Zystisches Phäochromozytom
THERAPIE
UND
VERLAUF:
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Die sonographische
Untersuchung zeigt eine Raumforderung im
Bereich der rechten Nebenniere. Diese
stellt sich zentral echofrei (“zystisch”)
dar mit kräftiger Wand. Zwischen dem
Tumor und der angrenzenden Leber zeigt
sich eine dünne Schicht echoreichen
retroperitonealen Fetts.
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In der
computertomographischen Untersuchung nach iv.
KM-Gabe zeigt sich eine inhomogene, allerdings
relativ kräftige Anreicherung der Wand des
Nebennierentumors. Verkalkungen waren keine zu
erkennen. Computertomographisch konnte die linke
Nebenniere als normal dargestellt werden, eine
normale rechte Nebenniere zeigte sich nicht.
Die anschließend
durchgeführten biochemischen Untersuchungen
zeigten im 24-Stunden-Urin eine deutliche
Erhöhung der Werte für Metanephrin (1,3
mg/24 Std.). Normetanephrin (2,81 mg/24 Std.),
totales Metanephrin (5,18 mg/24 Std.) und
Vanillinmandelsäure (18,1 mg/24 Std.).
Es erfolgt eine rechtsseitige
Adrenalektomie; die histologische Untersuchung
ergab ein zystisches Phächromozytom mit
hämorrhagischer Nekrose.
DISKUSSION:
In autoptischen Untersuchungen
beträgt die Prävalenz des
Phäochromozytoms 0,13%. Diese eher seltenen
Tumoren sind in 0,1 bis 0,3% Ursache einer
arteriellen Hypertonie (1). Der Tumor besteht aus
chromaffinen Zellen, die sich embryologisch vom
Neuroektoderm ableiten. Phäochromozytome
folgen der “10er Regel”: Ca. 10% der
Phäochromozytome sind extraadrenal, bilateral,
extraabdominell, maligne, familiär, im
Kindesalter und ohne Blutdruckerhöhung
(2).
Etwa 90% der
Phäochromozytome entspringen im
Nebennierenmark. Die verbliebenen 10% sind
extraadrenal und eher bekannt unter der Bezeichung
Katecholamin-sezernierendes Paragangliom. Diese
entstehen im Bereich des sympathischen
Grenzstranges, häufigste Lokalisation ist im
Zuckerkandl´schen Organ, etwa in Höhe der
Aortenbifurkation (3). Etwa 10% der
Phäochromozytome sind familiär mit einer
autosomal dominanten Transmission und assoziiert
mit dem von Hippel-Lindau-Syndrom, Typ I
Neurofibromatose und multiplen endokrinen
Neoplasie-Syndromen Typ IIa und IIb.
Etwa 90% der Patienten mit einem
Phäochromozytom haben zum Diagnosezeitpunkt
eine arterielle Hypertonsion auf dem Boden der
Katecholamin-Ausschüttung (4). Hinweisend auf
die Genese bei einer arteriellen Hypertension ist
ein dramatisches Ansprechen des Blutdruckes auf
einen Alpha-I-adrenergen Antagonisten. Die
klassische Symptom-Trias bei einem
Phäochromozytom sind Herzklopfen,
Schweißausbrüche und Kopfschmerzen. Mehr
als 90% der Patienten mit einem
Phäochromozytom haben eines oder mehrere der
Symptome der klassischen Trias (5). Andere Symptome
beinhalten Blässe, Übelkeit, Zittern,
Müdigkeit, Ängstlichkeit, Schmerzen und
eine Flush-Symptomatik (4).
Charakteristischerweise sind
diese Symptome paroxysmal und können durch
eine größere körperliche
Anstrengung wie schweres Heben oder auch die
Durchführung eines Valsalva-Manövers
ausgelöst werden. Wird ein
Katecholamin-sezernierender Tumor wie ein
Phäochromozytom oder Paragangliom klinisch
vermutet, stellt die Sammlung des 24-Stunden-Urins
und die Bestimmung der Katecholamine und ihrer
Abbauprodukte wie Metanephrin und
Vanillinmandelsäure eine entsprechende
Screening-Möglichkeit dar. Zusätzlich zu
den Urin-Bestimmungen kann auch die
Serum-Katecholamin-Höhe bestimmt werden. Zeigt
sich hier eine entsprechende Erhöhung, sind
diagnostische Untersuchungen zur Lokalisation des
Tumors indiziert.
Die Computertomographie ist das
am häufigsten hierzu verwendete Verfahren.
Typischerweise zeigt sich ein runder, gut
abgegrenzter, homogener Tumor von etwa 3 cm
Größe (3). Die iv. KM-Gabe ist zum
Nachweis des Tumors in aller Regel nicht notwendig.
Wird es appliziert, zeigen Phäochromozytome in
der Regel eine heterogene Anreicherung. Ob vor iv.
KM-Gabe eine adrenerge Blockade durchgeführt
werden sollte, ist Gegenstand kontroverser
Diskussionen (6, 7). Im vorliegenden Fall wurde
nicht-ionisches KM ohne Blockade und ohne
Beschwerden appliziert.
In der MR-Tomographie zeigen
sich kleine Phäochromozytome isointens zur
Muskulatur und hypointens zur Leber auf
T1-gewichteten Sequenzen. Auf T2-gewichteten
Bildern stellen sie sich typischerweise hyperintens
zu Fett dar. Hierdurch können
Phäochromozytome von Nebennieren-Carcinomen
differenziert werden, die üblicherweise auf
T2-gewichteten Bildern isointens oder nur leicht
hyperintens zu Fett sind (3). Phäochromozytome
enthalten wenig Fett, in out of phase-Sequenzen
zeigen sie keine Signalabnahme.
Das sonographische Bild von
Phäochromozytomen kann variabel sein. Analog
dem computertomographischen Bild stellen sie sich
typischerweise rund und gut umschrieben dar; in der
Mehrzahl sind sie echoärmer oder echogleich
verglichen mit dem angrenzenden Nierenparenchym
(8).
Phäochromozytome sind gut
vaskularisierte Tumore. Häufig zeigen sich
fokale oder partielle zystische Degenerationen; die
mehr oder weniger vollständige zystische
Degeneration ist jedoch eher ungewöhnlich,
kann aber vorkommen (9-12). Postuliert wurde, dass
diese zystische Degeneration die Folge
intraparenchymaler Einblutungen, gefolgt von
Nekrose und Resorption darstellt (13). In einer
Studie konnten zystische Komponenten bei etwa 32%
der Phäochromozytome nachgewiesen werden (8).
Die Differentialdiagnose einer
zystischen Nebennierenläsion stellen
Nebennierenzysten, Pseudozysten,
Nebennieren-Carcinome und Phäochromozytome dar
(11, 12). Phäochromozytome und
Nebennieren-Carcinome haben oft eine funktionelle
Komponente, sodass klinische Symptome und
biochemische Untersuchungen zur Diagnosestellung
helfen können. Zystische Tumore mit
dünner Wand, fehlenden Septierungen und
Verkalkungen können mittels Verlaufskontrolle
beobachtet werden (12). Komplizierte zystische
Läsionen, d.h. solche mit verdickter Wand (5
mm oder mehr), Binnensepten, einer
computertomographischen Anreicherung von mehr als
30 H.E. nach KM-Gabe, sollten dagegen weiter
abgeklärt werden.
Die definitive Therapie eines
Phäochromozytoms stellt die chirurgische
Exzision dar. Da die meisten Tumore adrenalen
Ursprungs sind, erfolgt hier die einseitige
Adrenalektomie. Histologisch sind benigne und
maligne Phäochromozytome nicht voneinander zu
differenzieren. So können auch benigne lokal
invasiv wachsen und angrenzende Strukturen wie die
untere Hohlvene oder die Nierenkapsel infiltrieren.
Der Nachweis von Metastasen gilt als
Malignitätskriterium; ca. 13% der
Phäochromozytome sind entsprechend maligne
(16). Häufiger Sitz von Metastasen sind das
axiale Skelett, Leber, Lunge sowie retroperitoneale
oder mediastinale Lymphknoten. Die
5-Jahre-Überlebensrate bei einem malignen
Phäochromozytom liegt bei weniger als 59%
(5).
LITERATUR:
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