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Bonner Studierende evaluierten die Lehre

Positiv: Lehrinhalte und Dozenten / geringer Praxisbezug bemängelt



In den Forschungs-Rankings taucht die Universität Bonn regelmäßig auf den vorderen Plätzen auf. Was Studium und Lehre anbelangt, ist das Urteil durchwachsener: In einer Umfrage unter gut 2000 Studierenden aus mehr als 100 Fächern gaben die Befragten neben viel Positivem auch deutliche Kritik zu Protokoll. Die Evaluation, die nach einem Testlauf 2003 inzwischen bereits zum zweiten Mal durchgeführt wird, ist Bestandteil der Uni-Initiative "Studienreform 2000plus". Sie hat zum Ziel, Stärken und Schwächen der Bonner Hochschulausbildung aufzudecken und die Qualität von Studium und Lehre kontinuierlich zu verbessern.

Besorgniserregend: Rund 30 Prozent der Studierenden gaben an, schon einmal ernsthaft über den Abbruch ihres Studiums nachgedacht zu haben; die meisten begründeten dies mit schlechten Studienbedingungen, fehlendem Praxisbezug und Motivationsschwierigkeiten. Von den Befragten, die kurz vor Ende ihres Studiums standen, rechneten 56,3 Prozent damit, die Regelstudienzeit zu überschreiten. "Die Zahlen leiden aber unter der geringen Beteiligung - immerhin waren alle Studierenden aufgerufen, ihr Votum abzugeben", erklärt Professor Dr. Georg Rudinger vom Zentrum für Evaluation und Methoden (ZEM) der Universität Bonn, unter dessen Federführung die Umfrage durchgeführt und ausgewertet wurde. Die Ergebnisse seien daher zwar nicht repräsentativ, aber dennoch aussagekräftig: "An derartigen Erhebungen beteiligen sich vor allem diejenigen, die engagiert sind und sich Gedanken machen, und sie legen den Finger in die Wunden."

Licht und Schatten

Lob gab es für die Leistung der Dozenten sowie die inhaltliche Ausrichtung der Lehrveranstaltungen, die allerdings nach Meinung der Befragten eher für eine Karriere in der Wissenschaft qualifizieren als auf die Praxis vorbereiten. Positiv bewerteten die Studierenden zudem die Öffnungszeiten der Bibliothek und den Einsatz elektronischer Medien in den Lehrveranstaltungen. Außerdem lobten sie das umfassende Hochschulsport-Angebot und die Arbeit der Fachschaften. Kritik gab's an der Ausstattung der Räume, vor allem, was die multimedialen Möglichkeiten anbelangt.

Sich selbst bescheinigten die Teilnehmer der Umfrage ein recht hohes Engagement. Auch mit den eigenen Leistungen zeigten sie sich eher zufrieden. Die Bonner Studierenden wünschen sich ein besseres Angebot an Rhetorik-, Präsentations- und Fremdsprachkursen. Juristische Grundlagenkurse und Angebote zur effizienten Informationsrecherche stehen auf ihrem Wunschzettel dagegen ganz unten. Das Klima unter den Studierenden bewertete die Mehrzahl der Befragten als gut.

Image der Universität

Die meisten Teilnehmer an der Umfrage gehen davon aus, dass die Universität innerhalb der Region, aber auch international einen guten Ruf genießt, insbesondere, was ihr wissenschaftliches Renommee anbelangt. Die Ausbildung gilt bei vielen als eher forschungsorientiert. Hauptgründe, in Bonn zu studieren, waren die Nähe zum Wohnort und das Studienangebot.

"Wir müssen nun die Ergebnisse nutzen, um Verbesserungen einzuleiten und Missstände abzustellen", erklärte der Prorektor für Lehre, Studium und Studienreform Professor Dr. Wolfgang Hess. Dabei sind auch die Dozenten gefragt, von denen einige in diesen Tagen ihre ganz persönlichen Evaluationsergebnisse für die von ihnen angebotenen Veranstaltungen zugesandt bekommen. "Zudem wollen wir die Umfrage regelmäßig wiederholen", betont Professor Hess. "Nur so können wir sehen, ob unsere Maßnahmen auch greifen."


Die kompletten Ergebnisse der Umfrage finden sich im Internet unter http://www.zem.uni-bonn.de/evaluation/ergebnisse/ws0304

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