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Höhlen voller Knochen

Das Fossil des Monats März: der Höhlenbär

Im Rudel lebten sie nicht, und trotzdem finden sich in manchen Höhlen die Knochen von mehreren Hundert Höhlenbären. Auch in der Eifel und dem Sauerland gibt es derartige Fundstellen. Heute weiß man, dass sich dort über Jahrhunderte die Knochen von Tieren ansammelten, die in den Höhlen ihren Winterschlaf verbrachten und ihn nicht überlebten. Das Skelett eines Ursus spelaeus aus Mähren ist noch bis Ende März als Fossil des Monats im Goldfuß-Museum in der Nussallee zu bewundern. Die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Universität Bonn (GEFFRUB) hatte das Skelett Anfang des letzten Jahrhunderts gestiftet. Jetzt wurde es umfassend restauriert und erstrahlt nun - ebenfalls dank Unterstützung durch die GEFFRUB - in einer modernen Vitrine im Foyer des Instituts für Paläontologie in neuem Glanz.

Der eiszeitliche Höhlenbär kam nur in Europa vor. Er wohnte nicht in Höhlen, sondern suchte sie nur zum Winterschlaf auf. Oft diente dieselbe Höhle verschiedenen Tiergenerationen über Jahrhunderte oder Jahrtausende als Winterlager. Hin und wieder starben Tiere während ihres Winterschlafes, so dass sich dort mit der Zeit große Mengen von Knochen und Zähnen ansammelten. Derartige Höhlen gibt es in den Mittelgebirgen, wie der Eifel, dem Sauerland oder der Schwäbischen Alb. Für die Massenvorkommen der Höhlenbär-Reste machte man bis ins 19. Jahrhundert katastrophale Ereignisse verantwortlich.  Als Erklärung musste auch die biblische Sintflut herhalten, vor der sich die Tiere in Sicherheit brachten. Viele solcher Fehldeutungen beruhen darauf, dass man die langen Zeiträume erdgeschichtlicher Vorgänge nicht erkannte.

In den Alpen suchten die Tiere noch Höhlen in knapp 3000 Metern Höhe auf. Das ist nur denkbar, wenn zu jener Zeit auch die Baumgrenze wesentlich höher lag als heute. Somit sind Fossilien oft gute Klimaanzeiger für vergangene Zeiten.

Die Höhlenbären waren deutlich größer als die Braunbären, die erst vor wenigen Jahrhunderten aus unseren Bergwäldern verdrängt wurden. Beide Arten kamen nebeneinander vor, aber der Höhlenbär war im Gegensatz zu anderen Bären ein reiner Pflanzenfresser. Das ausgestellte Skelett wurde aus Knochen zusammengesetzt, die in der Slouper-Höhle bei Brünn in Mähren gefunden wurden. Sie sind etwa 30.000 bis 50.000 Jahre alt, stammen also aus der letzten Kaltzeit. Höhlenbären kamen während des Eiszeitalters sowohl in den Warmzeiten als auch in den Kaltzeiten vor. Deshalb ist im Detail immer noch rätselhaft, warum diese Art in der letzten Kaltzeit vor rund 16.000 Jahren ausstarb. Eine Überjagung durch den frühen Menschen ist sehr unwahrscheinlich. Wahrscheinlich haben spezielle klimatische Gegebenheiten diese Art wie viele andere großen Pflanzenfresser des Eiszeitalters aussterben lassen.


Öffnungszeiten: Mo-Fr 9-16 Uhr, So 13-17 Uhr, Samstag und Feiertage geschlossen, Eintritt frei

Ansprechpartner:
Dr. Martin Sander
Institut für Paläontologie
Tel.: 0228/73-3105
E-Mail:
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Bilder zu dieser Pressemitteilung

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Erstrahlt in neuem Glanz: der Bonner Höhlenbär
Foto: Georg Oleschinski
Der Vorsitzende der GEFFRUB, Dr. Eberhard Schmitz (rechts), legt letzte Hand an bei der Montage der Glaswände. Mit auf dem Bild sind der Leiter des Museums, Dr. Martin Sander (Mitte), und Prof. Dr. Jes Rust vom Institut für Paläontologie
Foto: Georg Oleschinski
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