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  • Professor Schade im Gespräch mit seinem Patienten Max
    Professor Schade im Gespräch mit seinem Patienten Max
    (c) Dr. Inka Väth / Uni-Bonn
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Professor Schade im Gespräch mit seinem Patienten Max
(c) Dr. Inka Väth / Uni-Bonn
 
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Datum: 27.04.2011

Mit Hörhilfe heraus aus dem Geräusche-Dschungel HNO-Ärzte helfen Jungen mit gestörter Hörverarbeitung

Bei vielen Nebengeräuschen fällt es Max schwer, einzelne Personen zu verstehen. Denn er leidet unter einer auditiven Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung, kurz AVWS genannt. Dadurch konnte er den Schulunterricht nicht richtig verfolgen. Zudem wurde eine Lese- und Rechtschreibschwäche vermutet. Hilfe fand der jetzt Siebenjährige endlich am Bonner Universitätsklinikum: Nach vielen ausgefeilten Tests stellten Pädaudiologen dort die richtige Diagnose AVWS. Sie empfahlen Max für die Schule eine Hörhilfe.

Alle seine Lehrer tragen im Unterricht einen Sender und ein kleines Ansteck-Mikrofon. Max hat einen Empfänger und einen kleinen Knopf im Ohr: „Vorher habe ich oft alles doppelt gehört. Jetzt verstehe ich die Stimme des Lehrers deutlich.“ Seine Leistungen – vor allem auch in Deutsch – sind besser geworden. Seine Mutter Nicole ist der Schule dankbar für die außergewöhnliche Unterstützung: „Das hat Max stark gemacht und er konnte auf der Grundschule bleiben.“

Wenn Umgebungsgeräusche störend sind

Vorher erging es dem Jungen wie den meisten Kindern mit AVWS: Ein vorbeifahrendes Auto, das Husten eines Klassenkameraden oder ein fallender Stift – all diese Geräusche hörte Max gleich laut und die Stimme des Lehrers ging in dem Störlärm unter. Er konnte sich meist schlecht konzentrieren und ermüdete schnell. Zudem ging er größeren Lärmpegeln aus dem Weg und spielte daher im Kindergarten gerne allein in einer ruhigen Ecke. „Wir kennen Max zu Hause als neugierig und aufgeweckt. Doch Rückmeldungen von außen beschrieben ihn eher als sehr zurückhaltend“, sagt sein Vater Manfred.

„Ist eine AVWS nicht erkannt, kommen die betroffenen Kinder oft in die Schublade ‚Störenfried’. So glauben die Lehrer unter anderem, das Kind wolle einfach nicht hören“, sagt Professor Dr. Götz Schade, Leiter der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie an der Bonner Universitäts-HNO-Klinik. Denn Auffälligkeiten im Unterricht wie Unkonzentriertheit, leichte Ermüdbarkeit und Nichtverstehen von Anweisungen werden nicht auf das tatsächliche Hörproblem zurückgeführt.

Häufig – aber meist unentdeckt

Professor Schade schätzt, dass es etwa in jeder zweiten Klasse einen Schüler mit AVWS gibt. Zwar sind diese Kinder nicht schwerhörig, denn Mittel- und Innenohr sind intakt. Doch werden die Höreindrücke auf dem Weg vom Ohr zum Gehirn nicht korrekt verarbeitet. Dies kann zu einer Sprachentwicklungsverzögerung und zu Problemen beim Kopfrechnen führen. So fiel Max bereits beim Delphin-Test auf – ein neuerdings in NRW verbindlicher Sprachtest bei Vierjährigen. Er konnte keine zusammenhängenden Sätze formulieren und sprach Wörter falsch aus. Der Verdacht einer Lese- und Rechtschreibschwäche lag nahe und seine Eltern suchten Rat bei einer Logopädin. Als die Therapie nicht wirklich Erfolg zeigte, schlug die Logopädin vor gut einem Jahr Hörtests am Bonner Universitätsklinikum vor.

„Jetzt wissen wir, warum das Kind so ist“

Da der normale Hörtest unauffällig war, veranlasste Professor Schade weitere Tests und stellte bei Max eine AVWS fest. Helfen kann eine Hörhilfe ab 1.500 Euro. „Doch die Kostenübernahme durch die Krankenkassen ist trotz deren Effektivität oft schwierig“, kritisiert Professor Schade. Denn die betroffenen Kinder schalteten im Unterricht ab und blieben dadurch unter ihren Möglichkeiten. „Durch eine Hörhilfe blühen die Kinder in der Schule auf und ihre Leistungen werden besser.“

Max hatte Glück: Seine Krankenkasse übernahm die Kosten in Höhe von 2.000 Euro. Seit gut einem Jahr trägt er die Hörhilfe im Schulunterricht. Für seine Lehrer gehört das Ansteck-Mikrofon bereits zum Alltag. „Wir sind jetzt auf dem richtigen Weg. Wir wollen gar nicht daran denken, wo wir heute ohne diese Hörhilfe wären“, sind sich die Eltern von Max einig.

Kontakt für die Medien:
Professor Dr. Götz Schade
Leiter der Abteilung für Phoniatrie und Pädaudologie
Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Universitätsklinikums Bonn
Telelefon: 0228/287-11280
E-Mail: goetz.schade@ukb.uni-bonn.de