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\"Wasserstandsmelder\" hilft Herzpatienten

NRW-weit erste Implantation eines neuartigen Warngeräts

Mediziner des Universitätsklinikums Bonn haben einem Herzpatienten vor kurzem ein neuartiges Elektrotherapiegerät implantiert, das gefährliche Flüssigkeitsansammlungen im Lungengewebe extrem früh erkennen kann. Der 75-jährige Mann, der seit fünf Jahren an einer schweren Herzmuskelschwäche leidet, ist nach der Operation wohlauf und wurde inzwischen aus der Klinik entlassen. Es war das erste Mal in Nordrhein-Westfalen, dass ein derartiger "Wasserstandsmelder" implantiert wurde. Das Gerät ist erst seit kurzem in Deutschland zugelassen.

"Das Elektrotherapiegerät misst die elektrischen Leitungseigenschaften der Organe im Brustkorb und kann so Flüssigkeitsansammlungen im Lungengewebe anzeigen", erklärt Professor Dr. Berndt Lüderitz, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik II. Zu derartigen "Ödemen" kann es kommen, wenn die Pumpleistung der linken Herzkammer zu schwach wird. Als Folge staut sich das Blut in den Lungen. Schließlich tritt Flüssigkeit in das Gewebe über und behindert den Gasaustausch an den Lungenbläschen. Folgen sind Atemnot und lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen.

Bereits zwei Wochen vor dem Beginn der Atemnot registriert der "Wasserstandsmelder" eine Veränderung der so genannten Bioimpedanz - das ist im Prinzip der elektrische Widerstand der Brustkorb-Organe. "Das gibt uns genug Zeit, mit speziellen Medikamenten auf die drohende Verschlechterung des Krankheitsbildes zu reagieren, bevor der Zustand dramatisch wird", so der Privatdozent Dr. Jörg Otto Schwab, unter dessen Leitung die Implantation erfolgte. "Ein solches Frühwarnsystem kann damit auch die Häufigkeit der teilweise sehr langwierigen Klinikaufenthalte reduzieren."

Derzeit arbeiten die Mediziner des Universitätsklinikums an einer Weiterentwicklung des Geräts, das zukünftig seine Daten auch per Telefon oder Handy automatisch an den behandelnden Arzt übermitteln soll. Diese Möglichkeit würde die Überwachung nochmals vereinfachen - nicht zuletzt mit positiven Folgen für die Lebensqualität der Patienten, da sich die Zahl der Arztbesuche und Klinikaufenthalte reduzieren würde.

In Deutschland leiden etwa 1,5 Millionen Menschen unter einer Pumpschwäche des Herzens, im Fachjargon Herzinsuffizienz genannt. Pro Jahr kommen etwa 200.000 Neuerkrankungen hinzu. Herzinsuffizienz ist eine der Haupttodesursachen im Alter über 65 Jahren.


Ansprechpartner:
Privatdozent Dr. Jörg Otto Schwab
Medizinische Klinik und Poliklinik II der Universität Bonn
Telefon: 0228/287-6670
E-Mail: 
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