In
den 50er Jahren war Sexualiät vor allem in der BRD ein
Tabuthema. Unter dieser Tabuisierung litten vor allem die Frauen.
Sexualität von Frauen wurde unmittelbar mit Ehe und Schwangerschaft
verknüpft. Frauen, die schwanger wurden ohne verheiratet zu
sein, wurden gesellschaftlich ausgegrenzt, uneheliche Kinder rechtlich
und gesellschaftlich benachteiligt.
| Die
"um 1968" an die Öffentlichkeit tretende Frauenbewegung
in der BRD forderte im Zusammenhang mit der Debatte
um die ersatzlose Streichung
des §218 immer auch das Selbstbestimmungsrecht
der Frauen. Dies betraf nicht nur die eigene Entscheidung
im Falle einer ungewollten Schwangerschaft, sondern auch ein
unteilbares Selbstbestimmungsrecht über den eigenen Körper.
Frauen verließen die tradierte Rolle der passiv wartenden
und immer für den Mann bereiten "Sexualobjekte",
formulierten eigene Maßstäbe für eine befriedigende
Sexualität
und suchten diese auch zu leben. Sie protestierten gegen die
zunehmende Sexualisierung
und Instrumentalisierung von Frauenkörpern in der Werbung
und stellten Tabu-Themen wie |
|

Stern-Titelbild
(6. Juni 1971)
|
Vergewaltigung
und sexuellen Missbrauch zur Diskussion. Zu einer Enttabuisierung
der Sexualität trug auch bei, dass Politikerinnen wie Käte
Strobel sich öffentlich für eine bessere sexuelle
Aufklärung stark machten.
Im Schutz der Frauenbewegung begannen Frauen, sich offen zur Homosexualität
zu bekennen. Von der zunächst außerparlamentarischen
Frauenbewegung der 60er und 70er Jahre gingen in Westdeutschland
Impulse aus, die von Frauen im parlamentarischen Rahmen fortgeführt
wurden. Gemeinsam setzten sie einen gesellschaftlichen Meinungswechsel
in Gang, der 2001 zur gesetzlichen Anerkennung gleichgeschlechtlicher
Lebenspartnerschaften führte.
 |
|
Auch
in der DDR begannen Frauen, über weibliches Begehren
nachzudenken. Sie suchten nach neuen Lebensweisen, im Privaten
wie in der Öffentlichkeit. Offensichtlich wurde ihr Bedürfnis
auch nach sexueller Selbstverwirklichung. Ihre größere
ökonomische Unabhängigkeit von männlichen Partnern
bot ihnen dazu eine bessere Ausgangsbasis als ihren westdeutschen
Schwestern. Dieses weibliche Selbstbewusstsein und Selbstverständnis
manifestierte sich nicht nur in dem Protokollband "Guten
Morgen, du Schöne" der Autorin Maxie
Wander. Es fand auch Eingang in Filme wie "Die
Legende von Paul und Paula" (1973), die selbstbestimmte
Formen weiblichen sexuellen Begehrens repräsentierten.
|
|