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Sie sind hier: Startseite Die Universität Informationsquellen Presseinformationen 2004 Bonner Ärzte erfüllen Traum vom eigenen Kind

Bonner Ärzte erfüllen Traum vom eigenen Kind

Seit 20 Jahren künstliche Befruchtung an der Uni-Klinik

1984 brachte Professor Dr. Dieter Krebs, früherer Direktor der Bonner Universitätsklinik für Geburtshilfe und Frauenheilkunde, die künstliche Befruchtung nach Bonn - zu einer Zeit, in der die Fortpflanzungsmedizin noch in den Kinderschuhen lag. Seitdem hat sich dieser Medizinzweig rapide weiter entwickelt und mit besseren Techniken und neuen Methoden erzielen die Ärzte höhere Erfolgsraten. Am Universitätsklinikum Bonn ist ein modernes Reproduktionszentrum entstanden, an dem Gynäkologen, Andrologen, Biologen und Psychologen eng zusammen arbeiten. Es ist das größte universitäre Zentrum dieser Art in Deutschland.

Für rund jedes siebte Paar in Deutschland bleibt der Kinderwunsch unerfüllt - sie gelten als unfruchtbar. Der Grund kann in Hormonstörungen oder organischen Ursachen sowohl beim Mann oder bei der Frau liegen. "Damit ein Paar doch noch sein Kind auf natürlichem Weg empfangen kann, versuchen wir erst einmal alle Möglichkeiten der konservativen Therapie und sogar Naturheilverfahren", sagt Professor Dr. Hans van der Ven, Direktor der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin der Universitätsfrauenklinik. Doch manchmal vertragen sich Samen und Gebärmutterschleimhaut nicht. Die Abwehrzellen, so genannte Antikörper, der weiblichen Schleimhaut im Gebärmutterhals zerstören den Samen bevor er überhaupt eine Chance hat das Ei zu erreichen. Da helfen Ärzte dem Sperma auf die Sprünge und tricksen diese Hürde aus. Sie spritzen bei der sogenannten Insemination Spermien zum Zeitpunkt des Eisprungs mit einer Spritze direkt in die Gebärmutter.

Noch keine zufriedenstellenden Erfolgsraten

Ist der Eileiter der Frau verschlossen, greifen Ärzte zum Reagenzglas und mischen Eizellen der Frau mit den Spermien des Ehemannes. Schaffen es die Samen nicht allein in das Ei einzudringen, injektizieren Ärzte diese sogar direkt in die Eizelle. "Da Mehrlingsgeburten nicht erwünscht sind, setzen wir bei diesen beiden Verfahren nur zwei befruchtete Eizellen in die Gebärmutterhöhle wieder ein", sagt Professor van der Ven. Doch trotz aller Mühen stellt sich oft kein Nachwuchs ein. Das führt aufgrund der großen Erwartungshaltung häufig bei den Paaren zu einer tiefen Enttäuschung. Die Gynäkologische Psychosomatik der Universitätsfrauenklinik und Pro Familia unterstützen die Betroffenen in dieser Situation. "Der Erfolg einer Insemination oder künstlichen Befruchtung hängt sehr entscheidend vom Alter der Frau ab", erklärt Professor van der Ven. Der Bonner Gynäkologe hält eine genetische Untersuchung der Polkörper, die eine Kopie des mütterlichen Erbguts enthalten, unter bestimmten Bedingungen für sinnvoll. Denn sind die Erbanlagen nicht intakt oder fehlverteilt, kann sich die Eizelle nicht richtig entwickeln. "Wenn wir solche Eizellen nicht nutzen, ist die Polkörperdiagnose ein vielversprechender Ansatz, um Fehlversuche bei der künstlichen Befruchtung zu senken", konstatiert Professor van der Ven und plant eine Studie mit über tausend Frauen, um eine Erhöhung der Geburtenrate statistisch zu belegen. Zur Zeit erfüllen Gynäkologen und Biologen am Bonner Reproduktionszentrum bei circa 800 künstlichen Befruchtungen im Jahr mit einer Erfolgsquote von über 30 Prozent den Kinderwunsch.

Längere Zeit auf Eis gelegt

So erblickte auch der kleine Paul, 50 Zentimeter groß und kerngesund, im Januar 2001 das Licht der Welt. Das Besondere an Paul: Seine befruchtete Eizelle lagerte neun Jahre bei -196 Grad Celsius im Kühlschrank. Es war weltweit das erste Mal, dass einer Frau eine neun Jahre alte befruchtete Eizelle eingepflanzt wurde. Und es klappte alsbald auch noch ein zweites Mal und im gleichen Jahr gebar eine andere Mutter ein gesundes Zwillingspärchen. Bei beiden Frauen lag es an medizinischen und privaten Gründen, dass es so lange bis zum Einsetzen der  Eier dauerte. Das sollte jedoch laut Professor van der Ven nicht Praxis werden. Er empfiehlt, Eizellen nur kurzfristig zu lagern und auf jeden Fall vor dem 45. Lebensjahr der  Mutter einzusetzen.

Ansprechpartner für die Medien:
Professor Dr. Hans van der Ven
Leiter der Abteilung für Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin
Klinik für Geburtshilfe und Frauenheilkunde des Universitätsklinikums
Telefon: 0228/287-5779
E-Mail:
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