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Wo wächst der Knollige Kälberkropf?

Verbreitungsatlas dokumentiert Flora in NRW gestern und heute

Die Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten hat erstmalig einen Verbreitungsatlas aller Farn- und Blütenpflanzen in Nordrhein-Westfalen herausgegeben. Die Arbeiten zu dem Mammutwerk, an dem mehr als 600 Pflanzenkenner mitgewirkt haben, wurden an den Universitäten Bonn und Bochum koordiniert. Der Atlas dokumentiert für über 2.000 Arten, in welchen Gebieten sie heute wachsen. Außerdem haben die Autoren mehr als 200.000 Literaturangaben früherer Funde in die Verbreitungskarten eingearbeitet. Dadurch ermöglicht der Atlas auch auf einen Blick den Vergleich mit Pflanzenvorkommen im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Er stellt so eine wichtige Grundlage für die Erforschung und Erhaltung der Biodiversität in NRW dar.

Der Riesen-Bärenklau (Heracleum mantegazzianum) stammt ursprünglich aus dem Kaukasus; bis Ende des 19. Jahrhunderts kam er hierzulande gar nicht vor. Irgendwann jedoch kamen Imker auf die Idee, den Doldenblütler und eifrigen Nektarproduzenten als "Bienenweide" in der freien Landschaft auszusäen; zur gleichen Zeit kam er zudem als Zierpflanze in Mode. Heute hat sich die giftige Pflanze, die bei Berührung üble Hautschäden hervorrufen kann, fast flächendeckend über ganz Nordrhein-Westfalen ausgebreitet, wie der Verbreitungsatlas dokumentiert. Ganz anders steht es um das Kleine Knabenkraut (Orchis morio): Anfang des 20. Jahrhunderts noch in weiten Teilen NRWs verbreitet, ist die Orchidee heute bis auf kleine Restbestände in der Eifel und im Rothaargebirge fast völlig verschwunden - hauptsächlich eine Konsequenz der intensiven Düngung von Magerwiesen.

Der Atlas vermerkt für mehr als 2.000 Arten ihr Verbreitungsgebiet heute sowie im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Kürzlich eingewanderte oder eingebürgerte Arten, so genannte Neophyten, sind besonders hervorgehoben, ebenso Pflanzen, die zwar ursprünglich nicht in Nordrhein-Westfalen vorkamen, aber bereits vor einigen tausend Jahren hierzulande Fuß gefasst haben. Unter diesen "Archäophyten" sind beispielsweise Ackerunkräuter wie Kornblume oder Mohn, die erst mit dem Getreideanbau einwanderten. Den Verbreitungskarten liegt das Raster der Topographischen Karten 1:25.000 (entspricht ca. 130 Quadratkilometer pro Karte) und ihrer Quadranten (32 Quadratkilometer) zu Grunde. Für jeden dieser Quadranten überprüften Wissenschaftler oder ehrenamtliche Helfer, welche Pflanzenarten dort vorkommen. Innerhalb von insgesamt acht Jahren kamen so über 1,8 Millionen aktuelle Kartierungsdaten zusammen, die - ergänzt um 200.000 Literaturangaben früherer Funde - in das Mammutwerk eingehen.

In Bonn wurde der rheinische Landesteil unter Leitung von Professor Dr. Wolfgang Schumacher bearbeitet, in Bochum der westfälische unter Leitung von Professor Dr. Henning Haeupler.

Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen in Nordrhein-Westfalen. Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten NRW (Hrsg.);
616 Seiten, Großformat, kartoniert; Vertrieb: Diakonisches Werk Recklinghausen, Gunther Hellmann, Tel.: 02361/305-559, oder über den Buchhandel; Preis: 30 Euro

Auf Anfrage sind Rezensionsexemplare erhältlich.


Ansprechpartner:
Professor Dr. Wolfgang Schumacher
Abteilung Geobotanik und Naturschutz
Universität Bonn
Telefon: 0228/73-2836
E-Mail:
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