Die Vier Edlen Wahrheiten

1)  Die Wahrheit vom Leiden
Geburt, Alter, Krankheit, Tod, Ungeliebtem ausgesetzt, Geliebtes verloren, Gier, Abneigung, Körper, Empfindung, Wahrnehmung, Triebkräfte, Bewusstsein sind Faktoren des Leidens.

2)  Die Wahrheit von der Leidensentstehung
Lebensdurst, der von einer Wiedergeburt zur nächsten führt, leidenschaftlicher Durst nach Werden und nach dem Aufhören des Werden lassen Leiden entstehen.

3)  Die Wahrheit von der Leidensüberwindung
Durch die völlige Aufhebung des Lebensdurstes, durch Abkehr von Leidenschaft und innere Ruhe kann das Leiden überwunden werden.

4)  Die Wahrheit vom Weg der Leidensüberwindung
Das Leiden ist in der Welt. Es entsteht durch Unbeständigkeit und Vergänglichkeit der Dinge und unser Haften daran. Der Weg, der herausführt, ist der achtfache Pfad.



Der Edle Achtfache Pfad

1)  Rechte Anschauung
Der Lehre vertrauen, Zusammenhänge, Wahrheit vom Werden und Vergehen erkennen.

2)  Rechte Gesinnung
Selbstlos, hasslos, friedfertig, Gedanken und Handlung achtsam klar beobachten.

3)  Rechte Rede
Abstand von Lüge, Schwatzhaftigkeit, Beleidigung.

4)  Rechte Tat
Kein Quälen und Verletzen, keine Ausschweifung. Stattdessen freigebig und hilfreich handeln.

5)  Rechte Lebensführung
Kein selbstsüchtiges Streben, kein Schädigen anderer Wesen. Fürsorge für alle Mitwesen.

6)  Rechte Anstrengung
Unheilsames erkennen und abwenden. Tatkraft und Vertrauen in die Wahrheit haben.

7)  Rechte Achtsamkeit
Achtsam Körper und Gefühle beobachten. Wer die Wahrheit durchschaut, der wird frei.

8)  Rechte Vertiefung
Vertiefte Geisteskonzentration bringt Geistesstillung. Meditation bringt Unerschütterlichkeit.



Die fünf Verpflichtungen

1.  Kein lebendes Wesen töten oder verletzen.
2.  Nichts nehmen, was nicht gegeben ist.
3.  Die Sinneslust beherrschen.
4.  Es vermeiden zu lügen und zu schreien.
5.  Keine berauschenden Mittel zu sich nehmen.


(von www.viengiac.de)



Text der dbu:

Der Buddhismus ist eine der großen Weltreligionen mit einer nunmehr zweieinhalb­tausendjährigen, ungebrochenen Überlieferung. Er wendet sich an alle suchenden Menschen, unabhängig von Nationalität, sozialer Herkunft oder Geschlecht und weist Wege aus Leid und Unvollkommenheit zu Harmonie und Glück. Heute ist der Buddhismus vor allem in den Ländern Asiens lebendig, findet aber zunehmend in westlichen Ländern Anklang.


Kurzer Abriß über die Geschichte des Buddhismus

Die geschichtliche Entwicklung des Buddhismus kann (großzügig) in vier Phasen unterteilt werden:

   1. Mitte des 6. bis Mitte des 5. Jahrhundert v. Chr.: Phase des Ur-Buddhismus oder Dhammayana, in der die Lehre vom Buddha verkündet und von seinen Schülern weiter verbreitet wurde.
   2. ab Mitte des 4. Jahrhundert v. Chr.: Phase der Spaltung in verschiedene Schulen aufgrund von unterschiedlichen Auslegungen der Lehre (siehe auch Schulen).
   3. ab dem 1. Jahrhundert: Aufkommen des Mahayana mit den zwei großen Strömungen des Madhyamika und Yogacara.
   4. nach dem 7. Jahrhundert: Entstehung des buddhistischen Tantrismus (siehe auch Tibetischer Buddhismus und Vajrayana).

Ab ca. dem 3. Jahrhundert kommt es zur Verbreitung des Buddhismus in Gebieten außerhalb Indiens, wo er sich jeweils den lokalen Gegebenheiten anpasst.

Buddhistische Lehre

Die buddhistische Lehre weist Wege aus Leid und Unvoll­kommenheit zu Harmonie und Glück. Die »Vier Edlen Wahr­heiten« (siehe unten) bilden ihren Kern. Die wesentlichen Merkmale und Übungen dieses spirituellen Weges sind ethisches Verhalten, Meditation und tiefe Einsicht. Dabei stellt die Lehre des Buddha den Menschen immer in seine eigene Verantwortung. Sie zeichnet sich zudem durch Toleranz und Dialog­bereitschaft, Dogmenfreiheit und Gewaltlosigkeit aus. Einen Anspruch auf alleingültige Wahrheiten erhebt sie nicht.

Die Vier Edlen Wahrheiten:

Der Kern der Lehre des Buddha sind die vier Edlen Wahrheiten, die er in seiner allerersten Rede in Isipatana (dem heutigen Sarnath) bei Benares vor seinen ehemaligen Gefährten, den fünf Asketen, erläuterte.

Die vier edlen Wahrheiten sind:    

   1. Wahrheit vom Leiden: Das Leben im Daseinskreislauf ist letztlich leidvoll. Dies ist zu durchschauen. (Dukkha Sacca)
   2. Wahrheit von der Ursache des Leidens: Die Ursachen des Leidens sind Gier, Haß und Verblendung. Sie sind zu überwinden. (Samudaya Sacca)
   3. Wahrheit von der Aufhebung des Leidens: Erlöschen die Ursachen, erlischt das Leiden. Dies ist zu verwirklichen. (Nirodha Sacca)
   4. Wahrheit von dem Weg zur Aufhebung des Leidens: Zum Erlöschen des Leidens führt ein Weg, der Edle Achtfache Pfad. Er ist zu gehen. (Magga Sacca)

Die vier edlen Wahrheiten können auch als der kürzeste Ausdruck der gesamten Lehre des Buddha und als der gemeinsame Nenner aller buddhistischen Richtungen bzw. Schulen genommen werden.

Die erste Wahrheit besagt, dass alle weltlichen Daseinsformen ungenügend sind, uns niemals vollständig befriedigen können und damit leidhaft sind. Sie stellt die Diagnose unseres Daseins dar. Die zweite Wahrheit beinhaltet die Ursachenanalyse. Die Ursache des Leidens ist in unserem eigenen Geist zu finden: Dem Begehren. Die dritte Wahrheit lehrt, dass es durch Erlöschung des Begehrens notwendigerweise zur Erlöschung des Leidens kommen muss. Die vierte Wahrheit beschreibt den praktischen Weg, der zur Leidensüberwindung führt. Dieser Weg wird als Achtfacher Pfad beschrieben (siehe unten).

Der Achtfache Pfad:

Praktisch hat die ganze Lehre des Buddha, der er sich 45 Jahre gewidmet hat, in irgendeiner Weise mit dem achtfachen Pfad zu tun. Er stellt eine praktische Wegweisung zur vollständigen Leidensaufhebung  dem Nirvana  dar, wenn alle nachfolgenden acht Elemente erfolgreich von einem selbst gemeistert werden:

   1. Rechte Ansicht (Samma Ditthi)
   2. Rechtes Denken (Samma Sankappo)
   3. Rechte Rede (Samma Vaca)
   4. Rechte Handlung (Samma Kammanto)
   5. Rechter Lebenserwerb (Samma Ajivo)
   6. Rechte Anstrengung (Samma Vayamo)
   7. Rechte Achtsamkeit (Samma Sati)
   8. Rechte Konzentration (Samma Samadhi)

In einer anderen, kompakteren Form wird der Weg dreigliederig dargestellt:

   1. Weisheit (Panna): Hierunter fallen Rechte Ansicht sowie Rechtes Denken.
   2. Ethik (Sila): Hierunter fallen Rechte Rede, Rechte Handlung sowie Rechter Lebens­erwerb.
   3. Sammlung (Samadhi): Hierunter fallen Rechte Anstrengung, Rechte Achtsamkeit sowie Rechte Konzentration.

Schulen

Der ursprünglich in Nordostindien entstandene Buddhismus zeigte schon bald nach Buddhas Tod verschiedene Schwerpunkte, Ausprägungen und erste Abspaltungen. Im Laufe der Jahrhunderte und auf seinem Weg in unterschiedlichste Länder und Kulturen entwickelten sich weitere Formen, Schulen und Interpretationen, die für unterschiedliche Menschen, Bedürfnisse und Charaktere geeignet waren. Viele dieser Schulen haben bis heute überlebt und sind zu authentischen »Traditionen« geworden.

Auf diesen Seiten erhalten Sie alle wichtigen Grundlageninformationen zu den einzelnen buddhistischen Schulen/Traditionen, die sich grob in Theravada und Mahayana unterteilen lassen.


Die Theravada-Schule:
Schule im Buddhismus, die sich in Ihrer Praxis und Lehre auf die ursprünglichen Aussagen des Buddha bezieht. Grundlage dafür sind die ältesten erhaltenen Schriften des Pali-Kanons, der sich aus drei Teilen zusammensetzt:

    * Den Ordensregeln (Vinaya),
    * den Lehrreden des Buddha (Sutten-Kanon) und
    * der systematischen Philosophie (Abhidhamma).


Theravada bedeutet wörtlich Lehre der Ordensälteren. Ziel des Theravada ist die Erhaltung der Lehre des Buddha in seinen ursprünglichen zeitlosen und kultur-unabhängigen Aussagen, auch hier für den Westen. Buddha selbst hat keinen Nachfolger benannt. Grundlagen der Befreiung sind: Die Anwendung seiner zeitlosen Buddha-Lehre und die Realisation nach der eigenen Erfahrung.

Heute findet man den Theravada auch hier im Westen, hauptsächlich jedoch in den Ländern Süd- und Südost-Asiens (Sri-Lanka, Burma/­Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha).
Der Theravada-Buddhismus ist die einzige überlebende Schule der verschiedenen Schulen des ursprünglichen Buddhismus. Die Betonung liegt im Theravada auf dem Befreiungsweg des einzelnen aus eigener Kraft nach dem Arahat-Ideal. Der Buddha lehrt diesen Weg systematisch als (Geistes-)Training von Weisheit, Ethik und Sammlung.



Mahayana

Das Mahayana (großes Fahrzeug) entwickelte sich historisch gesehen etwa um die Zeitwende aus der Schule der Mahasanghikas. Die Mahasanghikas hatten sich etwa 100 Jahre nach Buddhas Tod (383 v. Chr.) von der Theravada-Tradition abgespalten und behauptet, in der Mehrheit zu sein – deshalb ihr Name »Angehörige der großen Gemeinde«.

Das Mahayana stützt sich auf die Überlieferung des Sanskrit-Kanon, der zwar nicht mehr komplett vorhanden ist, wohl aber in seinen Übersetzungen ins Chinesische und Tibetische. Typisch für all die später entstandenen Mahayana-Schulen ist die Betonung der Rolle des Lehrers (Gurus) bzw. des in einer Übertragungslinie stehenden Meisters. »Großes Fahrzeug« heißt es auch, weil es durch seine Vielfältigkeit einer großen Anzahl von Menschen den Weg zur Erlösung öffnet, ja, alle Wesen erlösen will.

Zen Buddhismus

Das japanische Wort »Zen« ist eine Übertragung des chinesischen Begriffes »Chan«. Dieser geht seinerseits auf die Sanskrit-Bezeichnung »Dhyana« zurück, die »Zustand meditativer Versenkung« bedeutet. In China wurde eine buddhistische Übungspraxis als »Chan« bezeich­net, die die schweigende Sitzmeditation ins Zentrum des Übens stellte. Als ihr Begründer gilt Bodhidharma, der im 6. Jahrhundert aus Indien ins Land kam. Charakteristisch für die Chan-Tradition wurde ferner eine betont alltagspraktische Ausrichtung des Übens, wobei körper­liches Arbeiten als Teil des spirituellen Weges aufgefaßt wird. Dieses erst in China markant hervortretende Profil entwickelte sich wohl im Gegenzug zur verbreiteten Gelehrsamkeit, die sich in anderen Schulen des chinesischen Buddhismus entfaltet hatte.

In Japan sind drei Zen-Schulen verbreitet, die Soto- und die Rinzai-Tradition sowie die kleine Obaku-Richtung, die dem Rinzai-Zen nahesteht. Wesentliche Elemente des Übens, wie es in den Westen übertragen wurde, sind Zazen – Sitzen in Konzentration – und die Alltagspraxis. In der Rinzai-Tradition wird außerdem die Koan-Schulung als eine spezielle Methode zur Überwindung des logisch-begrifflichen Denkens eingesetzt, um die es im Zen generell geht.

Zen findet man gegenwärtig vor allem in Japan, Korea, China, Taiwan, Vietnam sowie in den USA und in Europa. Der Zen ist eine der bedeutenden Schulen des Mahayana-Buddhismus (Großes Fahrzeug), dessen Ideal die Bodhisattva-Motivation ist.

Amida-Buddhismus

Amida-Buddhismus ist der Oberbegriff für alle Schulen des Buddhismus, die den Buddha Amitabha (japanisch Amida) zum Mittelpunkt Ihrer Lehre gemacht haben. Dazu zählen die Reines-Land-Schule, Jodo-shin-shu und Jodo-shu.

Der Amida-Buddhismus personifiziert das höhere Selbst oder die Buddha-Natur als Buddha Amitabha und lehrt Vertrauen in Amida als Weg zur Befreiung. Amitabha, wörtlich »Grenzenloses Licht«, symbolisiert nach dieser Schule Mitgefühl und Weisheit.

Der Amida-Buddhismus findet sich in den Ländern des Buddhismus Ost-Asiens (Japan, China, Taiwan, Korea und Vietnam). Der Amida-Buddhismus ist eine Schule, die zum Mahayana (Großes Fahrzeug) mit dem Bodhisattva-Ideal gehört.

Tibetischer Buddhismus

Der Tibetische Buddhismus setzt sich aus mehreren Schulen zusammen, die sich historisch aus dem späten indischen Buddhismus (insbesondere Vajrayana) und der vorbuddhistischen Naturreligion Bön entwickelt haben.

Typische Elemente in der Praxis des tib. Buddhismus sind Schaubildentfaltung (Visualisierungen), Mantras, Tantra-Übungen, Rituale, Einweihungen und Guru-Yoga. Der tibetische Buddhismus legt besonderen Wert auf direkte Übertragung von Unterweisungen von Lehrer und Schüler.

Die vier Hauptschulen des Tibetischen Buddhismus sind:

    * Nyingma: Älteste tib. Schule, auf Padma Sambhava (8. Jh.) zurückgehend.
    * Kagyü: Im 11. Jh. von Marpa und dem berühmten Schüler Milarepa gegründete Schule.
    * Sakya: Begründet im 11. Jh. und benannt nach dem Kloster Sakya.
    * Gelugpa: Im 14. Jh. von Tsongkhapa gegründete und reformierte Schule.



Buddha

Der Buddha - sein Name war Siddhattha (skr. Siddhartha) und sein Familienname Gotama (sanskrit: Gautama) - lebte im 6. Jahrhundert v. Chr. in Nordindien. Sein Vater war Herrscher des Königreichs der Sakyas (im heutigen Nepal). Seine Mutter war die Königin Maya. Nach der Sitte der Zeit wurde der Gotama Siddhattha sehr jung, im Alter von 16 Jahren, mit der Prinzessin Yasodhara vermählt. Der junge Gotama lebte in seinem Palast, und alles, was zum Wohlleben gehörte, stand ihm zur Verfügung.

Als er sich aber eines Tages ganz plötzlich der Realität des Lebens und dem Leiden der Menschheit gegenübergestellt sah (die 4 Begegnungen), entschloß er sich, nach der Aufhebung des Leidens zu suchen und den Weg aus dem allgemeinen Leid zu finden. Mit 29 Jahren, bald nach der Geburt seines einzigen Sohnes Rahula, verließ er sein Königreich und wurde, auf der Suche nach dieser Erlösung, ein Asket. Sechs Jahre lang wanderte der Asket Gotama durch das Tal des Ganges, traf berühmte religiöse Lehrer, studierte und folgte ihren Systemen und Methoden und unterwarf sich selbst strengen asketischen Übungen. Da ihn all dies nicht befriedigte, gab er die überlieferten Religionen und ihre Methoden auf und ging seinen eigenen Weg.

In diesem Bemühen um Erlösung erreichte Gotama in seinem 35. Lebensjahr die vollkommene Erleuchtung (bodhi), nach der er als der Buddha,  der Erleuchtete,  bekannt wurde. Und zwar geschah dies am Ufer des Neranjara-Flusses bei Gaya (nahe Gaya im heutigen Bihar) unter einem Baum, der heute als Bodhi-Baum, Baum der Weisheit, verehrt wird.

Nach seiner Erleuchtung hielt Gotama, der Buddha, im Wildpark bei Isipatana (dem heutigen Sarnath) nahe Benares vor einer Gruppe von fünf Asketen, seinen früheren Gefährten, seine erste Lehrrede. Von jenem Tage an hat er 45 Jahre lang vor Männern und Frauen aller Volksschichten, vor Königen und Bauern, Brahmanen und Ausgestoßenen, Geldverleihern und Bettlern, Heiligen und Räubern gesprochen und gelehrt. Die Unterscheidungen der Kasten­ordnungen oder die Verschiedenheiten der sozialen Gruppierungen erkannte er nicht an; der Weg, den er lehrte, stand allen Männern und Frauen offen, die bereit waren, ihn zu verstehen und zu gehen.

Im Alter von 80 Jahren verschied der Buddha in Kusinara (im heutigen indischen Bundesstaat Uttar Pradesh).





taken from: dbu (www.buddha.de)