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Sie sind hier: Startseite Die Universität Informationsquellen Presseinformationen 2003 Schwere Venenleiden werden seltener

Schwere Venenleiden werden seltener

Bonner Studie: Erkrankung immer noch weit verbreitet

Krampfadern, Hautveränderungen, Geschwüre: Jeder 6. Mann und jede 5. Frau zwischen 18 und 79 Jahren leiden unter chronischen Erkrankungen ihrer Beinvenen, lediglich jeder Zehnte weist keinerlei Venenveränderungen auf. Das ist das Ergebnis einer Studie, die Mediziner der Universität Bonn durchgeführt haben. Die Forscher untersuchten Häufigkeit und Ausprägung von Venenkrankheiten in der städtischen und ländlichen Bevölkerung. Dafür befragten sie mehr als 3000 Personen, darunter rund 2000 Bonner und 1000 Probanden aus dem Umland der Bundesstadt. Im Vergleich zu einer Studie von 1981 zeigte sich, dass Venenkrankheiten in der Bevölkerung immer noch weit verbreitet sind, dass aber die schweren Ausprägungen in den vergangenen 20 Jahren zurückgegangen sind.

Die bekanntesten und häufigsten Venenkrankheiten sind mit einer Verbreitung von knapp 60 Prozent so genannte "Besenreiser", gefolgt von Krampfadern, unter denen jeder siebte Proband litt. Dass dies lediglich die Symptome der eigentlichen Erkrankung sind, wissen die wenigsten. "Ursache ist meist eine Klappeninsuffizienz, bei der die Venenklappen nicht mehr vollständig schließen, so dass sich das sauerstoffarme Blut durch Rückfluss in den Beinen staut", erklärt der Bonner Dermatologe Professor Dr. Eberhard Rabe. Noch immer werden Krampfadern meist lediglich als ästhetisches Problem gesehen - ein gefährlicher Irrglaube: Unbehandelt können sie sich zu einem Unterschenkelgeschwür auswachsen; durch die Unterversorgung mit Sauerstoff kommt es schlimmstenfalls zu "offenen Beinen".

Die Häufigkeit von Besenreisern und Krampfadern ist in den letzten 20 Jahren annähernd gleich geblieben. Hautveränderungen bis hin zu einem Unterschenkelgeschwür sind dagegen deutlich zurückgegangen: nur noch 3,6% aller Untersuchten waren von derartigen schweren Ausprägungen betroffen - vor 20 Jahren waren es noch 13%. "Eine Erklärung hierfür liegt möglicherweise in der größeren Aufmerksamkeit, die man inzwischen Venenkrankheiten schenkt", erklärt Professor Rabe. "Immerhin 7% der Befragten sind bereits an den Venen operiert worden; jeder siebte hat schon einmal Kompressionsstrümpfe getragen." Im Vergleich zwischen ländlicher und städtischer Bevölkerung gibt es überraschenderweise nur geringe Unterschiede.

Männer leiden etwa genauso häufig unter Hautschäden und Geschwüren wie Frauen; Beinschwellungen sind dagegen eher ein Frauenproblem: 42% der untersuchten Frauen, aber nur 16% der Männer gaben an, bereits unter Beinschwellungen gelitten zu haben. Von Krampfadern waren Männer zum Zeitpunkt der Untersuchung mit 12,4% fast ebenso häufig wie Frauen (15,8%) betroffen. Erstaunlicherweise gaben aber 36% der Frauen und nur 19% der Männer an, zuvor bereits einmal unter Krampfadern gelitten zu haben. Männer scheinen Krampfadern eher als Frauenproblem zu sehen und entsprechende Anzeichen, die sie bei sich selbst entdecken, zu verharmlosen oder zu ignorieren.

Die Bonner Venenstudie war von der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie in Auftrag gegeben worden; sie wurde vom Bundesgesundheitsministerium gefördert. Die letzte Studie zur Verbreitung von Venenkrankheiten in Deutschland stammt aus Tübingen und liegt schon 20 Jahre zurück. Die Bonner Untersuchung sollte eine aktuelle Datenbasis liefern und zudem Vergleiche zwischen Land- und Stadtbevölkerung ermöglichen. Die Durchführung erfolgte in der Dermatologischen Universitäts-Klinik Bonn unter Leitung von Professor Rabe und Dr. Felizitas Pannier-Fischer. Dabei arbeiteten die Bonner Mediziner mit dem Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie der Universität Essen zusammen. Die Probanden wurden per Los von den zuständigen Einwohnermeldeämtern bestimmt. Die Teilnehmer wurden gebeten, einen Fragebogen auszufüllen und an einer ärztlichen Untersuchung teilzunehmen.

Ansprechpartner:
Professor Dr. Eberhard Rabe
Dermatologische Klinik der Universität Bonn
Telefon: 0228/287-6630
E-Mail:
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