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- Günther Miklitz -
Wer mit seinem PC einen Internetzugang hat, der verfügt gewiss
auch über eine E-Mail-Adresse, z. B hase@im.feld.de, mit dem berühmten
"Klammeraffen" @ zwischen der persönlichen Kennung und der Kennung
des Großrechners, über den der elektronische Postverkehr abgewickelt
wird. Das Lesen der täglichen-
Mails von Freunden oder beruflich bedingter Korrespondenz ist schnell
zur Routine geworden und hat unsere postalische Alltagskultur verändert.
Die Schnelligkeit des Informationsaustausches stärkt bald das Verlangen nach mehr. Offenbar gibt es für viele Zeitgenossen nichts Frustrierenderes, als beim On-Line-Blick in die Mailbox keine Nachricht vorzufinden. Keine Nachricht, und das im Informationszeitalter! Solchem Frust vorzubeugen, stehen dem Cybernauten oder Netizen, dem Netzbürger also (von engl. net + citizen), unzählige Mailing Listen zu allen nur erdenklichen Themen im kostenlosen Abonnement zur Verfügung. Eine Mail mit der kurzen Aufforderung "subscribe" genügt, und schon versorgt einen der Betreiber der Liste durch einen Automaten mit all den Nachrichten, die ihm von den Mitgliedern um ein bestimmtes Thema herum übergeben wurden.
Uns interessierte das Thema "Informationsgesellschaft". Natürlich findet man auch hierzu eine internationale Mailing List. "Subscribe", lautet das Zauberwort, und schon ist die Mailbox täglich gefüllt mit 5 bis 10 Mails.
Wehe, man hat ein paar Tage lang seine elektronische Post nicht abgeholt! Gnadenlos stopft der Automat der Liste die Mailbox voll, so dass man kaum mit der Durchsicht der Post nachkommt. Und viele Mails bringen einem so wertvolle Aufforderungen wie "Hilfe, ich bekomme zu viel Mail. Wie komme ich von der Liste wieder runter?". Daneben gibt es Bitten um Spenden für schwer erkrankte Kinder in irgend einem Teil der Welt oder die Wünsche von Studenten nach Material für ihre Seminararbeiten. Der erfahrene Mailer kennt das: "Noise", also Lärm oder das Rauschen im Kanal.
Offenbar sind wir in eine nicht moderierte Liste geraten, in der niemand die eingereichten Nachrichten filtert. Jeder noch so abstruse Beitrag wird vom Automaten verteilt. Aber auch wertvolle Inhalte machen die Runde, fundierte, kritische und professionelle Beiträge, teils von Institutionen, teils auch der ehrliche und demokratische Aufruf eines von Unbill betroffenen Bürgers.
Die Verteilung von wertvollem Inhalt und die möglichst breite Beteiligung von Bürgern an einem gesellschaftlich wichtigen Thema gehen also einher mit dem genannten Rauschen im Kanal. Nun muss man die Frage stellen, ob die gesellschaftliche Funktion einer nicht moderierten Mailing Liste den Mangel des Rauschens im Kanal aufwiegt.
Diese Frage beantwortet sich in der Praxis meist von alleine. Verfasser von qualitativ hochwertigen Beiträgen ermüden bald, finden es lästig, täglich die Spreu vom Weizen trennen zu müssen, und ziehen sich aus der Mailing Liste zurück. Dadurch sinkt die Qualität der Inhalte allmählich ab und das Rauschen nimmt überhand.
Welchen Rat kann man nun dem engagierten und auf vielfältige Informationsversorgung bedachten "Netzbürger" geben?
Die Antwort ist einfach. Für die Verbindung mit einem Kreis von fachlich qualifizierten Internet-Teilnehmern empfiehlt es sich, nur eine moderierte Mailing List zu abonnieren, am besten eine solche, die eine Konzentration der Diskussionsbeiträge und eine verantwortungsvolle Auswahl der wirklich wichtigen Informationen zum Thema bietet. So wird gewährleistet, dass nicht täglich die Festplatte des eigenen PC mit Datenmüll beschwert wird. Was das Bedürfnis nach breiter Information angeht, so ist auf die Fülle von News-Groups zu verweisen. Dort findet man jede Menge ungefilterter Informationen, die man bei Bedarf auf das Wesentliche durchkämmen kann.
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