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Hautkrankheiten auf Reisen

Wachsmodelle der Bonner Dermatologie in Luxemburg

Gesichter mit Syphilis, Schuppenflechte und Pilzkrankheiten blicken auf die Besucher des Museums der Geschichte der Stadt Luxemburg hinab. Erst der zweite Blick zeigt: Die Hauterkrankungen und die menschlichen Körperteile sind Nachbildungen aus Wachs, so genannte "Moulagen". Die Klinik für Dermatologie der Universität Bonn hat für die Ausstellung ",Sei sauber...! Lave-toi...! Be clean...!' Eine Geschichte der Hygiene und öffentlicher Gesundheitsvorsorge" einige Stücke seiner großen Sammlung nach Luxemburg verliehen. Noch bis zum 24. Oktober sind die Moulagen sowie zahlreiche Exponate, darunter Hygieneartikel, Zeichnungen und Gemälde rund um die Gesundheit in Luxemburg zu sehen. Von Dezember 2004 bis Mai 2005 wird die unter anderem von Wissenschaftlern der Bonner Universität betreute Ausstellung in der Deutschen Arbeitsschutzausstellung (DASA) in Dortmund gastieren.
 
Die Geschichte der Wachsbildnerei geht in die Antike zurück. Damals wurden mit Wachs Leichname mumifiziert. Im 16. Jahrhundert wurden Wachsabdrücke erstmals in der Medizin verwendet. Die Blütezeit der Moulagen begann Ende des 19. Jahrhunderts. In manchen Hautkliniken entstanden große Sammlungen, denn die Moulagen ließen sich perfekt zu Lehrzwecken einsetzen. Zudem konnten mit ihrer Hilfe vergleichende Studien durchgeführt werden. Dank der abschreckenden Wirkung dienten die Wachsnachbildungen auch zur Krankheitsvorbeugung. Die Bonner Moulagensammlung wurde 1910 von Professor Erich Hoffmann begründet. Er holte zahlreiche berühmte Moulageure an die Hautklinik der Universität. Mithilfe eines am menschlichen Modell angefertigten Abdrucks konnten die Moulageure die Anatomie und Krankheitsbilder original- und maßstabsgetreu nachbilden. Die Darstellung konzentrierte sich auf Haut- und Geschlechtskrankheiten. Das Geheimnis um die Zusammensetzung der Wachsmischung und der Farben wurde sorgsam gehütet und von den meisten Moulageuren mit ins Grab genommen.

Das Aus der Moulageure kam mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, da die Krankenhäuser, die sie früher beschäftigt hatten, die wenigen finanziellen Mittel in Medikamente und neue Gerätschaften investieren mussten. Zudem boten die Farbfotografie und das Diapositiv ganz neue Möglichkeiten, um Krankheiten festzuhalten und Abbilder im Unterricht zu verwenden. Fotografien ließen sich schnell vervielfältigen und boten gegenüber den aufwendigen Moulagen einen erheblichen Preisvorteil. Auch ließen sich Fotos deutlich besser lagern als die empfindlichen und sperrigen Wachsabdrücke.

Mehr als 1000 Moulagen werden in der Klinik und Poliklinik für Dermatologie im Universitätsklinikum Bonn in großen Glasvitrinen gelagert. Damit besitzt Bonn deutschlandweit die zweitgrößte Sammlung dieser faszinierenden Stücke der Medizingeschichte. Der Zustand der Wachsmodelle ist ausgezeichnet, da sie in einem Kellerraum bei konstanter Temperatur aufbewahrt werden. Vor dem Ausbleichen durch Sonnenlicht schützen die Moulagen schwere Kunststoffvorhänge. Das Institut für Hygiene und Öffentliche Gesundheit und das Medizinhistorische Institut begleiteten das Konzept der Luxemburger Ausstellung "Sei sauber...!". Professor Dr. Dr. Heinz Schott, Direktor des Medizinhistorischen Instituts, begrüßte den Wunsch des Museums der Geschichte der Stadt Luxemburg, einige ausgewählte Moulagen in Luxemburg auszustellen, um diese alten naturalistischen Lehrmittel einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen.


Es existiert ein umfangreicher, bebilderter Ausstellungskatalog in Deutsch, Englisch und Französisch. Kontakt: [Email protection active, please enable JavaScript.].

Ansprechpartner:
Professor Dr. med. Ralf Bauer
Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/88-9445
E-Mail:
[Email protection active, please enable JavaScript.]

Bilder zu dieser Presseinformation

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Bildautor: Monika Bär, Klinik und Poliklinik für Dermatologie

 
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