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Wegweiserin in die oft fremde Welt des Orients

Nachruf auf Professorin Dr. Annemarie Schimmel

Die Universität Bonn trauert um Professorin Dr. Annemarie Schimmel. Am vergangenen Sonntag verstarb die bekannte Islamwissenschaftlerin im Alter von 80 Jahren in Bonn.

Mit Annemarie Schimmel verliert Deutschland seine prominenteste Islamwissenschaftlerin. Ihr Tod riss sie mitten aus der wissenschaftlichen Arbeit heraus, der sie ihr Leben gewidmet hatte. 1941 promovierte Annemarie Schimmel mit einer Arbeit über das spätmittelalterliche Ägypten und schon als 23-Jährige schloss sie 1946 ihre Habilitation ab. Von 1954 an unterrichtete sie an der islamisch-theologischen Fakultät der Universität Ankara Religionsgeschichte (in türkischer Sprache) und wechselte dann an die Universität Bonn, der sie auch nach ihrer Ernennung zur Professorin für "Indisch-Muslimische Kultur" in Harvard 1967 immer verbunden blieb. Ehrendoktorverleihungen, u.a. der Universitäten von Islamabad, Uppsala und Teheran und zahlreiche Auszeichnungen belegen das Prestige, das Annemarie Schimmel im Westen wie auch in islamischen Ländern genoss.

Als eine der führenden Expertinnen der islamischen Mystik widmete sie sich auch der islamischen Kunst und Kalligraphie. Ihre große Einfühlungskraft in die islamische Dichtung zeigen Übersetzungen aus dem Persischen, Arabischen und weiteren Sprachen der islamischen Welt sowie weit über 100 Bücher. Mehr als die meisten westlichen Orientalisten wurde Annemarie Schimmel von Muslimen wegen ihres Einfühlungsvermögens in den Islam geschätzt. Im Westen wirkte sie als Wegweiserin in die oft fremde Welt des Orients und wurde dafür 1995 mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gewürdigt. Besonders den schönen und wahren Aspekten des Islam zugewandt, war sie doch nicht blind für die Probleme der islamischen Welt.

Ihre klare Verurteilung der Publikationen des Autors Salman Rushdie als Blasphemie hat ihr nicht nur die teilweise überzogene Gegnerschaft von Fachkollegen und Öffentlichkeit eingebracht, sondern sie auch in ihre tiefste Lebenskrise gestürzt, in der sie zeitweilig ihr Lebenswerk als Brückenbauerin zwischen der westlichen und der islamischen Welt zerstört sah. Doch hat die Rushdie-Affaire am Ende weder ihrer Popularität noch ihrer Schaffenskraft Abbruch tun können. Als rastlose Autorin und Referentin reiste sie bis in ihr hohes Alter um die Welt, schrieb ihre Werke teilweise im Flugzeug. Es mag tröstlich sein, dass Prof. Schimmel noch kurz vor ihrem Tod die Autobiographie "Morgenland und Abendland. Mein west-östliches Leben" fertig stellen konnte. 

Weitere Informationen sind erhältlich beim Orientalischen Seminar der Universität Bonn:
Prof. Dr. Birgitt Hoffmann, Telefon: 0228/73-5598, E-Mail:
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Prof. Dr. Peter Nagel, Telefon: 0228/73-5599, E-Mail: [Email protection active, please enable JavaScript.]
PD Dr. Ralf Elger, Telefon: 0228/73- 7462, E-Mail: [Email protection active, please enable JavaScript.]

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Professorin Dr. Annemarie Schimmel
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