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Live-Vorlesung im Internet

Neues Angebot des Zentralen IT-Service der Uni Bonn



Der Zentrale IT-Service der Universität Bonn bietet neuerdings die Möglichkeit, Vorlesungen live im Internet zu übertragen. Momentan sammelt ein Dozent am Institut für Angewandte Mathematik erste Erfahrungen mit der neuen Technik.

Buchstabe für Buchstabe materialisiert sich auf der Tafel in leuchtendem Blau das Wort "Auszahlungsfunktion". Darunter malt die unsichtbare Hand in Rot einen mathematischen Funktionsgraphen. Eine Männerstimme aus dem Off kommentiert den bunten Anschrieb mit reichlich Fachchinesisch. Der Redner ist Dr. Thomas Gerstner, seine Vorlesung in der Wegelerstraße 6, Raum 610, dreht sich um die effiziente Bewertung von Finanzderivaten. Ein Teil seines Publikums sitzt heute aber vor dem heimischen Rechner: Gerstner überträgt die Veranstaltung mit Unterstützung des IT-Service live ins Internet. "Wir wollen mit diesem Pilotprojekt zeigen, was heute mit wenig Aufwand möglich ist, und so für die neue Technik werben", erklärt der Mathematiker.

Die gilt nämlich häufig noch als kompliziert und teuer - zu unrecht, wie die Pilotvorlesung zeigt: "Die nötigen Geräte sind mit ein wenig Übung in fünf Minuten angeschlossen", versichert Gerstner. Bis alles richtig funktionierte, mussten die Beteiligten aber doch gehörige Vorarbeit leisten. "Technisch ist die Aufgabe, eine Vorlesung live im Internet zu zeigen, alles andere als trivial", erklärt Manfred Düsenberg vom Zentralen IT-Service.

Kernstück des Ganzen ist die digitale Tafel, das so genannte "Smartboard" - im Prinzip eine Art riesiger Touchpad, der gleichzeitig als Projektionsfläche für einen Videobeamer dient. Momentan zeigt das Bild die herkömmliche Windows-Oberfläche. Gerstner fährt mit dem Finger über die Tafel und schiebt damit den Mauszeiger hin und her. Ein kurzer Fingertipp auf ein Desktop-Symbol, ein Fenster öffnet sich. Der Mathematiker greift zu einem blauen Stift und schreibt ein paar Formeln in das Fenster, die er mit einem roten Schreiber um einige Anmerkungen ergänzt. "Die Stifte sind reine Plastikhüllen ohne Elektronik", erklärt er dabei; "das Smartboard verfügt über Sensoren, mit denen es feststellt, welchen Stift ich aus seinem Fach genommen habe und welche Stelle der Tafel ich damit gerade berühre." Als das Fenster voll ist, scrollt Gerstner einfach nach unten. "Das Ganze funktioniert wie eine endlose Papierrolle; ich kann also auch später wieder zurückscrollen, um zu sehen, was ich geschrieben habe." Er ruft im Internet-Browser eine Seite mit aktuellen Börsenkursen auf und unterstreicht dort einige Textpassagen. "Besonders praktisch: Die Stifte funktionieren nicht nur auf der Papierrolle, sondern auf dem ganzen Desktop."

All das, was der Mathematiker an der Tafel veranstaltet, erscheint mit wenigen Sekunden Verzögerung als so genannter "Live-Stream" im Internet - dank Gerstners Mikro begleitet von seinen Erklärungen. Außerdem fängt eine Kamera die gesamte Szenerie ein, so dass die Nutzer zu Hause nicht nur das Tafelbild sehen, sondern bei Bedarf auch einen Blick auf den Referenten werfen können. Der Streaming-Server steht im Universitäts-Rechenzentrum. "Momentan haben wir eine Lizenz für 100 Nutzer, die sich den Stream gleichzeitig ansehen können", so Düsenberg. Bei großer Nachfrage könnte diese Grenze aber fallen.

Profitieren könnten von den Live-Übertragungen beispielsweise Studierende, die bei Krankheit nicht den Anschluss verlieren möchten oder trotz Auslandsaufenthalt noch eine Vorlesung in Bonn besuchen wollen. "Wir wollen künftig gleichzeitig ein Chat-System laufen lassen, so dass die Teilnehmer direkt Fragen stellen können", erklärt Gerstner. Zusätzlich werden die Vorlesungen archiviert und im Internet zur Verfügung gestellt - beispielsweise als Service zur Prüfungs-Vorbereitung. Die Teilnehmer benötigen lediglich einen Internet-Anschluss ("ISDN oder noch besser DSL") und einen einigermaßen flotten Rechner. Um sich den Stream ansehen zu können, müssen sie sich zusätzlich noch den so genannten "RealPlayer" (mindestens in der Version 10) besorgen, der gratis im Internet erhältlich ist.

Die Kosten für die Übertragungstechnik halten sich im Rahmen: Knapp 2.000 Euro für die digitale Tafel, dazu noch Videobeamer, ein PC, Software-Lizenzen und bei Bedarf eine Videokamera - in der Summe macht das weniger als 10.000 Euro. Die Vorlesungen benötigen keine spezielle Vorbereitungen - der Dozent verwendet wie bislang Kreide und Tafel, nur ist in diesem Fall beides digital. Zudem muss das Equipment nicht fest im Hörsaal installiert werden, wie die transportable Lösung von Mathematik-Institut und Rechenzentrum beweist.

Thomas Gerstner hat inzwischen noch eine Anwendungsmöglichkeit für sich entdeckt: "Den archivierten Tafelanschrieb auf dem Smartboard kann man prima als digitales Vorlesungsskript verwenden!"

Unter http://wissrech.iam.uni-bonn.de/teaching/Finanz kann man immer dienstags ab 14.15 Uhr in die Mathe-Vorlesung hereinschnuppern.

Kontakt:
Dr. Thomas Gerstner
Institut für Angewandte Mathematik der Universität Bonn
Tel.: 0228/73-3430
E-Mail:
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Manfred Düsenberg
Zentraler IT-Service der Universität Bonn
Tel.: 0228/73-2785
E-Mail:
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Bilder zu dieser Presseinformation



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Bildautor: Frank Luerweg/Uni Bonn

Dr. Thomas Gerstner am "Smartboard"; im Hintergrund eine Beamer-Projektion des Tafelinhalts, auf dem Flachbildschirm die Streaming-Fenster.
 
 
 
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