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Versteinerte Geheimnisse aus Australien

Fossilien des Monats September geben heute noch Rätsel auf

Im Jahr 1946 untersuchte der australische Geologe Reginald C. Sprigg die Ediacara-Hügel in der Gebirgskette nördlich von Adelaide, Australien. Durch Zufall stieß er dabei auf Abdrücke fremdartiger Fossilien. Die darin "verewigte" Lebensgemeinschaft bezeichnet man heute als Ediacara-Fauna. Beispiele sind als Fossilien des Monats September im Goldfuß-Museum der Universität Bonn zu sehen. Die Frage, um welche Lebewesen es sich dabei handelt, ist bis heute nicht vollständig geklärt - zeitweise hielt man sie für Algen oder Flechten, Verwandte der Quallen, Gliederfüßer (wie die heutigen Insekten oder Spinnen), Korallen oder sogar für eine ausgestorbene Gruppe gigantischer Einzeller, die mit den heutigen Lebewesen auf der Erde nur wenige Gemeinsamkeiten aufweist.

Vor zwei Jahren schenkte das Frankfurter Senckenberg-Museum dem Bonner Paläontologen Professor Dr. Martin Langer eine Vielzahl von Abgüssen aus der berühmten australischen Sammlung von Martin Glaessner. "Das ist wirklich einmaliges Material", so Professor Langer, "nur wenige Institute haben derart schöne Exponate." Davon können sich die Besucher nun selbst überzeugen: Das Material (Abgüsse und echte Fossilien von Ediacara) sind jetzt erstmals im Goldfuß-Museum zu bewundern.

Bei den Fossilien der Ediacara-Fauna handelt es sich um Abdrücke von Weichkörperorganismen ohne Panzer oder Skelett. Sie stellen die ältesten Überreste koloniebildender und vielzelliger Tiere aus dem Zeitraum vor 570 bis 544 Millionen Jahren dar, dem so genannten Vendium. Als evolutives Bindeglied zwischen den kleinen Einzellern und den etwas später plötzlich entstehenden großen Vielzellern nehmen sie in der Erdgeschichte eine ganz besondere Position ein. Es sind Abdrücke und Spuren fremdartiger Organismen, bei denen sich nur schwer Übereinstimmungen mit späteren Tiergruppen erkennen lassen. Sie gehören vermutlich in die Verwandtschaft von Hohltieren, Gliedertieren und Würmern. Räuberische oder Aas fressende Tiere gab es in diesem Frühstadium der Evolution nur wenige. Nur diesem Umstand ist es zu verdanken, dass die Weichkörper als Fossilien erhalten geblieben sind - in Paläontologenkreisen eine Rarität.

Etwa gleich alte Lebensgemeinschaften oder Faunen kennt man inzwischen noch von zahlreichen anderen Stellen, zum Beispiel in Namibia, England, Skandinavien, Kanada und Sibirien. Die Ediacara-Fossilfundstelle in Australien ist die berühmteste für Weichkörperfossilien - alle zeitgleichen Faunen werden deshalb als Ediacara-Faunen bezeichnet.

Kontakt:
Professor Dr. Martin Langer
Institut für Paläontologie der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-4026
E-Mail:
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Bilder zu dieser Pressemitteilung

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Fossilien der Ediacara-Fauna.
Alle Fotos: Georg Oleschinski
 
 
 
 
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