Botanik der Wolfsmilchgewächse
1. Die Familie der Wolfsmilchgewächse (EUPHORBIACEAE) im Pflanzenreich
2.
Die Morphologie der Wolfsmilchgewächse (EUPHORBIACEAE)
2.1
Die Blüte
2.2 Die Bedornung
2.3
Der Habitus
1. Die Familie der Wolfsmilchgewächse (EUPHORBIACEAE) im Pflanzenreich
Die
Wolfsmilchgewächse sind eine der größten Familien im
Pflanzenreich und reichen mit ca. 7500 Arten in 300 Gattungen an
meist bekanntere große Familien wie die Korbblütengewächse
(Asteraceae, 22000 A. 1000 G.) oder die Schmetterlingsblütengewächse
(Fabaceae, 11300 A. 437 G.) heran. Hauptverbreitung der Euphorbiaceae
sind die Tropen. Doch haben einige Arten es bis in die gemäßigten
Breiten geschaft. Beispiele sind das heimische Einjährige-Bingelkraut
(Mercurialis annua), das Wald-Bingelkraut (Mercurialis
perennis), die Garten-Wolfsmilch (Euphorbia peplus) und
die Sonnenwend-Wolfsmilch (Euphorbia helioscopia)
Der
folgende hierarchische Stammbaum zeigt die Stellung der
Wolfsmilchgewächse im Pflanzenreich. In Fachkreisen
gibt es in einigen Positionen andere Einordnungen.
Gattungen mit sukkulenten Arten
Abteilung - Samenpflanzen Spermatophyta
Unterabteilung - Bedecktsamer Angiospermophytina
Klasse - Zweikeimblättrige Pflanzen Dicotyledoneae
Unterklasse - Rosidae
Überordnung - Celastranae
Ordnung - Wolfsmilchartige Euphorbiales
Familie – Wolfsmilchgewächse Euphorbiaceae
Unterfamilie - Phyllanthoideae
Gattung - z.B. Phyllanthus (1 sukkulent), Sauropus, Uapaca
Unterfamilie - Oldfieldioideae
Gattung (~ 20) - z.B. Hyaenanche, Oldfieldia, Dissiliaria
Unterfamilie - Acalyphoideae
Gattung (> 100) - z.B. Macaranga, Mercurialis, Ricinus, Acalypha, Dalechampia
Unterfamilie - Crotonoideae
Gattung (> 70) - z.B. Cnidoscolus (>40 Arten, sukkulent?), Hevea, Manihot, Jatropha (> 170, davon x sukkulent), Croton, Aleurites
Unterfamilie - Euphorbioideae
Gattung - (nur Gattungen mit sukkulenten Arten) Elaeophorbia (4, davon 1 sukkulent), Endadenium (1), Euphorbia (~ 2000, davon ~ 800 sukkulent), Monadenium (~ 50, alle sukkulent), Pedilanthus (14), Synadenium (~ 20)
Die Gattung Euphorbia (sukkulente Arten) wurde und wird von verschiedenen Botanikern noch unterteilt. Diese Unterteilungen versuchen die Vielgestaltigkeit der Gattung Euphorbia eine Ordnung zu geben. So teilen White, Dyer und Sloane 1941 die südafrikanischen Euphorbien in 19 Wuchsformen (Keys). Schon 1907 hatte Alwin Berger mit 12 Sektionen die Wolfsmilchgewächse aufgeteilt. Hermann Jacobsen (1981) teilt die Euphorbien (ohne die madagassischen Euphorbien) in 28 Gruppen, die durch ihre Wuchsform oder Bedornung getrennt werden. Weitere Aufteilungen wurden 1946 von Leandri für die madagassischen und 1988 von Susan Carter für die ostafrikanischen Euphorbien veröffentlicht.
Da eine monographische Bearbeitung der Gattung Euphorbia noch aussteht, haben die vergangenen und aktuellen systematischen Aufteilungen nur lokale Bedeutung und reichen über regionale Florenwerke nicht hinaus.
2.
Die Morphologie1
der Wolfsmilchgewächse (EUPHORBIACEAE)
am
Beispiel einiger sukkulenter Euphorbien
Die
Blüten der Euphorbien und der anderen Wolfsmilchgewächse
erscheinen wie einzelne Blüten und wurden in vergangener Zeit
auch von namhaften Botanikern (einschl. C. v. Linné,
1735) nicht anders gedeutet. Bei genauerer Betrachtung der
Blüte ist aber erkennbar, daß es sich um einen Blütenstand
handelt. So besteht dieser Blütenstand, der in der Botanik
Cyathium
genannt wird, aus einer einzelnen weiblichen Blüte und meist aus
5 Gruppen einzelner männlicher Blüten. Diese sehen dem
ersten Anschein wie ein Staubfaden aus, sind aber reduzierte
Einzelblüten. Die Einzelblüten werden durch fünf
Hochblätter (Hüllblätter) umschlossen. Zwischen diesen
Hüllblättern sitzen wiederum fünf Honigdrüsen.
Bei einigen Arten haben diese Honigdrüsen auffällige
Anhängsel (Beispiel: Euphorbia
ramiglans, Euphorbia
wilmaniae). Andere Cyathien haben
lebhaft rot gefärbte Hochblätter (z.B.
Euphorbia milii, dem Christusdorn) oder auch
unscheinbare z.B. in grün oder braun. Diese Hochblätter die
den Blütenstand umschließen werden Cyathophylle genannt.
Die einzelnen Cyathien sind zu Teil noch übergeordneten
Blütenständen unterordnet. Dies ist in interessanter Weise
an Euphorbia pauliana zu
beobachten, die so auf bis zu 300 Einzelcyathien pro Blütenstand
kommen soll.
Um eine Selbstbestäubung zu vermeiden bringen
Euphorbien mit zwittrigen Blüten zuerst die weiblichen Blüten
hervor und später die männlichen. Bei Euphorbien gibt es
zusätzlich noch den Zustand des eingeschlechtigen Cyathiums. So
ist die weibliche Blüte und die männliche Blüten auf
verschiedenen Cyathien verteilt. Meist kommt noch der Umstand hinzu,
daß die eingeschlechtigen Cyathien auf verschiedenen Pflanzen
vorkommen (z.B. Euphorbia bupleurifolia, Euphorbia
obesa). Zweihäusigkeit,
wie dies genannt wird, ist dem Autor neben den Euphorbien bei den
anderen Gattungen der Wolfsmilchgewächse nicht bekannt.

Die
Bedornung der Euphorbien hat verschiedene morphologische Herkünfte.
So gibt es Sproßdornen, Infloreszenzdornen und
Blattdornen.
Sproßdornen:
Hier handelt es sich um umgebildete Sprosse. Meist sind es Triebe,
die von der Spitze her eintrocknen und so den Dorn bilden (Beispiele:
Euphorbia
lignosa,
Monadenium
lindenii).
Infloreszenzdornen:
Ausgang sind Achselsprosse, die bei Jungpflanzen steril sind und mit
ihrem spitzen Ende morphologisch echte Dornen darstellen. Bei
blühfähigen Pflanzen tragen diese Achselsprosse ein
endständiges Cyathium. Nach dem Verblühen der Blüten
oder nach der erfolgreichen Bestäubung und Reife der Samen
trocknen die Stiele ein und verholzen. Diese Form der Dornen mit
ihrem stumpfen Ende werden von Rauh (Literatur:
lfd Nr.2) Scheindornen genannt (Beispiele:
meist südafrikanische Arten, Euphorbia enopla, Euphorbia
ferox, Euphorbia horrida, Euphorbia pillansii,
Euphorbia stellaespina).
Blattdornen:
Wie aus Blättern Dornen werden, kann man an Beispielen
verschiedener Euphorbien gut beobachten. Während bei Euphorbia
hamata oder E.
hypogaea der Blattgrund in die Länge
wächst und nach dem Blattwurf einen Scheindorn ergibt, sind die
Blattdornen
der meisten Euphorbien, die das Aussehen von Kakteen haben,
eigentlich umgewandelte Nebenblätter.(Beispiele:
Euphorbia
fruticosa, Euphorbia
handiensis, Euphorbia
mitriformis)
Manche Euphorbien
besitzen mehrere Dornen, den Nebenblattdornen
(Stipulardornen)
und zwei Dorsalstacheln. Die Dorsalstacheln
sind Anhängsel des Blattrandes und somit morphologisch keine
Dornen. Die Basis der Stipulardornen und die Dorsalstacheln sitzen
häufig auf verkorkten Schildchen, welche zum Teil eine
zusammenhängende Hornleiste bilden (Beispiele:
Euphorbia cactus oder
Euphorbia virosa ohne
Dorsalstacheln, Euphorbia odontophora
mit Dorsalstacheln).
Eine weitere
Besonderheit haben einige madagassische Euphorbien entwickelt. So
sind die Stipulardornen aus dem Formenkreis um Euphorbia
viguieri zu Dornenleisten zusammengewachsen. Beispiele
sind Euphorbia viguieri,
mit noch kräftigen einzelnen Dornen, oder Euphorbia
leuconeura, die borstige Dornenleisten entwickelt
hat. Bei Euphorbia
lophogona sind die Stipulardornen zu einer
geflügelten flachen Leiste vereinigt. Aus der Verwandtschaft um
Euphorbia milii gibt es Arten mit
Stipulardornen, die zu mehreren geteilt sind und bilden so den
Eindruck es seien viele eigenständige Dornen (Beispiele:
Euphorbia croizatii, Euphorbia didiereoides, Euphorbia hofstaetteri,
Euphorbia rossii).
Unscheinbar und fast nicht mehr als Dornen erkennbar sind diese von
Euphorbia
cap-saintemariensis und seinen nahen
Verwandten. Hier sind sie nur als kurze Borsten erkennbar (Beispiele:
Euphorbia ambovombensis,
Euphorbia tulearensis).
2.3 Der Habitus2
Da die Euphorbien den Großteil der sukkulenten Wolfsmilchgewächse ausmachen möchte ich hier Ihnen an Hand der von H. Jacobsen aufgestellten Aufteilungen die unterschiedlichen Wuchsformen anschaulich machen.
Jacobsen teilte die sukkulenten Wolfsmilchgewächse in zwei Sektionen und dann in 28 Gruppen. Da viele madagassische Arten nicht in diese Einteilung passen hat Jacobsen die Einteilung von Leandri dazugestellt.
Sektion I. Pedunculacantha – Dornenlose Arten oder Arten mit Dornen aus verholzenden Blütenstandsstielen oder verdornenden Trieben.
Gruppe: Beispiele: Euphorbia balsamifera und weitere Arten von den Kanaren.
Gruppe:
Beispiele:
Euphorbia leuconeura, Euphorbia viguieri
Gruppe: Beispiele: Euphorbia espinosa, Euphorbia guerichiana
Gruppe: Beispiele: Euphorbia antsyphilitica, Euphorbia dregeana
Gruppe: Beispiele: Euphorbia phosphorea, Euphorbia pteroneura
Gruppe: Beispiele: Euphorbia gariepina, Euphorbia hamata
Gruppe: Beispiele: Euphorbia pseudotuberosa, Euphorbia trichadenia
Gruppe:
Beispiele: Euphorbia crispa, Euphorbia ecklonii
Gruppe: Beispiele: Euphorbia bubalina, Euphorbia wildii
Gruppe: Beispiele: Euphorbia eustacei, Euphorbia multifolia
Gruppe: Beispiele: Euphorbia fasciculata, Euphorbia schoenlandii
Gruppe: Beispiele: Euphorbia clavarioides
Gruppe:
Beispiele:
Euphorbia flanaganii, Euphorbia gorgonis
Gruppe: Beispiele: Euphorbia caput-medusae, Euphorbia ramiglans, Euphorbia superans
Gruppe: Beispiele: Euphorbia brakdamensis, Euphorbia pentops
Gruppe: Beispiele: Euphorbia multiramosa, Euphorbia namaquensis
Gruppe: Beispiele: Euphorbia
globosa, Euphorbia wilmanae
Gruppe: Beispiele: Euphorbia
jansenvillensis, Euphorbia meloformis, Euphorbia suzannae
Gruppe:
Beispiele:
Euphorbia enopla, Euphorbia horrida, Euphorbia pillansii
Sektion II. Euphorbia Arten mit meist paarigen Dornen, auch einzeln stehende oder zu dreien stehende Dornen.
Gruppe: Beispiele: Euphorbia
beharensis, Euphorbia milii, Euphorbia rossii
Gruppe: Beispiele: Euphorbia neriifolia, Euphorbia royleana
Gruppe:
Beispiele:
Euphorbia enormis, Euphorbia squarrosa, Euphorbia stellata
Gruppe: Beispiele: Euphorbia dawei
Gruppe: Beispiele: Euphorbia
buruana, Euphorbia handiensis, Euphorbia opuntioides
25a. Gruppe: Beispiele: Euphorbia cryptospinosa, Euphorbia fruticosa
25b. Gruppe: Beispiele: Euphorbia columnaris
25c. Gruppe: Beispiele: Euphorbia piscidermis, Euphorbia turbiniformis
25d. Gruppe:Beispiele:Euphorbia abdelkuri
Gruppe: Beispiele: Euphorbia poissonii, Euphorbia sapinii, Euphorbia unispina, Euphorbia venenifica
Gruppe: Beispiele: Euphorbia
glochidiata, Euphorbia monacantha, Euphorbia schizacantha
Gruppe: Beispiele: Euphorbia ellenbeckii, Euphorbia isacantha, Euphorbia uhligiana
Nun die madagassischen Arten nach Leandri
Gruppe: Beispiele: Euphorbia stenoclada
Gruppe: Beispiele: Euphorbia leuconeura, Euphorbia neohumbertii
Gruppe: Beispiele: Euphorbia croizatii, Euphorbia guillauminiana
Gruppe: Beispiele: Euphorbia pedilanthoides, Euphorbia kondoi
Gruppe: Beispiele: Euphorbia pachypodioides
Gruppe: Beispiele: Euphorbia fiherantsoae, Euphorbia milii
Gruppe:
Beispiele:
Euphorbia cap-saintemariensis, Euphorbia francoisii, Euphorbia
primulifolia
Gruppe: Beispiele:Euphorbia platyclada
Links zur weiteren Information :
Auf
dieser Site finden Sie Fotos von verschiedenen meist nicht
sukkulenten Wolfsmilchgewächsen aus Madagaskar:
Missouri
Botanical Garden Images of Euphorbiaceae in Madagascar
Uni
Hamburg Botanik:
Euphorbiales
- Wissenswertes über die Wolfsmilchartigen
Botanik
online - Gute Information zur
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1
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2
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Stand
22.09.08
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