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Einer der rätselhaftesten Schriftsteller seiner Zeit

Ausstellung in Bonn zu Robert Walser



Eine gerade eröffnete Ausstellung in der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn gibt bis zum 15. Juli Einblick in die Lebensgeschichte Robert Walsers. Die Dokumentation widmet sich mit einer Fülle von Manuskripten, Briefen, Bildern, Fotos und Büchern einem der rätselhaftesten Schriftsteller seiner Zeit.

Robert Walser, obwohl von Autoren wie Hesse, Tucholsky, Musil, Kafka und Benjamin schon früh empfohlen und hoch geschätzt, blieb zeitlebens verkannt. Heute gilt er als einer der wichtigsten Schweizer Autoren. Am 15. April 1878 im Biel (Kanton Bern) als Sohn eines Kaufmanns geboren, absolvierte er nach der Schulzeit zunächst eine Banklehre. Danach arbeitete er kurzzeitig als Commis in Banken und Versicherungen, aber auch als Diener, Buchhändler und "Gehülfe". Seine 1898 erschienen erste Gedichte ließen ihn rasch zu einem Geheimtipp werden und verschafften ihm Zugang zu literarischen Kreisen. Nach Erscheinen seines ersten Buches "Fritz Kochers Aufsätze" folgte er dem als Maler und Bühnenbildner sehr erfolgreichen Bruder Karl nach Berlin. In rascher Folge publizierte Walser hier seine Romane "Geschwister Tanner", "Der Gehülfe" und "Jakob von Gunten". Alle drei Werke sind autobiografisch, thematisieren die Unangepasstheit der bürgerlichen Welt gegenüber und die Ablehnung vorherrschender Ideale. Trotz verklärender Tendenzen, traum- und märchenhafter Montagen bringt Walser die Realität gesellschaftlicher Verwerfungen präzise zum Ausdruck.

Die Berliner Veröffentlichungen verschafften dem Autor ersten Achtungserfolg bei der Kritik, nachhaltig durchsetzen konnte er sich allerdings nicht. Im Gefühl, gescheitert zu sein, kehrte Walser alsbald in seine Heimatstadt Biel zurück. Im Dienstbotentrakt des Hotels "Blaues Kreuz" mietete er sich eine Dachkammer und schuf dort unter äußerst ärmlichen Bedingungen eine große Zahl von Kurzprosatexten. Als Hauptwerk aus dieser Zeit gilt die Erzählung "Der Spaziergang". Gelang es ihm anfänglich, einiges auch in Buchform erscheinen zu lassen, so blieb doch vieles ungedruckt und ist heute verschollen. Ab Anfang der zwanziger Jahre in Bern lebend, führte Walser seine nomadische Mansardenexistenz fort. Obwohl er vielfach in literarischen Zeitschriften und Feuilletons bedeutender Tageszeitungen präsent war, konnte er nur noch eine Buchpublikation realisieren ("Die Rose"). Seine späteren Aufzeichnungen wurden erst kürzlich veröffentlicht - darunter auch die aus den Jahren 1925 bis 1933 stammenden "Mikrogramme", auf 256 Zetteln niedergeschriebene Texte in mikroskopisch klein gehaltener Sütterlinschrift, von denen einige auch in der Ausstellung zu sehen sind. Zunächst als eine Art Geheimschrift missverstanden, wurden die unlesbaren, nicht zur Veröffentlichung bestimmten Aufzeichnungen erst in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts als literarische Notizen erkannt - darunter das Skript zu seinem Roman "Die Räuber", das in den letzten zwanzig Jahren in einem mühevollen Prozess entziffert und ediert wurde ("Aus dem Bleistiftgebiet", 6 Bände, 1985-2000).

Nach einer psychischen Krise wurde Walser Anfang 1929 in die Psychiatrie eingewiesen. Unter widrigsten Umständen war er in der psychiatrische Klinik Waldau bei Bern zunächst weiter literarisch tätig, gab jedoch das Schreiben vollständig auf, als er gegen seinen Willen in die Heilanstalt Herisau überstellt wurde. Dort lebte er über mehr als zwei Jahrzehnte alleine.

Robert Walser - Aus dem Bleistiftgebiet
Universitäts- und Landesbibliothek Bonn
Adenauerallee 39 - 41
Öffnungszeiten: Montag - Freitag 8-21 Uhr, Samstag 9-12 Uhr



Ansprechpartner:
Dr. Peter Stauder
Universitäts- und Landesbibliothek Bonn
Telefon: 0228/73-5294
E-Mail:
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