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Kugel schoss glatt durch die Speiseröhre

Bonner Chirurgen retten junger Opernsängerin das Leben



Der Schuss eines Heckenschützen verletzte eine junge Opernsängerin schwer am Hals. In akuter Lebensgefahr schwebend wurde das unbeteiligte Opfer einer blutigen Auseinandersetzung im Kosovo letztlich in das Universitätsklinikum Bonn eingeliefert. Dort operierten Ärzte am Chirurgischen Zentrum in einem komplizierten und nicht alltäglichen Eingriff die Speiseröhre - mit Erfolg. Die Patientin ist inzwischen wieder wohlauf und hat ihre Stimme durch die Schussverletzung nicht verloren.

Prishtina, 18. März: Eine Kugel jagt durch die geschlossene Fensterscheibe ihrer Wohnung und trifft Edona V. jäh in den Hals. Die 24-jährige Opernsängerin hört Menschen schreien und sieht Militärpolizei und bewaffnete Männer: "Es war Krieg! Dass ich in die Notfallambulanz gebracht wurde, habe ich schon nicht mehr richtig wahrgenommen."

Das Krankenhaus in Prishtina versorgte die Schwerverletzte, doch ihr Zustand verschlechterte sich zunehmend. Erst im KFOR-Lazarett Camp Bondsteel erkannten die Militärärzte die Tragweite der hochgefährlichen Schussverletzung und der damit verbundenen Infektionsgefahr. Die Kugel hatte die Speiseröhre glatt durchschossen. "Dabei hatte unsere Patientin außergewöhnliches Glück im Unglück. Es war ein Wunder, dass die Kugel keine Schlagader oder die Luftröhre verletzte. Das hätte ihre Überlebenschancen noch gemindert", sagt Dr. Martin Wolff, Leitender Oberarzt der Chirurgischen Klinik am Universitätsklinikum Bonn. Die amerikanischen Ärzte stellten Edona V. auf künstliche Ernährung um und behandelten mit den vor Ort begrenzten Möglichkeiten die durch Speisereste in der Brusthöhle hervorgerufene schwere Vergiftung. Doch es bestand weiterhin aufgrund der anhaltenden Sepsis die Gefahr eines Multiorganversagens. "Die Schwerverletzte benötigte dringend eine intensivmedizinische Behandlung, und nur erfahrene Spezialisten können eine derartige Verletzung der Speiseröhre operieren", erklärt der Assistenzarzt an der Bonner Universitätsklinik für Chirurgie Dr. Joachim Schmidt.

Danke für Alles!

So wurde Edona V. am 26. März im Koma und künstlich beatmet in das Universitätsklinikum Bonn verlegt. "Es war eine akute Notfallsituation, in der wir als Ärzte sofort handeln mussten. Nur mit einer eindeutigen Behandlungszusage bekam die in Lebensgefahr schwebende Schwerverletzte ein Visum", erklärt Professor Dr. Andreas Hirner, Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik. Der Bonner Privatdozent Wolff leitete die komplizierte Hals- und Brustraumoperation, die aufgrund der Entzündungen zusätzlich erschwert war. Die Bonner Chirurgen nähten beide Schusslöcher in der Speiseröhre erfolgreich zu und entfernten die Kugel aus der Schulter. Anfang Mai wurde die Patientin wohlauf und entzündungsfrei aus der Klinik entlassen. Die Familie und Freunde der Sängerin sammelten Spenden in Höhe von rund 12.500 Euro, die gerade die Kosten des Transports aus dem Kosovo in die Bonner Universitätsklinik decken. "Bisher konnten wir noch keine Hilfsorganisation finden, die die angefallenen Behandlungskosten von rund 34.000 Euro übernimmt", sagt Professor Hirner.

"Als ich aufwachte, fragte ich als Erstes, ob ich wieder singen kann. Singen ist mein Leben", sagt die Patientin, die ein Engagement im Chor an der Oper in Prishtina hat. Dieses können die Bonner Ärzte zusichern, da ihre Stimmlippenbeweglichkeit trotz der schweren Verletzung nicht eingeschränkt ist. In Kürze kehrt die Sängerin in den Kosovo zurück: "Ich bin glücklich, dass ich noch lebe. Ich danke dem Krankenhaus für alles, was Ärzte und Personal für mich getan haben."

Ansprechpartner:
Professor Dr. Andreas Hirner
Direktor der Klinik und Poliklinik für Allgemein-, Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie
des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-5215
E-Mail:
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Bilder zu dieser Presseinformation

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Die Patientin dankt Professor Hirner und seinem Team.
Bildautor:Kurt Dedrichs vom Photo + Medienzentrum 4.33 des Universitätsklinikums
"Die Patientin ist wieder wohlauf "
Bildautor: Johann Saba vom Photo + Medienzentrum 4.33 des Universitätsklinikums
"Patientin mit Mutter (rechts) und Kusine"
Bildautor: Johann Saba
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