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Von der Kaserne zum Krankenhaus

Monumente der Wissenschaft (Teil 3): Das Universitätsklinikum

Der Venusberg - für die meisten Bonner ist er gleichbedeutend mit "den Uni-Kliniken", die seit 1950 hier ihren Sitz haben. Doch das Gelände, auf dem sich heute die Gebäudekomplexe des seit 2001 rechtlich eigenständigen Universitätsklinikums Bonn erstrecken, hat eine längere Geschichte - und die ist eng verbunden mit der deutschen Vergangenheit.

Bereits im 19. Jahrhundert war der Venusberg dank seiner guten Luft und der schönen Aussicht auf das Siebengebirge ein beliebtes Ausflugsziel der Bonner. Nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 entstand auf dem späteren Klinikgelände ein Exerzierplatz. Zwar gab es in Bonn davon schon einige, doch auf dem Venusberg gab es erstmals auch einen Schießstand. 1936, im Jahr, als die Wehrmacht das von Frankreich verwaltete Rheinland besetzte, entstand auf dem Platz eine "Flak"- (d.h. Flugabwehrkanonen) Kaserne, die 1939 den Namen des damaligen Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Herrmann Göring, erhielt.

"Wie in einer Kaserne fühle ich mich hier aber nicht", betont Birgit Michels. Die Bonnerin arbeitet seit 1985 als Sekretärin im Universitätsklinikum und sitzt heute im wohl markantesten Gebäude, zu dem das große schmiedeeiserne Tor und der heute noch von manchen so genannte "Flak-Turm" gehören. "Als ich hier angefangen habe, gab es noch mehr historische Gebäude, die inzwischen aber durch neue, funktionelle Häuser ersetzt wurden." Die alte Umfassungsmauer und die Aussichtspunkte, auf denen die Soldaten früher nach feindlichen Flugzeugen Ausschau hielten, erinnern noch heute an den ursprünglichen Zweck der Anlage.

Zur heutigen friedlichen Nutzung des Geländes kam es 1950, als die Kliniken der Universität aus der Innenstadt auf den Venusberg verlegt wurden. "Ein idealer Standort für ein Krankenhaus", findet Birgit Michels. "Hier gibt es gute Luft und viel Wald." Das schätzten auch viele Politiker, die sich ab 1949 auf dem Venusberg angesiedelt hatten, darunter die Präsidenten Heinrich Lübke und Walter Scheel, aber auch Herbert Wehner und Willy Brandt.

Nach und nach wuchsen die Kliniken, aber das markanteste Gebäude der damaligen Kaserne ist heute Sitz der Verwaltung. "Hier lässt es sich gut arbeiten", meint Birgit Michels, "denn die alten Mauern schaffen ein angenehmes Raumklima, und durch die neuen großen Fenster kommt viel Licht herein." Besonders beeindruckend empfindet die Sekretärin des kaufmännischen Direktors das wuchtige, in einem Turm befindliche Treppenhaus, das noch im ursprünglichen Zustand erhalten ist: Die Treppe ist aus schwarzem, unverwüstlichem Granit, womit auch das ehemalige Kasernentor eingefasst ist.

Unweit dieses Tores und dem Turm, die heute Wahrzeichen der Unikliniken, befindet sich das ehemalige Offizierskasino, das heutige "Auenbrugger-Haus" mit einem markanten Kupferdach-Pavillon. Hier werden vorwiegend Krebspatienten behandelt. Die Verbindung aus alten und neuen Gebäuden findet Birgit Michels auch nach fast 20 Jahren noch interessant. "Das Gelände hat eben nicht den typischen sterilen Klinikcharakter, wie man ihn von anderen Krankenhäusern her kennt. Es ist ein Mix aus alt und neu."

Doch nicht nur an den Bauten, sondern auch bei den Menschen zeigt sich die spannende Geschichte der alten Flak-Kaserne: "Vor zwei Jahren besuchten mich zwei ältere Herren die Patienten der Hautklinik waren", erinnert sich Birgit Michels. "Sie erzählten mir, dass sie als junge Männer Soldaten in dieser Kaserne waren." Die Patienten waren erstaunt, was aus der ehemaligen Kaserne geworden ist und erfreut darüber, noch einmal an den Ort ihres Soldatenlebens zurückgekehrt zu sein.

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Fotos: Heike Fischer / Uni Bonn
 
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