Geologische und geochemische Entwicklung des Iznik Sees (Türkei)

Zusammenfassung
Ziele des Projektes
Pilotstudie 2002
Geländekampagnen 2005
Abbildungen:  Übersichtskarte Marmara-Region
                      Topographische Karte des Arbeitsgebietes (Satellitenaufnahme, SRTM)
                      Geologie der Umgebung des Iznik Sees
                      Bathymetrische Karte des Iznik Sees

Literaturangaben



Zusammenfassung

Der Iznik See ist mit seinen 313 km2 der größte See der Marmara Region und zugleich der fünftgrößte See der Türkei. Er liegt in der Provinz Bursa, ca. 100 km südöstlich der Metropole Istanbul. Durch seine Lage an der Nordanatolischen Störungszone (NAF), einer Plattengrenze zwischen der Europäischen Platte im Norden und dem Anatolischen Block im Süden, befindet sich der Iznik See in einem tektonisch höchst sensiblen Gebiet. Gerade diese Tatsache macht ihn zu einem interessanten Studienobjekt. Es bietet sich daher die Gelegenheit, die Verknüpfung von sedimentologischen und tektonischen Prozessen in einem gezielten Forschungsvorhaben genauer zu untersuchen. Zusätzlich ermöglicht das Sedimentreservoir des Sees - fluvio-lakustrine und marine Ablagerungen des Pliozäns und Quartärs - eine Rekonstruktion des Paläoklimas und der anthropogenen Einflüsse der Region, um nur einige der weiteren möglichen Forschungsthemen zu nennen. Im hier beantragten Pilotprojekt sollen Oberflächenproben des Seegrundes erste Erkenntnisse zur chemischen Zusammensetzung der Sedimente und zur Wasserchemie des Sees erbringen, die dann erste Daten für die Beantragung eines größeren Bohrvorhabens liefern sollen.


Ziele

Da das Wissen über die Ablagerungsbedingungen der Seesedimente und die Wasserchemie des Iznik Sees bisher noch relativ unvollständig ist, soll das beantragte Pilotprojekt mittels anorganisch-geochemischen und mineralogischen Untersuchungen neue Erkenntnisse erbringen. Dabei soll im Wesentlichen folgenden Fragen nachgegangen werden:

Wie ist die chemische und mineralogische Zusammensetzung der Seesedimente? Welche Rückschlüsse gibt es daraus auf das Environment des Sees. Welche Liefergebiete lassen sich rekonstruieren?

Gibt es eine chemische Variabilität in den Seeablagerungen? Wenn ja, lassen sich diese chemischen Änderungen auf Klimaveränderungen oder seismische Aktivitäten und deren Folgen zurückführen?

Wie ist die anthropogene Beeinflussung auf das Environment des Sees?

Wie hoch ist die Bioproduktivität des Sees? Unterliegt diese Produktivität Schwankungen und wie werden sie gesteuert?

Wie sind die Sauerstoffverhältnisse im Tiefenwasser? Handelt es sich um ein karbonatreiches oder Corg-reiches Seesystem?

Wie sind die Seesedimente ausgebildet (Warvenschichtung, Seismite etc.)?

Wie ist die Korngrößenverteilung in den Seesedimenten? Zeigen Variationen wechselnde Klimaverhältnisse, seismische Ereignisse (Seismite) oder veränderte Strömungsverhältnisse im See an?

Die Klärung dieser Fragestellungen soll eine erste Interpretation des Ablagerungsmilieus der Seesedimente und der Hydrochemie des Sees liefern. Die heraus gewonnenen Ergebnisse sollen dann in die Konzepterstellung eines Antrages für ein tiefgründiges Bohrvorhaben (Kolbenlotbohrungen)  mit einfließen.