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Kantschriften im Internet

Demnächst auch Zugriff auf gescannte Handschriften

"Der Krieg ist darin schlimm, daß er mehr böse Menschen macht, als er deren wegnimmt", schrieb einst Immanuel Kant und ist damit auch heute noch hoch aktuell. Vor 200 Jahren, am 12. Februar 1804, starb der große deutsche Philosoph in Königsberg. Wissenschaftler der Universität Bonn haben nun die kompletten Werke und Briefe Kants ins Internet gestellt (http://www.ikp.uni-bonn.de/kant/). Das Kant-Informationssystem erlaubt Nutzern in Zukunft auch den Zugriff auf gescannte Originalschriften, soweit sie noch vorhanden sind. In den kommenden zwei Jahren wollen die Forscher mit Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die von Kant benutzten Lehrbücher mit seinen persönlichen Notizen elektronisch erfassen und einstellen.

Inzwischen gibt es weltweit mehrere elektronische Editionen der Werke Kants, die zum Teil kommerziell vertrieben werden. "Unsere Version ist aber die einzige, die wirklich alle Werke, Briefe und auch den handschriftlichen Nachlass mit einbezieht", erklärt der Bonner Kantkenner Professor Dr. Winfried Lenders. "Außerdem wird die Datenbank ständig um neue Ergebnisse der Kantforschung ergänzt, so dass sie immer auf dem aktuellen Stand ist." Ein weiteres Novum: Alle Daten sind direkt über das Internet recherchierbar.

Wissenschaftler des Instituts für Kommunikationsforschung und Phonetik und der Abteilung Kantforschung des Philosophischen Seminars hatten bereits zwischen 1960 und 1972 weite Teile von Kants Gesamtwerk elektronisch erfasst - "anfangs noch auf Lochkarten", so Lenders. Ziel: ein umfassender gedruckter Kant-Index, in dem alle Begriffe aus den Werken des Philosophen mit ihren Belegstellen aufgeführt sein sollten. Das Projekt wurde aber nie abgeschlossen.

Als Ende der 80er Jahre die ersten PCs aufkamen, wurde die Idee einer elektronischen Kant-Ausgabe wiederbelebt. Erstmals war es nun möglich, in den Texten auch elektronisch zu recherchieren. Inzwischen erlauben es die technischen Möglichkeiten sogar, auch Textbesonderheiten des handschriftlichen Nachlasses wie Streichungen oder Ergänzungen in der elektronischen Fassung kenntlich zu machen. "Außerdem können wir auf die erhaltenen Original-Schriften verlinken, was für manche Detailstudien sehr wichtig ist", erklärt der Kommunikationswissenschaftler.

Seit 2001 fördert die DFG das ehrgeizige Projekt; soeben wurde es um weitere zwei Jahre verlängert. In dieser Zeit wollen die Bonner Forscher unter anderem die Bücher einstellen, die der Philosoph in seinen Vorlesungen behandelte - mitsamt ihren handschriftlichen Ergänzungen. "Kant hat sich für seine Vorlesungen in Königsberg extra besondere Lehrbücher binden lassen, in denen er zwischen zwei Textseiten immer ein Blatt für Anmerkungen einfügen ließ. Diesen Fundus an Informationen wollen wir nun auch über das Internet recherchierbar machen", erklärt Lenders. Unterstützt werden die Bonner Forscher dabei von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Abschließendes Ziel ist eine neue gedruckte Kant-Edition. "Die kritische Akademie-Edition ist schon weit über hundert Jahre alt", so der Bonner Professor trocken. "In Zwischenzeit hat sich in der Kant-Forschung einiges getan."

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Winfried Lenders
Institut für Kommunikationsforschung und Phonetik der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-5646
E-Mail:
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http://www.ikp.uni-bonn.de

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