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Ansehnliche Forschungsstätte mit Ausblick

Monumente der Wissenschaft (Teil 2): Poppelsdorfer Schloss

Außen barock, innen modern: Das Poppelsdorfer Schloss, einst Feriendomizil der Kölner Kurfürsten, dient heute moderner Forschung und Lehre als Bleibe. Hinter der barocken Fassade sind Biologen und Mineralogen der Universität Bonn zu Hause.

Eine repräsentative Stadtwohnung und ein Erholungsdomizil im Grünen: Diesen Wunsch hat sich vor fast 300 Jahren der Kölner Kurfürst Joseph Clemens in Bonn erfüllt. Das Ergebnis lässt sich noch heute bewundern. In Bonn steht das weitläufige Stadtschloss, und genau einen Kilometer weiter westlich, in Poppelsdorf, das Schloss Clemensruh. Es entstand ab 1715 gleichzeitig mit dem heutigen Uni-Hauptgebäude an Stelle der Ruine einer mittelalterlichen Wasserburg. Joseph Clemens hatte große Pläne: Zwischen den beiden Gebäuden sollte ein Kanal gebaut werden. So sollte eine barocke Schlossanlage entstehen, die das Prinzip der absolutistischen Herrschaft auch für die Untertanen sichtbar machen sollte. Das scheiterte aber am Geld, so dass die heutige Poppelsdorfer Allee angelegt wurde. Damals lag das kleine Lustschloss, das französische und italienische Stilelemente verbindet, noch mitten auf dem Land.

"Mir gefällt besonders die Verbindung aus dem historischen Gebäude und der Lage im schönen und gemütlichen Poppelsdorf", erzählt Professor Dr. Horst Bleckmann. Der Biologe ist seit 1994 ein "Bewohner" des Schlosses. "Wir erforschen hier vor allem, wie Tiere Reize aufnehmen und weiterverarbeiten." So haben manche Käfer die Fähigkeit, Infrarotlicht wahrzunehmen. "Aus dieser Grundlagenforschung lassen sich Ergebnisse ableiten, die zum Beispiel für den Bau von Robotern benutzt werden können."

Im Gegensatz zu vielen anderen Naturwissenschaftlern brauchen die Zoologen keine größeren Umbaumaßnahmen. "Wasser, Luft und Strom - mehr Anschlüsse sind für unsere Arbeit nicht nötig", berichtet Bleckmann. "Einige Räume müssen klimatisiert werden, die meisten werden im Sommer aber ziemlich heiß." Dem Professor, der im "ersten Leben" Maschinenschlosser gelernt hatte und während des Studiums auch in einem Stahlwerk gearbeitet hat, macht das aber wenig aus. "Dafür genieße ich aus meinem Büro den Blick auf den Botanischen Garten." Der wurde 1819, ein Jahr nach Gründung der Universität, an der Stelle des ehemaligen Renaissance-Gartens angelegt und lockt heute zahlreiche Besucher nach Poppelsdorf. Im und um das Schloss entstand ab 1818 ein naturwissenschaftliches Forschungszentrum. Noch heute finden sich in dieser Gegend viele Institute und Labors.

Nach seiner weitgehenden Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde das Poppelsdorfer Schloss aufwändig wieder aufgebaut. "Besonders schön ist der Stucksaal geworden, den die Universität für besondere Anlässe nutzt." Der erst kürzlich restaurierte Saal ist eines der letzten Relikte der einst prächtigen barocken Innenausstattung des Schlosses. Er stammt aus dem Jahr 1720.

Professor Bleckmann hat in den letzten zehn Jahren eine interessante Beobachtung gemacht. "Im Gegensatz zu vielen modernen Zweckbauten haben wir hier keine Probleme mit Beschädigungen oder Vandalismus im Haus." Offenbar schätzten Studierende und Mitarbeiter das "gehobene" Ambiente und respektierten die aufwändige Renovierung.

"Im Grunde hat sich an der Nutzung des Schlosses nichts geändert", schmunzelt der Biologe. "Früher hat sich der Kurfürst hier entspannt, heute haben wir Spaß und Freude an der Forschung - Clemensruh ist ein Lustschloss geblieben." 

 
Ansprechpartner:
Professor Dr. Horst Bleckmann
Institut für Zoologie der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-5453
E-Mail:
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Bilder zu dieser Presseinformation

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Alle Fotos: Heike Fischer / Uni Bonn
 
 
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