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Die Chemie geht zur Schule

Bonner Studenten begeistern Schüler für Naturwissenschaften



Pünktlich zum Jahr der Chemie hat die Chemiedidaktik der Universität Bonn ein Projekt ins Leben gerufen: Lehramtsstudenten betreuen dabei Arbeitsgemeinschaften an Schulen, um dort den Schülern außerhalb des Unterrichts die Naturwissenschaften näher zu bringen. Gleichzeitig sammeln die Studenten wichtige praktische Erfahrungen für das spätere Berufsleben. Jetzt planen deutsche Auslandsschulen in Spanien und Portugal, ein ähnliches Kooperationsmodell mit Hochschulen nach dem Bonner Vorbild aufzubauen.

Die Idee, durch von Studenten betreute Arbeitsgemeinschaften einen beständigen Kontakt zwischen der Uni Bonn und den Schulen der Umgebung zu schaffen, stammt vom Lehrbeauftragten für die Chemiedidaktik Michael Funke. Er wird dabei von Professor Dr. Robert Glaum unterstützt. "Wir wollten einerseits die Kleinen der fünften und sechsten Klasse durch kindgerechte Versuche für die Naturwissenschaft Chemie begeistern, andererseits aber auch begabte Schüler aus höheren Stufen durch Vorbereitung auf Wettbewerbe wie ‚Jugend forscht' fördern", so der Chemiker.

So lassen die angehenden Lehrer ihre Schüler in kleinen Gruppen z. B. die Säure in fleischfressenden Pflanzen untersuchen oder selbstgebaute, batteriebetriebene Autos um die Wette fahren; die kleineren Forscher testen Seife und Reinigungsmittel und ermitteln deren pH-Wert.

Offenbar hatte die Didaktik eine Marktlücke entdeckt, denn genau das scheint an den Schulen zu fehlen: Die von den Kids erwarteten "Knall- und Bumm" Experimente können aus Zeitmangel nicht durchgeführt werden, statt dessen gibt es größtenteils trockene Theorie und komplizierte Tafelbilder. "Die Schüler haben falsche Vorstellungen und werden von den theoretischen Modellen abgeschreckt", meint Professor Glaum, "für diese Abstraktionsebene sind die Schüler der siebten Stufe, in der sie das erste Mal Chemie haben, noch zu sehr Kind." Die Folge: Das Interesse an der Chemie sinkt, das Fach wird später schnellstmöglich abgewählt. "Daher experimentieren schon die Kleinen an alltäglichen Dingen, wobei sie selbständig und mit viel Kreativität arbeiten", ergänzt Michael Funke.

Die betreuenden Studierenden sehen im laufenden Projekt die Chance, ihr fachlich betontes Lehramtsstudium mit praktischen pädagogischen Erfahrungen zu bereichern: "Es war am Anfang sehr schwierig, den Wissensstand der Schüler einzuschätzen", sagt Anne Simons, die Kids aus der fünften Klasse betreut. Auch sich die Zeit für die Aufgaben einzuteilen, muss erst mal gelernt werden; zusätzlich zum vier- bis sechswöchigen Praktikum während des Studiums bietet das Projekt hierfür die beste Gelegenheit.

Der Erfolg spricht für sich: bereits 22 Schulen sind bei der Uni Bonn für die AGs angemeldet. Neun weitere aus Spanien und Portugal - wie Madrid, Barcelona oder Lissabon - haben bereits an entsprechenden Fortbildungsseminaren teilgenommen, um ein Mentoringprogramm nach dem erfolgreichen Bonner Modell aufzubauen.


Ansprechpartner:
Michael Funke
Institut für Anorganische Chemie
Telefon: 0228/ 73-5343
E-Mail:
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Bilder zu dieser Presseinformation

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Alle Fotos: Michael Ligocki

Hochkonzentriert experimentieren Schüler zusammen mit „ihrer“ Studentin.
 
 
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