Tumoröse Erkrankungen der
Gallenwege
1. Gallengangskarzinom
Das Gallengangskarzinom (Cholangiokarzinom) ist
eine relativ seltene bösartige Erkrankung, die
ca. 1% aller malignen Tumoren ausmacht. Als
prädisponierend gelten Colitis ulzerosa,
sklerosierende Cholangitis, Caroli Syndrom,
Choledochuszyste, Parasitenbefall (Clonorchis
sinensis, Opisthorchis viverrini) und einige
chemikalische Noxen. Der Tumor geht meist von den
größeren Gängen aus, in mehr als
2/3 ist er im D. choledochus bzw. Ductus hepaticus
communis lokalisiert. Von einem Klatskin-Tumor
spricht man, wenn der Tumor in der Hepaticusgabel
sitzt (ca. 10%-25%). In 95% der Fälle handelt
es sich um ein Adenokarzinom.
Bei Verdacht auf ein Gallenwegskarzinom sollte
sonographisch bestimmt werden (Robledo 1996):
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· eine eventuelle
Gallenwegserweiterung; hierbei besonderes
Augenmerk inwieweit eine Beteiligung von
D. hepaticus communis, linkem und rechtem
Hauptgang sowie ersten Seitästen
vorliegt
· die Höhe der Obstruktion:
intrahepatisch, hilär,
suprapankreatisch oder distal
· der Nachweis eines Tumors
· eine fokale oder diffuse
Wandverdickung der Gallenwege
· weitere intrahepatische Tumore
· vergrößerte
Lymphknoten
· eine Pfortaderthrombose
· eine Cholelithiasis
· ggf. mittels Farbdoppler eine
Leberarterienstenose
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Schematische Klassifizierung
infiltrierend wachsender
Gallenwegskarzinome nach Bismuth.
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Bei einem zentral sitzenden Gallenwegskarzinom
zeigt sich sonographisch eine isolierte
intrahepatische Cholestase. Das Wachstumsmuster
läßt sich morphologisch in
infiltrierend, exophytisch und polypoid unterteilen
(Robledo 1996). Beim infiltrierend wachsenden Typ
zeigt sich ein Gangverschluß durch verdickte
Wände, die sonographisch wie ein kleiner Tumor
imponieren können. Eine extraduktale
Raumforderung findet sich hierbei jedoch nicht. Bei
einer längerstreckigen Infiltration
können die Tumorgrenzen als "Schultern"
erkannt werden; die innere Begrenzung der
tumorinfiltrierten, aneinanderliegenden
Gallengangswände zeigt sich mitunter als
echoreiche zentrale Linie ("middle echo sign")
(Robledo 1996).
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Exophytisch wachsendes, echoarmes,
zentrales Gallenwegskarzinom (TU) mit
Aufstau (hier gezeigt) des rechten
Gallenwegs (R). Pfeil = mittlere Lebervene
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Infiltrierend wachsendes zentrales
Gallenwegskarzinom. Im Bild gezeigt die
"Tumorschultern" (Pfeil) bei Infiltration
des rechten anterioren Hauptgallenweges.
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Bei exophytischem Wachstum findet sich eine
Beteiligung des umgebenden Gewebes mit einem
sonographisch nachweisbaren großen Tumor.
Beim polypoiden Typ zeigt sich ein intraduktaler
Tumor.
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Polypoides, rein intraduktal wachsendes
Gallenwegskarzinom (Pfeil) mit Aufstau der
vorgeschalteten Gallenwege (DHC). * = A.
hepatica, P = Pfortader
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Ein sonographisch nachweisbarer Tumor ist bei
mehr als 90 % der Patienten isoechogen verglichen
mit der normalen Leber; ein Befund, der die in
älterer Literatur häufig schlechte
Erkennbarkeit erklärt (Choi 1989). In den
anderen Fällen stellt sich der Tumor echoarm
dar, ein echoreicher Tumor ist selten (Hann 1997,
Looser 1992, Neumaier 1995, Päivänsalo
1993, Robledo 1996).
Sonographisch kann die Obstruktionshöhe bei
96-100 % der Patienten bestimmt werden (Choi 1989,
Hann 1997, Looser 1992, Päivänsalo 1993,
Robledo 1996), bei den meisten der Patienten (86-95
%) kann auch der Tumor selbst oder eine diffuse
Wandverdickung mit Obstruktion nachgewiesen werden
(Hann 1997, Looser 1992, Neumaier 1995,
Päivänsalo 1993, Robledo 1996). Die
Diagnose eines Gallenwegskarzinoms konnte auch bei
17/18 Patienten gestellt werden, die ohne Ikterus
wegen allgemeiner Beschwerden oder
Leberenzymveränderungen untersucht wurden und
bei denen sich im weiteren ein Gallengangskarzinom
fand (Sugiyama 1997). Gelegentlich ist der
eigentliche Klatskin-Tumor nicht nachweisbar.
Hinweis ist dann die fehlende Darstellbarkeit des
Konfluenz von rechtem und linken Gallengang (Choi
1989).
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Isoechogenes, zenral sitzendes
Gallenwegskarzinom (Klatskin-Tumor;
zwischen den Meßkreuzen) mit Aufstau
des rechten (Pfeil) und linken
(Pfeilspitze) Gallenwegs.
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Beim vermuteten zentralen Gallengangskarzinom
sollte auch auf vergrößerte Lymphknoten
im Leberhilus sowie auf eine Pfortaderthrombose
geachtet werden. Diese fand sich bei bis zu 51 %
der Patienten und konnte sonographisch mit hoher
Sensitivität erkannt werden (Hann 1996 und
1997). Eine Stenose bzw. Infiltration der A.
hepatica ist sonographisch dagegen wesentlich
weniger gut zu erkennen (Hann 1996 und 1997). Auch
der Nachweis vom Lymphknotenmetastasen oder von
intrahepatischen und peritonealen Absiedlungen
gelingt sonographisch lediglich mit einer
Sensitivität von zum Teil unter 40 % (Neumaier
1995, Päivänsalo 1993).
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Querschnitt im rechten Oberbauch
Zentral sitzendes, echoarmes
Gallenwegskarzinom mit Aufstau der
Gallenwege. Zur Therapie der Cholestase
ist bereits ein Metallstent eingebracht,
dessen proximaler Teil (Pfeil) zu erkennen
ist; dieser ist noch von echoarmem Tumor
umgeben. Der rechte Pfortaderast ist gut
durchströmt, der linke (zwischen den
Pfeilspitzen) ist verschlossen.
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Korrelierende angiographische
Darstellung der Pfortader
Bei Kontrastmittelinjektion in die
Milzarterie (Pfeil) kontrastieren sich in
der venösen Phase die Milzvene und
Pfortaderhauptstamm (Pfeilspitze) sowie
der rechter Pfortaderast (R), der linke
stellt sich nicht dar (L?).
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Da der Klatskin-Tumor selbst oft nur klein und
infiltrierend mit ausgeprägter Fibrose
wächst, gelingt die histologische Diagnose
nicht immer und oft wird die Diagnose aufgrund der
"typischen" morphologischen Befunde bei einem
schmerzlosen Ikterus gestellt. In einer Studie
zeigte sich jedoch, das diese auf ein Cholangiogram
begründete Diagnose eines infiltrierende
Cholangiokarzinoms bei 30 / 98 Patienten fehlerhaft
war. Histologisch handelte es sich in 5 Fällen
um ein papilläres Gallenwegskarzinom (mit
besserer Prognose), bei 12 Patienten um
infiltrierende Gallenblasenkarzinome, bei 5 um
Metastasen anderer Tumore, bei 2 um ein
Mirrizzi-Syndrom, bei 3 um Granulome und bei 3 um
benigne fokale Stenosen (Wetter 1991). Da auch
benigne Ursachen das Bild eine zentralen
Gallengangkarzinoms vortäuschen können,
sollte z.B. vor Chemotherapie eine histologische
Befundsicherung, z.B. durch Zangenbiopsie im Rahmen
der ERC/PTCD oder auch perkutan in jedem Fall
versucht werden (Knapen 1994).
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Mittels PTCD durchgeführte
Biopsie
Bei zentral sitzendem
Gallenwegskarzinom wurde von rechts
lateral eine PTCD (perkutane
transhepatische Cholangiographie und
Drainage) durchgeführt. Über
diese wurde das verschlossene Segment im
Hilusbereich sondiert und ein Draht in das
linksseitige Gallenwegssystem
(Pfeilspitze) sowie in den D. Choledochus
(doppelte Pfeilspitze) eingebracht.
Zentral ist eine Biopsiezange (Pfeil) zur
Histologiegewinnung zu erkennen.
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CT-gesteuerte Punktion
Zentral sitzendes, exophytisch
wachsendes Gallenwegskarzinom (zwischen
den Pfeilspitzen) mit Aufstau der
Gallenwege (R = rechter, L = linker
Hauptgallenweg). Zur Punktion und
Histologie-Gewinnung eingebrachte
16G-Schneidbiopsiekanüle.
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Das primäre Gallengangskarzinom ist selten
(10 %) auf die intrahepatischen Gallengänge
beschränkt, außer bei
prädisponierten Patienten mit einer Infektion
durch Opisthorchis viverrini (Thailand).
Sonographisch zeigt sich ein solitärer
echoarmer oder inhomogener intrahepatischer Tumor
oder multiple Tumore, die morphologisch nicht
gegenüber anderen intrahepatischen Malignomen
zu differenzieren sind (Ros 1988). Verkalkungen
sind selten, noch seltener ist eine zystische
Degeneration.
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Intrahepatisches Gallenwegskarzinom
Überwiegend echoarmer Tumor im
linken Leberlappen mit unscharfer
Randkontur.
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2. Zystadenome oder Zystadenokarzinome
Andere intrahepatische biliäre Neoplasien
sind selten, praktisch handelt es sich fast
ausschließlich um Zystadenome oder
Zystadenokarzinome. Meist sind Frauen im mittleren
Alter betroffen, das typische Erscheinungsbild ist
ähnlich ovariellen Zystadenomen
(Zystadenokarzinome). Sonographisch zeigt sich eine
zystische Raumforderung(en) mit multiplen Septen,
häufig mit papillären Wandausziehungen,
selten sind Verkalkungen (Buetow 1995).
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Zystadenom der Gallenwege (gleicher
Pat. wie rechts und unten)
Die dargestellten Untersuchungen zeigen
eine massive Dilatation der
intrahepatischen Gallenwege, sowohl im
linken wie im rechten Leberlappen. Im
Bereich des linken Gallenweges sowie des
Ductus choledochus und wahrscheinlich in
den rechten Segment-Gallenweg
hineinreichend finden sich zystische
Formationen mit konsekutiver Verlegung der
intrahepatischen Gallenwege. In der
großen zystischen Formation im
Bereich des linksseitigen Gallenweges
finden sich einzelne, brückenartig
von Wand zu Wand reichende solide
Formationen. Nach
Kontrastmittelapplikation in der CT zeigen
sich keine anreichernden Tumoranteile.
Aufgrund der Septen sowie der solideren
Anteile ist ein cholangio-zelluläres
Carcinom differentialdiagnostisch zu
berücksichtigen.
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Zystadenom der Gallenwege (gleicher
Pat. wie links und unten)
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Zystadenom der Gallenwege (ERC;
gleicher Pat. wie rechts und oben)
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Zystadenom der Gallenwege (CT;
gleicher Pat. wie links und oben)
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Zystadenom der Leber
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Zystadenom der Leber
In der insgesamt
vergrößerten Leber finden sich
multiple teils echofreie (Pfeile), teils
gemischt echogene (zwischen den
Pfeilspitzen) Tumore.
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Differentialdiagnostisch kommen komplizierte
Leberzysten (Einblutung, Infektion),
Echinococcus-Zysten, Abszesse, Hämatome oder
zystische Metastasen in Betracht. Zur Klärung
ist eine Zystenpunktion indiziert; die
Differenzierung Zystadenom/-adenokarzinom ist
jedoch nur nach chirurgischer Resektion
möglich.
3. Embryonales Rhabdomyosarkom der Gallenwege
Hierbei handelt es sich um einen seltenen, meist
vom D. hepaticus communis ausgehenden kindlichen
Tumor.Histologisch ähnelt er dem von der
Harnblase oder Vagina ausgehenden Sarcoma
botryoides. Mittleres Manifestationsalter ist 3
Jahre.
Der intraluminal wachsende Tumor führt zu
einer Aufweitung vorgeschalteter Gallenwege und
wächst häufig entlang der Gallenwege in
die Leber ein. Die Größe beträgt
meist zwischen 8-20 cm. Metastasen zum
Diagnosezeitpunkt kommen bei etwa 30 % der Kinder
vor.
4. Hamartome der Gallengänge
Hamartome der Gallengänge (Synonyme: von
Meyenburg Komplexe, Mikrohamartome) sind selten. Es
handelt sich um Duplikationen der Gallenwege mit
dichter umgebender Fibrose, jedoch ohne Verbindung
zum Gallengangsystem. Das sonographische Bild ist
uncharakteristisch und reicht von echoarmen bis
echoreichen Tumor (Gallego 1995).
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Biliäre Hamartome
In der insgesamt sehr inhomogenen Leber
finden sich multiple, teils echoarme,
teils echofreie rundliche Tumore
(Pfeilspitzen).
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Biliäre Hamartome
Nachweis multipler echoreicher Tumore
in der gesamten Leber, die von wenigen
Millimetern bis zu etwa 1 cm groß
sind (Pfeilspitzen).
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Eine progressive Papillomatose stellt eine
seltene Präkanzerose dar, bei der multiple
proliferierende, papilläre Hamartome vorkommen
(Holtkamp 1994).
5. Peribiliäre Zysten
Peribiliäre Zysten kommen in nach
autoptischen Untersuchungen bei etwa 50 % der
Leberzirrhosen vor; in der bildgebenden Diagnostik
sind sie jedoch selten beschrieben. Sie sind in
Nähe der Leberpforte lokalisiert und variieren
in der Größe von wenigen Millimetern bis
einige Zentimeter. In den meisten Fällen haben
sie keine klinische Relevanz, könne jedoch
unter Umständen den Gallefluß behindern.
Länglich konfigurierte peribiliäre Zysten
können mit dilatierten Gallengängen
verwechselt werden (Terayama 1995).
Literatur
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correlation with emphasis on the importance of
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