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Das Fossil des Monats Februar - es lebt!

Pfeilschwanzkrebs als Versteinerung und im Aquarium zu bewundern

Fossilien sind tot, ausgestorben und versteinert. Das stimmt, trotzdem redet man auch von "lebenden Fossilien". Das sind überlebende Vertreter stammesgeschichtlich sehr alter Tier- oder Pflanzengruppen, die sich oft über Hunderte von Millionen Jahren kaum verändert haben. Typischerweise sind lebende Fossilien heute auf einen geringen Teil ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes beschränkt. Ein klassisches "lebendes Fossil" ist der Pfeilschwanzkrebs, der als Fossil des Monats Februar im Goldfuß-Museum (Nussallee 8) zu besichtigen ist - sowohl als 150 Millionen Jahre altes Fossil als auch lebend in einem Seewasseraquarium.

Pfeilschwanzkrebse, auch Schwertschwänze genannt, sind urtümliche Meeresbewohner der Atlantikküste Nordamerikas und des südostasiatischen Raumes. Sie tragen einen großen hufeisenförmigen Kopfschild, der ihnen in Amerika den Namen "horseshoe crabs" ("Hufeisenkrabben") eingebracht hat. Ihr langer, fester Schwanzstachel wurde von einigen Indianerstämmen als Werkzeug für den Fischfang verwendet. Die Tiere können eine Länge von immerhin 70 cm erreichen. Als Bodenbewohner durchpflügen sie im Flachwasser den Sand auf der Suche nach Nahrung - vor allem Krebse, Würmer, Muscheln oder Aas. Zur Paarungszeit verlassen die Schwertschwänze zu Tausenden ihren eigentlichen Lebensraum, um sich anderen Stränden der nordamerikanischen Ostküste zu paaren. Dabei werden die Männchen zum Teil wochenlang von den Weibchen auf dem Rücken umhergetragen, bevor diese ihre Eier ablegen.

Bemerkenswert ist auch der Schwimmstil der Schwertschwänze. Mit der Bauchseite nach oben werden die stark vergrößerten "Blattbeine" regelmäßig auf- und abbewegt, was vor allen den jungen Tieren überraschend wendige Manöver ermöglicht, wie bei den vier Exemplaren der Art Limulus polyphemus im Aquarium zu beobachten ist.

Schwertschwänze sind keine echten Krebse, sondern gehören in die große Gruppe der sogenannten Chelicerata oder Spinnentiere. Ihre frühen Verwandten lebten bereits im Perm vor über 250 Millionen Jahren. Dabei hat sich ihr äußeres Erscheinungsbild seit dieser Zeit praktisch nicht mehr verändert, wie der fossile Mesolimulus walchii aus Solnhofen in Bayern deutlich macht. Dieser Zeitgenosse des Urvogels und der Dinosaurier ist kaum von den lebenden Tieren zu unterscheiden.

Öffnungszeiten: Mo-Fr 9-16 Uhr, So 13-17 Uhr, Samstag und Feiertage geschlossen, Eintritt frei

Ansprechpartner:
Dr. Martin Sander
Institut für Paläontologie
Tel.: 0228/73-3105
E-Mail:
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Bilder zu dieser Presseinformation

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Fossil und lebender Pfeilschwanzkrebs
Foto: Georg Oleschinski
Fossil und lebender Pfeilschwanzkrebs
Foto: Georg Oleschinski
Lebender Krebs
Foto: Georg Oleschinski
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