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Eine neue Waffe im Kampf gegen Krebs

Erstmalige Behandlung mit neuer Therapie an der Uniklinik

Erstmals hat sich jetzt in Bonn ein Patient mit einem bösartigen Lymphdrüsentumor, dem so genannten Non-Hodgkin-Lymphom, einer Radioimmuntherapie unterzogen. Für ihn ist diese neue Krebstherapie eine Chance, weil Strahlen- und Chemotherapie ihm nicht helfen konnten. Die Klinik für Nuklearmedizin und die Medizinische Klinik I des Universitätsklinikums Bonn behandeln den Patienten gemeinsam.

In Deutschland erkranken schätzungsweise jährlich 10 bis 15 von 100.000 Menschen, meist im Alter zwischen 50 und 70 Jahren, an einem Non-Hodgkin-Lymphom. Unter diesen Begriff fallen zahlreiche bösartige Krebserkrankungen des körpereigenen Abwehrsystems. Gleich den Blutbahnen durchzieht das Lymphsystem mit dünnen Kanälen den ganzem Körper. An bestimmten Punkten befinden sich die Lymphknoten, vor allem in Nacken und Achselhöhlen. Sie schlagen Alarm, wenn Krankheitserreger eindringen und produzieren vermehrt Immunzellen, um diese abzuwehren. Non-Hodgkin-Lymphome können über das Lymphsystem fast überall im Körper ausbrechen. Ein Warnzeichen sind schmerzlose angeschwollene Lymphknoten.

Bei einem Non-Hodgkin-Lymphom ist die Prognose meist schlecht und die Überlebensrate gering. Eine Heilungschance hängt von der Krebsart und dem Fortschritt der Krankheit ab. "Die Radioimmuntherapie ist oftmals die einzige therapeutische Möglichkeit, wenn alle anderen Therapien bei einem Patienten versagen", sagt Professor Dr. Hans-Jürgen Biersack, Direktor der Universitätsklinik für Nuklearmedizin. Gemeinsam mit den Oberärzten Dr. Holger Palmedo und Dr. Alexander Matthies führt Professor Biersack die Therapie an den Patienten durch. Vor seinem jetzigen Aufenthalt in Bonn hat der Nuklearmediziner Matthies an der University of Pennsylvania bereits entsprechende Behandlungen durchgeführt. Das Präparat Zevalin ist jetzt auch in der EU als erstes Therapeutikum auf der Basis radioaktiver Tumorantikörper zugelassen und wird seit März von der Firma Schering vertrieben.

Die eigentliche Radioimmuntherapie, die Injektion von Zevalin in die Venen, dauert nur zehn Minuten. Dann suchen sich die radioaktiven Antikörper in der Blutbahn ihren Weg zum Tumor, heften sich an die Tumorzellen und bestrahlen das Gewebe lokal. "Dieses hochwirksame Verfahren drängt den Tumor für eine gewisse Zeit zurück und schont das gesunde Gewebe", betont der Bonner Privatdozent Palmedo. Aus Strahlenschutz- und Pflegegründen wird der Patient 2 bis 4 Tage stationär aufgenommen. Die weitere Nachbetreuung erfolgt durch die internistische Onkologie. Als Nebenwirkungen können allergische Reaktionen, wie beispielsweise juckende Haut, und noch seltener eine vorübergehende Verschlechterung des Blutbilds auftreten.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten einer einmaligen Radioimmuntherapie. Doch die gesamte Behandlung, inklusive intensiver Voruntersuchungen und komplexer Vorbehandlungen, kostet rund 15.000 Euro, die die Zahlungen für den stationären Aufenthalt nicht abdecken. "Die Radioimmuntherapie ist aber häufig die einzige Chance für einen Patienten auf ein längeres Leben. Dies rechtfertigt natürlich die hohen Kosten", konstatiert Professor Biersack. Deshalb plant das Bonner Universitätsklinikum eine Finanzierung über die integrierte Versorgung, bei der Klinikärzte und niedergelassene Kollegen kooperieren.

Ansprechpartner:
Professor Dr. Hans-Jürgen Biersack und Privatdozent Dr. Holger Palmedo
Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-5181 oder -6973
E-Mail:
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Professor Dr. Ingo Schmidt-Wolf
Medizinische Klinik und Poliklinik I des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-6816 und -5507
E-Mail:
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Professor Biersack (rechts) und Oberarzt Palmedo untersuchen an einem PET/CT- Scanner ihre Patienten.
Foto: Dr. Inka Väth / Uni Bonn
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