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Hilfe - mein Kind hat etwas Giftiges geschluckt

Ein Fall für Ärztin Seidel vom Giftnotruf der Uni-Klinik



Das Universitätsklinikum stellt sich vor
Am Universitätsklinikum Bonn arbeiten viele Menschen in den unterschiedlichsten Berufen. In einer losen Folge besuchen wir einige in ihrem Wirkungskreis.



Rund um die Uhr berät die Informationszentrale gegen Vergiftungen am Zentrum für Kinderheilkunde kostenlos bei akuten Vergiftungsfällen. Mehr als 26.000 Bürger und medizinisches Fachpersonal nutzen im Jahr diesen Service des Universitätsklinikums Bonn. Ärztin Dr. Carola Seidel, stellvertretende Leiterin der einzigen Giftzentrale in Nordrhein-Westfalen, steht Ratsuchenden bei allen Fragen zu Vergiftungen bei Kindern und Erwachsenen bis hin zur Vergiftungsprophylaxe zur Seite.

Bei einem akuten Vergiftungsfall rät Expertin Seidel den Eltern Ruhe und Nerven zu bewahren. Wichtig ist als Erstes eine Schadenbegrenzung. Also Mund ausspülen und Hände waschen, damit kein weiteres Gift in den Magen gelangt oder mit den Fingern in die Augen gerieben wird. Dann sollen die Eltern die Giftzentrale unter der Telefonnummer 0228/19240 anrufen: "Meistens können wir innerhalb von ein paar Minuten entscheiden, was zu tun ist."

Laut Expertin Seidel stellen Medikamente und Chemikalien das höchste Risiko dar und sollten auf alle Fälle für Kinder unerreichbar gelagert werden. Das gleiche gilt natürlich möglichst auch für alle gängigen Hausputzmittel und Körperpflegemittel. Bei der Wahl von Garten- und Zimmerpflanzen sollten Eltern auf deren Giftigkeit achten. "Aber das Meiste in der Natur ist relativ harmlos", konstatiert Ärztin Seidel. Sogar den sehr giftigen Fingerhut trifft der Wanderer heutzutage nur noch selten an. Expertin Seidel weiß aus Erfahrung, dass Kinder am liebsten rote Beeren essen. Die Beeren des Aronstabs und der Eibe gehören hier zu den Gefährlichsten. Von roten Vogelbeeren bekommt das Kind dagegen allerhöchstens Bauchweh und Durchfall.

Die Menge macht es!

Ob etwas giftig wirkt oder nur leichte Beschwerden verursacht, entscheidet meist die eingenommene Menge. "Natürlich gehen wir immer zuerst vom schlimmsten Fall aus. Trotzdem erfragen wir im Telefongespräch, was eigentlich passiert ist. Denn manchmal übertreiben Eltern aus Sorge um ihr Kind", erklärt Ärztin Seidel. Trinkt ein Kind wirklich ein ganzes Fläschchen Rasierwasser, obwohl es eklig schmeckt? Hat das Kind sich eventuell nur von oben bis unten mit den roten Beeren beschmiert und vielleicht gar keine einzige probiert? Diese Detektivarbeit erfordert von Expertin Seidel und ihren Kollegen viel Fingerspitzengefühl, denn die Eltern sind oft in Panik und sehr ungeduldig. "Aber es ist wichtig Stress oder sogar einen unnötigen Krankenhausaufenthalt zu vermeiden", betont Ärztin Seidel.

Meist ist alles halb so wild!

In Deutschland sterben pro Jahr etwa zehn Kinder an einer Vergiftung und zwar durch Medikamente oder Chemikalien. Mehr als jeder zweite Anruf in der Bonner Giftzentrale betrifft Kinder. Wertvolle Informationen finden Ratsuchende auch auf der Internetseite der Informationszentrale gegen Vergiftungen: http://www.meb.uni-bonn.de/giftzentrale/. In neun von zehn Fällen können die Eltern das Kind zu Hause behandeln. Und manchmal ist einfach gar nichts Schlimmes passiert. So rief beispielsweise eine besorgte Mutter den Giftnotruf an: "Mein Kind hat eine blaue Beere gegessen, die sieht total giftig aus." Zur Klärung schickte Expertin Seidel die Frau zum nächsten Blumenladen. Das Resultat: Bei der suspekten Beere handelte es sich um die einfache blaue Tafeltraube.

Ansprechpartner:
Dr. Carola Seidel
Stellvertretende Leiterin der Informationszentrale gegen Vergiftungen NRW
Zentrum für Kinderheilkunde des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/19240 oder 0228/287-3211
E-Mail:
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Expertin Seidel zeigt vor dem giftigen Efeu für Kinder gefährliche Medikamente.
Foto: Dr. Inka Väth / Uni Bonn
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