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Ein Heim für Ägypter, Erzengel und Ordensleute

Monumente der Wissenschaft (Teil 1): Das Koblenzer Tor



Was verbindet einen spätbarocken Triumphbogen mit dem ägyptischen Gott Seth? Auf den ersten Blick nicht viel. Es waren dann auch eher praktische Gründe, aus denen die Ägyptische Sammlung der Bonner Universität 2001 in das Obergeschoss des Koblenzer Tores umzog.

"Hier haben wir einen großen, hellen Raum, in dem wir unsere interessantesten Stücke aus vier Jahrtausenden ägyptischer Geschichte der Öffentlichkeit zeigen können", freut sich Gabriele Pieke. Die Ägyptologin betreut das kleine Museum, berät mit ihren Fachkollegen aber auch die große Tutanchamun-Ausstellung, die ab November in der Bundeskunsthalle zu sehen sein wird.

Das Tor, über dem sich die Besucher nun über Religion, Totenkult und Alltag der alten Ägypter informieren können, hat in den vergangenen 250 Jahren Höhen und Tiefen erlebt. Errichtet als letzter Bauabschnitt der Residenz 1751 bis 55, diente es als prachtvolles Einfahrtstor, wenn der Kurfürst in "seine" Stadt einzog. Deshalb erinnert der Baustil an antike Triumphbögen. Darüber befanden sich Archiv und Sitzungssaal des Michaelsordens, der vom Kurfürsten gegründet worden war. Die Figurengruppe auf der Hofgartenseite stellt deshalb nicht nur die vier Kardinaltugenden dar, sondern auch den Erzengel Michael - allerdings nur als Kopie; das Original steht im Hauptgebäude neben Hörsaal VIII.

Und auch wenn wir heute kaum Spuren ägyptischer Kultur im modernen Mitteleuropa wieder finden, gibt es doch Verbindungen. "Der Alte Orient und die Griechen haben viele Elemente aus der ägyptischen Religion und Mythologie übernommen", weiß Gabriele Pieke. So auch den Typ des kriegerischen Gottes Seth, der die feindliche Apophis-Schlange jagt - genau wie der Erzengel Michael in der Offenbarung des Johannes.

Nachdem das Hauptgebäude 1818 der Universität überschrieben wurde, diente der fast 300 Quadratmeter große Raum über dem Tor lange Zeit als Fechtsaal. "Wo seit 1955 das Ägyptologische Seminar und Museum ist, waren früher Umkleidekabinen", erzählt Pieke.

Bereits in den Zwanziger Jahren gab es Pläne, die recht umfangreiche Sammlung ägyptischer Kunst- und Gebrauchsgegenstände der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Krieg wurde durch den schweren Bombenangriff 1944 über die Hälfte des Bestandes zerstört. "Grundstock der Sammlung waren die ersten Objekte, die ein Bonner Professor von einer großen, ab 1820 durchgeführten Ägyptenexpedition mitbrachte."

Auch im 20. Jahrhundert gab es Forschungsreisen Bonner Ägyptologen. Durch die Funde sowie Stiftungen und Leihgaben konnte die Sammlung auf heute etwa 3000 Exponate erweitert werden. "Wir stellen rund siebenhundert Stücke aus, ein Rundgang dauert eine Stunde." Prachtstück ist der Gipsabdruck eines Reliefs aus dem Tempel von Karnak. "Bis jetzt ist die Ausstellung nur einmal im Monat auch am Wochenende geöffnet, wir wollen die Zeiten aber erweitern", so Pieke. "Leider finden sich dafür noch nicht genügend ehrenamtliche Helfer. "Auch eine Sonderfläche mit wechselnden Ausstellungen ist geplant.

"Das historische Ambiente des Koblenzer Tores tut unserem kleinen Museum sehr gut", unterstreicht Pieke, die in diesem Jahr bereits 6000 Besucher begrüßen konnte. Die schätzen die zentrale Lage in der Bundesstadt. "Und andere Museen beneiden uns um den schönen Ausstellungsort."

Derzeit werden die Fassaden des Koblenzer Tors für über eine Million Euro gründlich saniert. Während die Nordseite bereits in neuem Glanz erstrahlt, ist die Südseite im Zuge der Baumaßnahmen derzeit verhüllt. Im Herbst soll im dritten und letzten Bauabschnitt die Durchfahrt instandgesetzt werden.


Ansprechpartnerin:
Gabriele Pieke
Ägyptisches Museum der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-9710
E-Mail:
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Bilder zu dieser Presseinformation

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Das Koblenzer Tor
Bildautor: Dr. Andreas Archut / Uni Bonn
Bildautor: Ulrike Klopp / Uni Bonn
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