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Von der Grundlagenforschung zur Anwendung

"LIFE&BRAIN" setzt auf Kooperation mit der Industrie

"LIFE & BRAIN" - unter diesem Namen entsteht auf dem Bonner Venusberg ein einzigartiges medizinisches Forschungszentrum mit Schwerpunkt in den Neurowissenschaften. Heute wurde die Plattform LIFE & BRAIN auf dem Bonner Venusberg im Beisein von Ministerpräsident Peer Steinbrück der Öffentlichkeit vorgestellt, wo in direkter Nachbarschaft zum Neurozentrum der Universität der Neubau für das Forschungszentrum entsteht.

Ziel von LIFE&BRAIN ist es, mit modernen Schüsseltechnologien neue Diagnose- und Behandlungsverfahren für Erkrankungen des Gehirns und anderer Organe zu entwickeln. Etwa 35 Millionen Euro werden Gebäude und Gerätepark kosten - Mittel, die zum größten Teil aus dem Bonn-Berlin-Ausgleich und vom Land Nordrhein-Westfalen stammen. Ein Charakteristikum von "LIFE&BRAIN" ist der enge Kontakt zu Partnern aus der Industrie, die mit Wissenschaftlern der Universität unter einem Dach arbeiten werden.

Nicht zuletzt dieser "Inkubator" soll eine schnelle Umsetzung von Ergebnissen aus der Grundlagenforschung in die Anwendung garantieren. "Industrielle und akademische Forschung sollen in gemeinsam genutzten Kontaktlabors und bei regelmäßigen Seminaren einen regen Austausch pflegen", erklärt der Bonner Hirnforscher Professor Dr. Otmar Wiestler, der mit seinem Kollegen Professor Dr. Oliver Brüstle als Geschäftsführer der Plattform fungiert. Von der "Alles unter einem Dach"-Strategie werden beide Seiten profitieren: die universitäre Forschung, weil die Industriepartner einen Teil der laufenden Kosten decken und die Mitarbeiter der Forschungsplattform durch die Industriekontakte Erfahrungen für eigene Firmengründungen sammeln können. Die Unternehmen, weil Patienten-bezogene Forschung beispielsweise zur Behandlung der Epilepsie nur im Verbund mit einer angeschlossenen Klinik erfolgen kann. Daher wird "LIFE&BRAIN" ("LIFE" = lebenswissenschaftliche integrierte Forschung und Entwicklung, "BRAIN" steht für die inhaltliche Ausrichtung auf die Hirnforschung) - obwohl als GmbH konzipiert - auch eng mit der Universitätsklinik kooperieren.

Das wissenschaftliche Rückrat der Forschung und Entwicklung in "LIFE&BRAIN" bilden fünf Kernbereiche: Die Genom- und Proteom-Analyse soll für die Hirnfunktion wichtige Gene und ihre Produkte, die Proteine, identifizieren und so zu einem besseren Verständnis neuronaler Prozesse beitragen. Hier geht man der Frage nach, welche Veränderungen im Erbgut Erkrankungen des Gehirns hervorrufen können. Untersuchungen an transgenen Tiermodellen werden eine wichtige Rolle bei der Erforschung von Krankheitsmechanismen und bei der Entwicklung neuer Behandlungsverfahren spielen. Die Rekonstruktive Neurobiologie versucht, Stammzellen für die Reparatur von Defekten des Gehirns und des Rückenmarks einzusetzen. Neben embryonalen und adulten Stammzellen stellt hier auch die Rekrutierung gewebeeigener, noch im Gehirn schlummernder Stammzellen einen wichtigen Ansatzpunkt dar.

Wichtige Instrumente der Mediziner sind moderne Diagnoseverfahren, die einen dreidimensionalen Blick in das menschliche Gehirn erlauben. Mit ausgeklügelten Tomographie-Methoden lassen sich auch Stoffwechselprozesse sichtbar machen, die sich bei Kranken und Gesunden unterscheiden. Eine Arbeitsgruppe wird sich daher insbesondere mit der funktionellen Bildgebung im Nervensystem beschäftigen. Gerade im Konzert mit industriellen Partnern sehen die Koordinatoren von LIFE&BRAIN auf diesem Gebiet eine große Chance. Eine Informatik-Plattform  liefert die wissenschaftliche Expertise, die für die Auswertung von Daten aus der Genom- oder Proteom-Forschung ebenso unabdingbar ist wie für die Weiterverarbeitung von Informationen aus den bildgebenden Verfahren.

Gut sieben Millionen Euro wird der laufende Betrieb jährlich kosten; ein großer Teil entfällt auf die Finanzierung der rund hundert Mitarbeiter in der Forschungs- und Entwicklungsplattform. Anfangs wird die Medizinische Fakultät der Universität Bonn als Mitgesellschafter jährlich bis zu vier Millionen Euro bereitstellen; mit der Zeit wird sich die Plattform - durch selbst eingeworbenes Kapital, Lizenzgebühren und angeschlossene Verwertungsgesellschaften aber selbst tragen und Gewinne erwirtschaften. Außerdem versprechen die erwarteten Firmengründungen hochqualifizierte Arbeitsplätze.

Der Standort für LIFE&BRAIN ist nicht zufällig der Bonner Venusberg: Die Universität Bonn zählt mit ihrem Epilepsie-Zentrum, der Neuropathologie, der Humangenetik, dem Stiftungslehrstuhl für Rekonstruktive Neurobiologie und ihren Schwerpunkten in der Erforschung psychiatrischer Erkrankungen wie Schizophrenie oder Depression zu den deutschlandweit profiliertesten Einrichtungen auf dem Gebiet der Hirnforschung.

Ansprechpartner:
Professor Dr. Otmar D. Wiestler & Professor Dr. Oliver Brüstle
LIFE & BRAIN GmbH
Telefon: 0228/287-6603
E-Mail:
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