupen" ermöglichenin winzigen Belichtungszeiten elektronische Aufnahmen.

Sogenannte Pixelsensoren als Teilchenlupen sind auch das Metier derBonner Gruppe um Professor Wermes. Mit ihnen sollen an dem 2007 inBetrieb gehenden weltgrößten Beschleuniger LHC in Genf schwere Quarksidentifiziert werden. "Professor von Törnes Erfahrung stellt für unseine äußerst wertvolle Verstärkung für die schwierigenForschungsprojekte dar", erklärt Professor Wermes.

Lösung für großes Rätsel der Physik in Sicht

SchwereQuarks sind auch die Endprodukte des ominösen Higgs-Teilchens, das fürdie Erzeugung der Massen aller Elementarteilchen verantwortlich seinsoll. Seine Entdeckung wird mit dem LHC Beschleuniger und den erwähntenTeilchenlupen möglich sein. Damit wäre die Menschheit der Lösung einesder großen Rätsel der Physik ein großes Stück näher gekommen. Wenigbekannt ist, dass die exotisch anmutenden Experimente und derenspezielle Instrumente auch im Alltag rege Anwendung finden. So kommenursprünglich für den Nachweis von Teilchen erfundene Spurdetektorenlängst bei der Gepäckdurchleuchtung in Flughäfen zum Einsatz. DieMedizin profitiert ebenfalls von den Entwicklungen - beispielsweise inGebieten wie der Röntgenbildgebung und der Computertomographie. Auchdie "Pixellupen" der Bonner Teilchenforscher haben großesbiomedizinisches Potenzial, wie die Industrie längst erkannt hat.

DerSofja-Kovalevskaja-Preis, benannt nach einer russischen Mathematikerin,wird nach 2001 zum zweiten Mal verliehen. Er ist einer derhöchstdotierten deutschen Wissenschaftspreise.


Kontakt:
Professor Dr. Norbert Wermes
Physikalisches Institut der Universität Bonn
Tel. 0228/73-3533 oder 0228/73-3225
E-Mail:
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oder
Dr. Mehlich
Alexander von Humboldt Stiftung
Tel. 0228/833-0

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Professor Dr. Eckhard von Törne

Foto: Physikalisches Institut der Universität Bonn
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