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Von der Folter im Mittelalter bis zur \"Bonner Republik\"

Deutscher Rechtshistorikertag in Bonn mit breitem Programm



1804 trat das Bürgerliche Gesetzbuch Frankreichs, der Code Civil, in Kraft und revolutionierte weltweit die damalige Rechtsordnung. Zu seinem 200jährigen Jubiläum bildet der Code civil einen der Schwerpunkte des Deutschen Rechtshistorikertags vom 12. bis 17. September in Bonn. Die weiteren Themen reichen vom Strafprozessrecht im Mittelalter über das Kolonialrecht bis hin zum Kirchenrecht, über das der Primas von Ungarn und Erzbischof von Estergom-Budapest, Peter Kardinal Erdö, referieren wird. Die Veranstaltung wird vom Institut für Deutsche und Rheinische Rechtsgeschichte sowie vom Institut für Römisches Recht und Vergleichende Rechtsgeschichte der Universität Bonn organisiert.

Ob in Frankreich, Belgien oder sogar im fernen Louisiana: Der 200. "Geburtstag" des Code civil wird in diesem Jahr weltweit gefeiert - nicht ohne Grund, gilt er doch als Basis der modernen Rechtsordnung. 1804 in Frankreich in Kraft gesetzt, galt der Code civil bis 1900 auch im Rheinland - eine Tatsache, auf die die Bewohner stolz waren: Schließlich setzte der Code civil die Trennung von Kirche und Staat durch, ermöglichte Scheidungen, schaffte die Bevorzugung des Adels beispielsweise beim Erbrecht ab und bedeutete so mehr Freiheit für die Bürger. "Der Code civil war für die Rheinländer ein identitätsstiftendes Merkmal", erklärt der Bonner Rechtshistoriker Professor Dr. Mathias Schmoeckel, "gerade auch in Abgrenzung zum wesentlich weniger liberalen preußischen Recht." Ein prominenter Franzose wird am Montag, 13.9., im Bonner Landgericht einen Festvortrag über den Code civil halten: Jean-Louis Halpérin, der in Frankreich die offiziellen Feierlichkeiten zum 200jährigen Jubiläum organisiert hat.

Auch ein anderer großer Text der Rechtsgeschichte steht im Mittelpunkt des Kongresses: Der Sachsenspiegel von 1220, der bis 1900 in weiten Teilen Deutschlands gültig war. Verfasser dieses "Monuments der deutschen Rechtstradition" (Professor Schmoeckel) war der Ritter Eike von Repgow. Brandaktuelle Forschungsergebnisse sprechen dafür, dass der Einfluss der Kirchenrechts auf den Sachsenspiegel sehr viel größer gewesen sein könnte als bislang angenommen - "für die Fachwelt wäre das eine Sensation", so Professor Schmoeckel. Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung ist das Kolonialrecht. Vor dem Hintergrund des brutal niedergeschlagenen Herero-Aufstands in Namibia vor 100 Jahren und der damit verbundenen Schadensersatzforderungen an die Bundesrepublik ist dieses Thema auch von aktuellem Interesse.

Am Sonntag abend, 12.9., wird auf der Einführungsveranstaltung der Premio Boulvert verliehen. Dabei handelt es sich um die renommierteste wissenschaftliche Auszeichnung auf dem Gebiet des römischen Rechts.

Zu dem Kongress, der unter Schirmherrschaft des Präsidenten der italienischen Republik Carlo Azeglio Ciampi und von Bundespräsident Horst Köhler steht, sind Journalisten herzlich willkommen. Das ausführliche Tagungsprogramm und aktuelle Informationen finden sich im Internet unter http://www.rechtshistorikertag.de.


Ansprechpartner:
Professor Dr. Mathias Schmoeckel
Institut für Deutsche und Rheinische Rechtsgeschichte der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-9131
E-Mail:
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oder Dr. Stefan Stolte
Telefon: 0228/73-9129
E-Mail:
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